Studien des Buchhändlers am

Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

-Mitbegründer des Forum3 Stuttgart-

-Anthroposophisches Studienseminar-

Der sozialwissenschaftlichen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum, Dornach gewidmet

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"...Wo steht heute die Dreigliederung? Sie ist öffentlich so gut wie nicht existent. Aber sie wirkt! Sie lebt in vielem, was wir beobachten können als treibende Kraft. Erst gab es eine Phase vor allem gedanklicher Ausarbeitung, dann eine, in der das Gefühl ergriffen war. Jetzt, so glaube ich, sind wir in einer Zeit angelangt, wo seine (Steiners) Ideen den Willen erreichen. Lebensunterhalt statt Lohn, neue Wohn- und Arbeitsformen, flache Hierarchie und Selbstverwaltung. Mir begegnen Menschen, die genau das machen, was zum Kern der Dreigliederung gehört. Was also gefühlt wurde, ist im Willen angekommen. Da wird nicht argumentiert, vielen scheint evident, dass es sein muss. Die, die so unterwegs sind, warten nicht, sie machen es einfach. Da gibt es viele, die längst zu dieser menschlicheren Wirklichkeit unterwegs sind...."

Gerald Häfner in: "Das Goetheanum" 10/8.März 2019

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Eine menschlichere Wirklichkeit?

Eher ist es das alte Problem des Streites zwischen Jung und Alt - zwischen Wollen und Denken. "Die Alten wissen alles, tun aber nichts - die Jungen tun, aber wissen nicht". Nicht umsonst ist die Reihe der menschlichen Seelenfähigkeiten Denken - Fühlen - Wollen,

sonst hat man das Zäumproblem.

Die Prädominanz des Wollens über das Erkennen ist das Kennzeichen der Neuzeit, Handlungsbedarf ersetzt aber nicht die Erkenntnisbildung.

Und die muß angesichts globaler Probleme selbst global sein!

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Zum Grundsteinspruch der Anthroposophischen Gesellschaft:

…"Was wir aus Herzen gründen, aus Häuptern zielvoll führen wollen";

Wer sein Wollen gedanklich gründet, glaubt vielleicht, schon herzlich genug getan zu haben. Wem das Denken der Garant ist dafür, aus Subjektivem hinauszukommen, wie gerne aus dem ersten Teil von Steiners Philosophie zitiert wird, der mag sein Handeln zielvoll als Hauptsache führen wollen.

"Aus Herzen gründen" setzt voraus:

Liebe zur Sache und zu den Menschen, nicht nur zu Gedanken, wie es das Wort "Philosophie" bescheinigt.

Steiner macht die Liebe zur Präambel des Handelnwollenden, der für den Impuls der Dreigliederung wirken will.

Wer im Gefühl nur subjektive Äußerung sieht, tritt am Menschen vorbei und über ihn hinweg, statt in den 2. Teil Steinerscher Philosophie: der "Wirklichkeit der Freiheit".

'Wollen', wie es Rudolf Steiner meint, bezieht sich auf Haupt und Herz.

Gedanken- oder herzlos ist ein Malheur, zusammen die Katastrophe.
Goetheanum 47-2017, KH.Kaesebier

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"Freiheit, du freundlicher Name"
(Rudolf Steiner: "Philosophie der Freiheit" GA4S170)
- Freiheit und Moral im Wandel der Zeiten -
Tango Soziologico:

Warum Anthroposophische Gemeinschaftsbildung keine Sektenbildung ist!
auf der Grundlage von Hans Erhard Lauers anthroposophischer Geschichtswissenschaft

Greta Thunberg, Demo Berlin 29.3.

   In der Menschheitsgeschichte gibt es drei Entwicklungsgestalten der Freiheit, die mit der biblischen 'Befreiung' des Menschen durch die 'Schlange' ihren ersten Anfang genommen haben. Es ist das Verdienst des Anthroposophen Hans Erhard Lauers, diese genauer untersucht zu haben, ihm sind die folgenden Beiträge zu verdanken. Hier sei ein Ausblick gegeben, der gerne auch zur weiteren Lektüre anregen will, viele seiner Werke sind hier zu finden. (s.links)
   Die erste Erkenntnisform des Menschen - die Unterscheidungsfähigkeit von Gut und Böse - ist nicht auch schon die letzte, heute mögliche Stufe der Freiheit. Denn wer unser modernes Freiheitsempfinden in die Urzeit extrapoliert, versäumt es, die verschiedenen Entwicklungsformen zu unterscheiden. Freiheit 'von' ist etwas anderes als Freiheit 'zu'. Sonst entsteht ein diffuser Begriff, der sich für alles verwenden lässt, wie z.B. mit der abgebrauchten Floskel des 'Friedens in Freiheit', die doch nur die bequeme Freiheit 'von' etwas, von Bedrängungen und Einschränkungen meint, aber nicht die konstruktive Freiheit 'zu' etwas, die nur entsteht, wenn der Einzelne initiativ wird. Nicht alles, was in unserer 'freien Welt' mit diesem Attribut belegt wird, verdient diesen Namen. Gerade wenn Freiheit nicht von Einzelnen, sondern von Gruppen als Motto in Anspruch genommen wird, darf man stutzig werden. Wem in diesen Gruppen zum Gelingen eines Projekts Opfer abverlangt werden, der muß aufpassen, daß er nicht noch seine Freiheit opfert. Freiheit ist aber auch etwas anderes als der Liberalismus, der nur einen pekuniären Erkenntnisgewinn kennt. Freiheit ist heute Sache des Einzelnen, während ihre vor- und urgeschichtlichen Formen archetypischer und kollektiver Natur waren, wie bei dem Geschehen im Paradies und später in den Tempeln der theokratischen Kulturen. Vom Mythos, der da sozial bestimmend war, bis zum Individuum war ein langer Weg. Und die Aufgabe unserer Gesellschaft ist es, einen Freiraum für das Individuum zu gewährleisten, damit dieses sich zu der heutzutage möglichen Höchstform der Freiheit hinaufarbeiten kann. Wie das Hirn anthropologisch in seiner organischen Tätigkeit zurücktritt, um das Denken zu ermöglichen (Philosophie der Freiheit, 9. Kapitel), so müssen soziologisch die "Grenzen der Wirksamkeit des Staates" (Wilhelm von Humboldt) erkannt und eingehalten werden, wenn es ein freies Geistesleben geben soll. Forschung und Lehre müssen frei sein - auch von wirtschaftlichen Interessen, die sich meist über finanzielle 'Zuwendungen' geltend machen. Ebenso darf der Freiheitsraum des Einzelnen auf der mesosozialen Ebene in Arbeitsgemeinschaften nicht angetastet werden. 'Me too' ist nur ein unrühmliches Geschehen auf der seelisch-leiblichen Ebene - Übergriffe auf seelisch-geistiger Ebene werden meist gar nicht bemerkt, und die Würde des Menschen wird dort, entgegen aller normativen Bekundungen häufig genug angetastet und mißachtet.

    Unsere Zeit läuft Gefahr, auf einer zweiten Entwicklungsstufe stehenzubleiben, wo Freiheit noch gar nicht realisiert werden konnte, weil der Einzelne noch nicht hinreichend von der Kollektivität emanzipiert war und wegen seines Egoismus sozial 'geführt' werden musste. Allerdings bringt heute die freie Haltung, mit dem 'Liberalismus' in die Wirtschaft eingebracht, Unsoziales in großem Stil mit sich und ruft nach einem Ausgleich durch Sozialität. Also muß doch immer wieder die Richtung nach dem Sozialen gesucht werden. Aber wie Freiheit und Sozialität vereinbaren? Gibt es da einen goldenen Schnitt? Diese beiden Ideale werden von vielen vereinnahmt! Der Volksmund sagt: Nicht alles ist Gold, was glänzt! Es wird geschönt, aufgepfropft und vorgetäuscht. Und so ist manches nur Fassade und hinter ihr lauert der graue Alltag wie der Schnappfisch auf seine Beute. In den Bildern der Sage ausgedrückt: Die Burg des Klingsor möchte den Gral besitzen - die Gralsritter dagegen dienen ihm. Anthroposophen, denen die 'Philosophie der Freiheit' von Rudolf Steiner zum Handbuch geworden ist, erjagen sie den Gral für die Gralsburg?:

"Anthroposophie sei nur unter Anleitung zu erlernen", so Siegfried Woitinas (Anmerkungen II: 13.5a), der das Ideal der Selbstverwaltung für sein Institut in Anspruch nahm! Christoph Lindenberg, Autor des Buches 'Erziehung zur Freiheit': "In dem Maß, in dem irgendein menschliches Produzieren - sei es Arbeiten, sei es Denken, sei es Entscheiden, sei es ein Auto zusammensetzen - fremdbestimmt wird, in dem Maß wird der Mensch krank" (II: 13.5a).

Wer nicht unterscheiden kann zwischen individueller Souveränität und sozialer Verbindlichkeit, der schafft ein Führerproblem, und das führt unweigerlich in faschistoide Strukturen, wo es doch auf Selbstbestimmung - und: Selbstbeherrschung ankommt. Selbstverwaltung muß sich daran messen lassen, wie viel echte Selbstbestimmung in ihr möglich ist. Wo in den Konsumtempeln mit dem Ideal "Erkenn' Dir" wie in der East-Side-Mall in Berlin geworben wird, wird in Sektentempeln geworben mit "Bezwing Dir" - in dem einen herrscht der Konsumzwang, in dem andern der Gefolgszwang - auch wenn beide sich ganz modernistisch geben.


Das Ideal "Brüder, auf zur Sonne, zur Freiheit" hat zu Unfreiheiten geführt, die zu den traurigsten Kapiteln neuzeitlicher Geschichte in Ost, Mitte und West gehören.
In jüngster Vergangenheit sind vorgeschichtliche Verhältnisse wiederauferstanden, wo charismatische Führer noch mit kollektiver Kompetenz befähigt waren. "Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch die Würde" ist ein Motto, das aus alten Mysteriengepflogenheiten stammt. Heute führt das zu Sektenbildung, die zu hysterischer Massenmobilisierung anwachsen kann. Wer dagegen aus individueller Motivation Verantwortung ergreift, muß diese oft sogar gegen strukturelle, institutionelle oder parteiliche Gepflogenheiten umsetzen. Initiativen Menschen eine soziale Haltung abzuverlangen, macht blind für deren Impulse, weil institutionalisierte 'Sozialität' erdrückend wirken kann. Greta Thunberg ist in neuester Zeit ein wahrer Leuchtturm, obwohl bzw. gerade weil sie so klein und jung ist - und: Sie steht für sich, ohne Sprachrohr einer institutionellen Gruppe zu sein. So sieht heute menschheitliche Verantwortung aus. Greta! Laß Dich nicht vereinnahmen!

für Greta Thunberg

    Selbstverständlich ist Freiheit ohne Gemeinschaft nicht denkbar - im leeren sozialen Raum ist sie ein Nichts. Aber wie sind sie zusammen möglich? Schliessen sie sich nicht gegenseitig aus? Eine alte Streitfrage! In Kapitalismus und Sozialismus drücken sich beide Strebungen aus, in Ost und West aufgegliedert und gespalten.

   Freiheitsstreben führt hier wie dort zur Bewußtwerdung von Bindungen, die mit zunehmender Individualisierung überwunden werden wollen, das Ziel der Entwicklung charakterisiert Rudolf Steiner so:
"...Ich erkenne kein äußeres Prinzip meines Handelns an, weil ich in mir selbst den Grund des Handelns, die Liebe zur Handlung gefunden habe. Ich prüfe nicht verstandesmäßig, ob meine Handlung gut oder böse ist; ich vollziehe sie, weil ich sie liebe. Sie wird 'gut', wenn meine in Liebe getauchte Intuition in der rechten Art in dem intuitiv zu erlebenden Weltzusammenhang drinnensteht, 'böse', wenn das nicht der Fall ist. ...Ich fühle keinen Zwang, nicht den Zwang der Natur, die mich bei meinen Trieben leitet, nicht den Zwang der sittlichen Gebote, sondern ich will einfach ausführen, was in mir liegt..."
(GA4,Kap.9,S121. Siehe auch die Schillerschen drei Formen der Handlungsantriebe)
Darum ist dasTempelmotiv seit Urzeiten: "Erkenne Dich selbst". Wer in den echten Tempel eintreten will, wird nicht mit Zwängen konfrontiert, nur mit sich selbst. Aber dies ist die Urkonfrontation, die erst zu wahrem Menschsein führt. Die Stufen der individuellen Freiheit, wie sie heute im menschlichen Handeln erlebbar werden, hat Rudolf Steiner in seiner 'Philosophie der Freiheit' dargestellt - sie müssen hier nicht mehr dargestellt werden.
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Hier sollen die Stufen der Moral, wie sie in der geschichtlichen Entwicklung anschaubar werden, besprochen werden.
Hans Erhard Lauer hat sie untersucht in seiner
"Geschichte als Stufengang der Menschwerdung"
Im Zusammenhang mit der Freiheit stellt sich geschichtlich schon immer die Frage nach Gut und Böse und deren Ursprung. Der des Sektierertums unverdächtige Nestor der Soziologie, Alfred Weber spricht von objektiv-metaphysischen Mächten, die aber im modernen wissenschaftlichen Erfahrungsbereich keine Unterkunft finden. Die positiv erfahrenen Mächte bezeichnet er als "universalisierend und dadurch befreiend. Sie fügen uns in eine Weite und erlösen und befreien uns damit von dem Eingesperrtsein in unsere subjektive Enge. Die negativen aber sind partikularisierend. Sie verengen oder isolieren uns, sie haben in dieser Verengung und Isolierung den Effekt, sofern sie praktisch wesentliche Mächte sind, unsere Anlagen der Gewalt, des Hasses und der Zerstörung zu wecken" (Lauer III Wille + Vorsehung S19). Es wird sich hier noch herausstellen, ob diese Gegenüberstellung ausreicht, um das Problem der Unterscheidung in Gut und Böse zu verstehen.
   Das Ziel ist aber auch verfehlt, wenn Freiheit definiert wird als 'Einsicht in die Notwendigkeit'. Denn diese Einsicht wird oft unvermerkt 'vermittelt' durch eine äußere oder innere Autorität, auch und gerade wenn neue Wege einer kollegialen oder dialogischen Führung gesucht werden. Ohne einen differenzierten Freiheitsbegriff läuft es auf den alten Pflichtbegriff hinaus - den Kantschen 'Kategorischen Imperativ'. Und dieser ist der Tod jeglichen individuellen, freien Handelns. Er versteckt sich heute hinter wohlklingenden Satzungen von Vereinen und Betriebszielen kommerzieller Unternehmen. Die 'Global Player' z.B. sind so groß geworden, daß sie  unübersichtlich werden, geschweige denn durch Führungskräfte gesteuert werden können. Deren einzige Anstrengung besteht nur noch darin, auf den Dinos im Sattel zu bleiben. Wer z.B. Rudolf Steiners Anregung (Kernpunkte der sozialen Frage GA23) zu Betriebsbesprechungen aufgreift, um bei seinen Mitarbeitern einen größeren sozialen Horizont zu schaffen und zur Mitsprache zu befähigen - auch um Betriebsblindheit zu vermeiden, erzielt damit zwar einen Fortschritt. Aber die aus dem Quell der reinen Intuition entspringende Sittlichkeit (GA4.Kap9) ist damit bei weitem nicht erreicht. Was bei Geboten früher für die Auffassung des Gegensatzes von 'Gut oder Böse' maßgeblich war, kleidet sich heute in Bezeichnungen wie 'konstruktiv', 'zielführend', 'gemeinschaftsbildend' oder eben ihr entsprechendes Gegenteil. Die Quelle moralischen Handelns ist aber nur dem Individuum selbst zugänglich und kann nicht oktroyiert werden. Diese Quelle nennt Rudolf Steiner die 'moralische Phantasie' (GA4,12.Kap.). Sie ist die verwandelte Stimme des Gewissens, wo aus der Kantschen 'Pflicht' die Schillersche 'Neigung' wird.  "Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnis des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen" (Steiner-GA4.9.Kap.). Ohne die moralische Phantasie mutiert menschliches Handeln zum 'Willen zur Macht', der rigoros jeglichen sozialen Bezug verachtet. 'Me first' ist die Hybris des Nietzscheschen 'Übermenschen'. Die vielen Menschen, die heute aus sozialen Zwängen ausbrechen, sind es, die dem Puls der Zeit folgen.
Der Weg ist das Ziel
das Gegenteil davon ist: der Zweck heiligt die Mittel!
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   Diese Quelle kann durch eine zeitgemässe Pädagogik veranlagt werden. Im Geistesleben, das am dichtesten an freiheitlicher Quelle beheimatet ist - im Rahmen einer Schule, in Forschung und Lehre - kann kollegiale und dialogische Führung (Karl-Martin Dietz) noch am ehesten funktionieren. Denn deren 'Betriebsziel' ist der Mensch selbst.
   Ein Sieg für das 'Freie Geistesleben' - 100 Jahre nach der Gründung der Waldorfschulbewegung - ist jetzt 2019 vorläufig in Berlin errungen worden: Denn zu 'Freiheit in Forschung und Lehre' gehören immer Zwei: Schüler, Studenten und Forschende auf der einen, Lehrer, Ausbilder und Professoren auf der anderen Seite. Die politische Gleichheit hat nur die Finanzierung einer Ausbildung, Lehre und Studium, aber nicht den Zugang zu jeder beliebigen Schule, Ausbildungsstätte oder Universität zu garantieren, denn diese müssen frei über Aufnahmen entscheiden können. Die Waldorfschule in Berlin-Treptow macht Epoche, denn sie hat sich gegen politischen Druck gewehrt und es wurde ihr zugestanden, einen Schüler nicht aufzunehmen, dessen AFD-engagierte Eltern die Aufnahme einklagen wollten.
   Soll diese freiheitliche Quelle aber in Dienstleistungs- und Produktionsstätten sprudeln, braucht ein wirtschaftlicher Zusammenhang eine Athmosphäre, die in den meist hierarchischen Betriebsmodellen nicht möglich ist. Betriebe und Institutionen müssen sich daran messen lassen, wieviel Spielraum sie jedem Individuum lassen, nicht nur der 'lokomotivierenden' Chefetage. Eine 'flache Hierarchie' wiederum meint oft nur Nivellierung, wo es doch auf die Förderung individuell unterschiedlicher Fähigkeiten ankommt, sonst wird der 'sehr gute zweite Mann' kreiert, den Stefan Heym beschreibt. Auch ist es wenig hilfreich, die Freiheit als verwirklicht zu behaupten, bevor der Weg dahin gegangen ist. Eine besonders grosse Illusion entsteht, wenn einerseits ein Arbeitsvertrag ein freies Arbeitsverhältnis suggeriert, in der Realität aber bindende soziale Strukturen bestehen.
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   "Freiheit darf man sich nie schenken lassen, man muß sie sich nehmen", so Friedrich Schorlemmer (Tagesspiegel 26.9.12), man denkt dabei an Goethes Faust: "Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß". Freiheit ist auch das Grundanliegen Rudolf Steiners, auf die Frage: "Wie ist aber ein Zusammenleben der Menschen möglich, wenn jeder nur bestrebt ist, seine Individualität zur Geltung zu bringen?" antwortet er mit der oben angeführten Maxime. An anderer Stelle formuliert er es so: "Das Barometer des Fortschritts in der Entwicklung der Menschheit ist nämlich in der Tat die Auffassung, die man von der Freiheit hat, und die praktische Realisierung dieser Auffassung", (GA31S136)

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  Anthroposophische Pioniere haben deswegen die Phasen der Entwicklung von Betriebsstrukturen untersucht (z.B.NPI-Niederländisch-pädagogisches Institut). Sie finden ihr Abbild in jeder betrieblichen Entwicklung und leiten sich naturgemäß von der menschlichen Biographie her, weil der Mensch seine Triebkräfte, Fähigkeiten und Ideale einbringt. Ihnen -Lievegoed, van Sassen und deren Schüler Moens, Bos, Glasl, Ballreich und vielen anderen- geht es um den Aufbau konstruktiver Betriebsstrukturen und um die soziale Befähigung der Mitarbeiter bis hin zu betrieblichen Früherkennungssystemen bei entgleisenden und dämonisierenden Entwicklungen wie Mobbing, Ausgrenzung und Abspaltung. Sozialforschung, Organisations-entwicklung und Konfliktmanagement sind aus den Initiativen der Genannten entstanden, die sich am anthroposophischen Menschenbild orientieren. Weil es dazu mannigfache Literatur gibt, sei auch auf dieses Thema nur hingewiesen.
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Fasst man den geschichtlichen Ausgangspunkt menschlicher Freiheit ins Auge, dann findet sich als Erstes der biblische Mythos, der sich um den 'Erkenntnisbaum' und den 'Lebensbaum' rankt, Er benennt als Mitspieler nicht nur den Menschen, sondern auch geistige Wesen. Dazu Hans Erhard Lauer:    (II1A Kosm. Mächte des Bösen, S128)
"...Zwei Bemerkungen sind vorauszuschicken. Die erste ist diese, daß das wichtigste und zugleich das absolut neue Moment innerhalb alles dessen, was sich aus den Quellen der neuen, durch Rudolf Steiner inaugurierten Initiations-Erkenntnis über dieses Thema ergeben hat, darin besteht, daß wir es nicht nur mit einem Bösen schlechthin - als dem Gegensatz des Guten - zu tun haben, sondern mit einer Mehrheit von verschiedenen, ja geradezu entgegengesetzt gearteten Gestalten des Bösen, der auch ein mehrfaches, verschieden geartetes Gutes gegenübersteht. Man könnte auch von Metamorphosen, das heißt von verschiedenen, aufeinanderfolgenden Entwicklungsgestalten sprechen, in denen das Gute und das Böse im Laufe des Menschheitswerdens ihre Wirksamkeit entfalten. Diese stellen die objektiven, kosmischen Gegenbilder dar zu jenen aufeinanderfolgenden Entwicklungsgestalten, welche das Verhältnis des Menschen zu Gut und Böse ... durchläuft.
   Die zweite Bemerkung, die hier noch gemacht werden muß, ist diese, daß die Unterscheidung von Gut und Böse trotz all dem, was soeben über ihre kosmischen Repräsentanten gesagt wurde, unlösbar mit der menschlichen Freiheitsentwicklung verknüpft ist, ja in dieser ihren letzten Grund hat. Wir wiesen ja an der betreffenden Stelle darauf hin, daß der 'Sündenfall' als der Geburtsakt der menschlichen Freiheit geradezu darin besteht, daß der Mensch Gut und Böse zu unterscheiden beginnt. Das bedeutet aber, daß diese Gegensätzlichkeit in der Entwicklung des Menschen selbst ihren Ursprung hat und sich von ihr nicht trennen läßt. Damit ist auch klar, wie es gemeint war, wenn wir an der betreffenden Stelle unserer Betrachtung von kosmischen Mächten des Guten und des Bösen sprachen. Diese Mächte können nämlich an und für sich selbst weder als gut noch als böse bezeichnet werden. Erst und nur in ihrer Beziehung zum Menschen erscheinen, von diesem her gesehen, die einen von ihnen als gute, die anderen als böse. Diese Benennung charakterisiert also nicht das, was sie an sich selbst sind, sondern nur ihre (S129) Bedeutung für den Menschen und seine Entwicklung. Nur wenn dies berücksichtigt wird, vermeidet man es, sich an die Frage zu verlieren, die, weil sie falsch gestellt ist, auch nicht beantwortet werden kann und deshalb auch die Crux aller Theodizeen geblieben ist: wie aus Gott als dem Urguten und dem Schöpfer der Welt das Böse habe entstehen können. Das Böse hat nicht in Gott, sondern im Menschen seine Wurzel, insofern er das zur Freiheit bestimmte Wesen ist; denn die Unterscheidung von Gut und Böse ist nur die Kehrseite der Freiheit.
Von Gott her gesehen gibt es den Unterschied von Gut und Böse nicht, sondern nur verschiedene, differenzierte Aufgaben im Gange des Weltenwerdens, welche von verschiedenen göttlichen Mächten erfüllt werden. Dieses Geheimnis bringt Goethe im 'Prolog im Himmel' zum Faustdrama in seiner Weise zum Ausdruck, indem er uns da den 'Herrn' im Gespräche mit Mephisto über den Menschen Faust vorführt..."
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Freilassend oder übergriffig ist das Unterscheidende im Wesen dieser 'objektiv-metaphysischen Mächte' (Alfred Weber, in Lauer III Wille + Vorsehung S19), in anthroposophischer Bezeichnung ist auch hier eine Trinität zu unterscheiden: Christus, Luzifer und Ahriman sind es, die da mitwirken. 'Christus verus Lucifer' - Christus ist der wahre Luzifer, heißt es in einer Apokryphe. Christus bringt die Freiheit zur rechten Zeit, während der lichte Luzifer (Lichtträger) sie dem Stammelternpaar zu früh, zu paradiesisch schlafender Stunde brachte, nach der es ein böses Erwachen gab. "Ihr werdet sein wie Götter, und Gut und Böse erkennen", war seine heiße, verführerische Verheißung. Welche Freiheit also ist gemeint? Spiegelbildlich zur Urzeit, um die christliche Mittel-Achse der Menschheitsentwicklung in der Neuzeit, verkündet heute auch der finstere Ahriman (altpersische Bezeichnung) eine Freiheit: "Ihr werdet sein wie die Tiere und frei sein von Gut und Böse"(II2E Gesch.Epochen, Neuzeit S163). Das ist der sogenannte ahrimanische, intellektuelle Sündenfall, der die 'Intelligenzbestie' mit ihrer kalten, instinktsicheren Bauernschläue hervorbringt, die heute geradezu Legion macht. Und so gibt es im Stufengang der Menschheitsgeschichte von der Urgeschichte über die Vorgeschichte hin zur Geschichte verschiedene Stufen der Freiheit. Die ersten, eigentlich überwundenen und überschrittenen Formen bestehen noch in der Gegenwart neben der zeitgemäßen Form und können und sollten tunlichst auch unterschieden und erkannt werden:
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Das Folgende ist Skizze für die Ausführungen in den nebenan aufgelisteten Kapiteln und in den Werken Hans Erhard Lauers, es kann daraus die Überkreuzung der Belange von Individualität und Kollektiv ersehen werden. Rudolf Steiner hat diese Entwicklung mit dem "Soziologischen Grundgesetz" begrifflich erfasst:
"Die Menschheit strebt im Anfange der Kulturzustände nach Entstehung sozialer Verbände; dem Interesse dieser Verbände wird zunächst das Interesse des Individuums geopfert; die weitere Entwicklung führt zur Befreiung des Individuums von dem Interesse der Verbände und zur freien Entfaltung der Bedürfnisse und Kräfte des Einzelnen."
GA31S255
Das Kennzeichen einer Sekte ist das Opfern der Interessen des Individuums!
Soll das Individuum sich frei entfalten können, bedarf es der dreifachen Gliederung der sozialen Bezüge. Wilhelm von Humboldt hatte den Staat im Auge, als er dem Individuum seinen Raum gewährt sehen wollte. Heute ist das Wirtschaften als ebenbürtiges, ja sogar dominantes soziales Glied entstanden, dem ebenso wie dem Staat Grenzen gezogen werden müssen.
Was im Beginn der menschlichen Kulturzustände einheitlich geregelt war - in Tempeln - muß heute differenziert werden, wenn Freiheit des Individuums möglich werden soll!

1. Urgeschichte:


Erkenntnisaspekt:

Paradiesisches Einssein

im Schoße der Gottheit.

Genesis.



Leib. Gehen.

Menschheit


2. Vorgeschichte


Erkenntnisaspekt:

Sprachentwicklung (Turmbau zu Babel), vergangenheitsbezogene Weltschöpfungsmythen und Religion.


Seele. Sprechen.

Volk, Einweihung.

Sinnbildlichkeit.


3. Geschichte:


Erkenntnisaspekt:

Zukunftsentwürfe, Dominanz des Willens vor dem Denken.

Intellekt, Apokalypse.

Begriffsverwirrung als Folge der

Vereinzelung.

Geist. Denken.

Individualität. Zeitgemäße Entwicklungsgestalt der Freiheit.

*

Moralischer Aspekt:

Sündenfall.

Freiheit "von"






das Böse: Inkarnation ist Fall in den Egoismus, Verantwortung gegenüber dem Göttlichen. Zweigeschlechtlichkeit ist Folge.

Alter


Adam = erste Geburt = Leiblichkeit

Moralischer Aspekt:

Sündenfall auf seelische Ebene: Turmbau zu Babel.

Tempelweisheit, die den     Freiheitspol und das Gute repräsentiert. Gebot und Gesetz bewahrt das Volk vor der Sünde.


Das  Böse: Individualisierung.

Das Gute: Bindung an Blut und Boden. Gesetzesgehorsam. Volksverantwortung.

Der historische Weg des 'auserwählten Volkes' als Übergang vom 'Alten Adam'

zum 'Neuen Adam'

Moralischer Aspekt:

Sündenerhebung.

Freiheit "zu" wird das Gute.

Moralische Phantasie  ist die Umwandlung des Gewissens.




Das Gute: Individualisierung, Menschheitliche und kosmische Verantwortung - Religion = Wiederverbindung mit Gott
Das Böse: Bindung an Blut und Boden.

Neuer Adam = Zweite Geburt = Seele und Geist

*

 

 

Sozialform:

Göttliche Führung.

Im Willen bzw. Schoß der Gottheit




Einheit.

Sozialform:

Mysterienführung.

Theokratische Stellvertreter Gottes, Priester/-Könige.

Aufgeteilter Sozialkörper in Führer und Geführte.


Gesetz - Pflicht

Zweigliederung

Sozialform:

Freie Vertragsverhältnisse.






Liebe - moralische Phantasie

Dreigliederung


Zeitgemäße Sozialform:

Menschheit

Einheitliche Verfassung




Kultur - Tempel, geistiges Leben


Unzeitgemäß:

Individualität


Verantwortungsbewußtsein:

keines


Zeitgemäße Sozialform:

Volk - Nation - Stamm - Sippe

Zweigliedrige Verfassung:

"Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist"

Recht als neues Glied


Unzeitgemäß:

Kollektiv als auch Individualität


Verantwortungsbewußtsein:

Volk - Nation - Stamm - Sippe

Zeitgemäße Sozialform:

Individualität

Dreigliedrige Verfassung




Wirtschaft als jüngstes Glied


Unzeitgemäß:

Kollektiv


Verantwortungsbewußtsein:

Menschheit

Bewußtsein:

im Tiefschlaf - kollektives Unbewußtes - Archetypus


Berufung:

das Auge Gottes, Î








Gottgeleitete Menschheit





 

Bewußtsein:

im Traumbewußtsein -

Mythos


Berufung von außen:

Auserwähltsein (Keltische, germanische, jüdische Kultur) Tempelschulung






der in Völkern, Stämmen und Sippen eingebundene, geführte und unfreie Mensch

Bewußtsein:

im Wachbewußtsein -

Begriffe

 

Berufung von innen:

Gralsuche, Gralsweg in 3 Stufen:

"Tumbheit, Zwifel, Saelde"

Charakter der Selbstbestimmung = Mitarbeit am eigenen Werdegang (von konfessioneller Seite als 'Selbsterlösung' stigmatisiert)


die freie Persönlichkeit

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Zu 1.) Urgeschichte (Lemuris): ...
   In der Urgeschichte (Lauer I.1-I Urzeit, Sündenfall) ist Gut und Böse personifiziert in Gottvater und den Widersacher. Im 'Prolog im Himmel' läßt Goethe seine Personifizierung des Bösen, Mephistopheles, die Schlange 'seine alte Muhme' nennen. Der Mensch erwirbt sich nicht selbst die Freiheit, sondern ein geistiges Wesen, beheimatet auf dem Baum der Erkenntnis, trotzt sie der göttlichen Vorsehung ab und verführt das moralisch noch blinde Menschenpaar, das bis dahin zwar paradiesisch, aber unfrei lebt. Steiner gebraucht für dieses Wesen den Namen "Luzifer" - den Lichtbringer. Das göttliche Gebot kann nicht aus eigener Einsicht des Menschen-Urpaares befolgt werden und so ist die 'Sünde' unausweichlich. Sie ist aber eigentlich ein Ergebnis des Zwistes unter Göttern, deren Verhältnis zum Erkenntnislicht (kosmogonisch zur Sonne) ein unterschiedliches ist. Das Ergebnis konstatieren sie so: "Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner, er kennt Gut und Böse". Diese erste Stufe der Freiheit wird als böse, als Sündenfall betrachtet, das paradiesisch Gute ist verscherzt und es folgt mit der Vertreibung aus dem Paradies die Verwehrung des Zugangs zum Lebensbaum und es beginnt die irdische Menschheitsgeschichte, Diese ist aber nicht ein Fall durch die Sünde, sondern in die Sünde (Alfred Schütze: Das Rätsel des Bösen). Sonderungen nehmen von da an erst ihren Anfang, vorher war der Mensch eins mit der Welt und ihren Mächten, es entsteht die Zweiteilung der Menschheit in die Bewahrer des Lebensbaumes, die Mysterien und das Volk mit seinen ersten Erfahrungen der Früchte des Erkenntnisbaumes, die egoistischer Natur sind und daher eingedämmt werden:
"Da wies ihn Gott aus dem Garten Eden, daß er das Feld baute, davon er genommen ist".
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Zu 2.) Vorgeschichte (Atlantis): ...
   Ein Hinweis auf die Situation, die nach der Paradiesesaustreibung entstanden ist (Vorgeschichte, Atlantis), findet sich in der Bibel, wo von Göttersöhnen gesprochen wird. Denn der Lebensbaum ist den gottgleichen Führern nicht wie dem gemeinen Volk unzugänglich. Von den Tempeln der Mysterienstätten aus werden die Geschicke der Völker durch Eingeweihte geleitet, während das Gros der Menschen 'im Schweiße ihres Angesichts' die Erde bearbeiten lernt. Der Mißbrauch der Tempelgeheimnisse führt zur Naturkatastrophen, die das Ende der Vorgeschichte bedeuten.
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Zu 3.) Geschichte (Nachatlantis): Aus: Lauer, II2A-D Geschichtliche Epochen, Neuzeit S158:   "...In all dem kam ein Vorgang von außerordentlicher Bedeutung zum Ausdruck. Dieser liegt darin, daß seit dem Eintritt des Christusereignisses eine Überkreuzung in den Angriffspunkten des luziferischen und des ahrimanischen Einflusses auf die Menschheit sich vollzogen hatte. Die südliche Strömung hatte vordem den Einzelnen durch die auf Geschlecht und Blut begründete Liebe an die Blutsbande gefesselt - hatte ihn in seiner individuellen Organisation, von seinem "unteren" Menschen, vom Willenspol her ergriffen - hatte das luziferische Prinzip, das im Menschen die Selbstsucht erregt, ihn aber zugleich auch in einer erdflüchtigen Weise vergeistigt, als das Böse, zu Meidende bezeichnet. Jetzt verfiel sie selbst immer mehr dem Einfluß eben dieses Prinzips. Alles Fleischliche, Geschlechtliche, Sinnliche wurde da nun als sündhaft empfunden. Sein Blut selbst trieb nun den Menschen gleichsam dazu an, es durch Enthaltsamkeit aller Art zu läutern und zu vergeistigen. In den Gelübden der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams, auf welche das christliche Mönchstum sich gründete - Gregor VII. dehnte den Zölibat dann auch auf das Weltpriestertum aus - lag ein Moment der Weltflucht, der Entsagung gegenüber all dem, was den Menschen an die Erde bindet und ihn auf dieser (S159) sich als ein freies, auf sich gestelltes Wesen erleben läßt. Die Richtung, in welche der Geist dieser Gelübde das religiöse Leben lenkte, begünstigte ein Streben nach moralischer Vervollkommnung und nach Erlangung des persönlichen Seelenheils, in welchem sich nur ein verfeinerter Egoismus auslebte. Wir wiesen schon an früherer Stelle darauf hin, welches Ausmaß gegen das Ende des Mittelalters dieses egoistische Heilsstreben erlangte und wie es zu jenen Entartungen des Ablaßwesens führte, die dann den Anlaß zum Ausbruch der Reformationsbewegung boten. Dem stand ein geistiges Streben gegenüber, wie wir es bei den hervorragendsten Gestalten der mittelalterlichen Scholastik: Albertus Magnus und Thomas Aquinas finden. Wohl waren sich diese der Tatsache bewußt, daß das menschliche Denken eine Gabe Luzifers sei, das heißt daß in dieser Fähigkeit der Sündenfall fortwirke. Aber anstatt den Intellekt deshalb nun für unfähig zu erklären, die Wahrheit zu erkennen, bzw. eine 'zweifache Wahrheit': eine solche des Denkens und eine solche der Offenbarung zu statuieren, wie es von nominalistischer Seite aus geschah, zielte ihr Streben darauf hin, das Denken Luzifer zu entreißen und zu durchchristen (Rudolf Steiner: Die Philosophie des Thomas von Aquino. Drei Vorträge), indem sie es im innigsten Zusammenhang und Zusammenklang mit einer religiös-mystischen Vertiefung zu halten sich bemühten. Dadurch bewahrten sie zugleich die letztere vor dem Abgleiten in erotische Schwüle und bloße Gefühlsschwärmerei. So vertraten sie die Lehre, daß das Denken, wenn es auch aus Eigenem die Inhalte der Offenbarung nicht finden könne, so doch mit diesen nicht im Widerspruch stehe, sondern mit der von ihm erlangbaren natürlichen Gottes- und Seelenerkenntnis den Glaubenswahrheiten den erkenntnismäßigen Unterbau schaffe. Allein diese 'realistische' Richtung der Scholastik unterlag gegen das Ende des Mittelalters der "nominalistischen", und diese letztere wurde dann die erkenntnistheoretische Grundlage der modernen Naturwissenschaft, ja der modernen Wissenschaft überhaupt. Und damit nahm nun der Gegenprozeß zu der Luziferisierung der ehemals jahvistischen Strömung seinen Anfang: die Ahrimanisierung der ehemals luziferischen Strömung der Erkenntnis und der Freiheit".
..
wird fortgesetzt                

Diese Menschen haben einen erfolgreichen Volksentscheid in Berlin durchgebracht und damit Geschichte gemacht:


Notre-Dame ist der Maria geweiht. Für die EU wurden ursprünglich die 12 Sterne auf blauem Grund - ein Symbol für den Sternenkranz der Maria - gewählt. "S'brent - briderlich s'brent" !!! - Der Brand ist ein Zeichen!

 

 

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"Der Sonne Licht" - Eingangsmotiv des Ersten Mysteriendramas "Die Pforte der Einweihung - von Rudolf Steine, Musik von Raimund Schwedeler, Bandoneon Karl-Heinz Kaesebier:

"Der Sonne Licht durchflutet des Raumes Weiten"

 

 "Der Ur- und Grundwiderspruch der modernen Weltanschauung"
(Hans Erhard Lauer: Geschichte als Stufengang der Menschheit, Band II)
"des modernen Menschen besteht darin, daß er als sein höchstes, heiligstes Lebensideal die freie Selbstbestimmung seiner Persönlichkeit auf allen Gebieten betrachtet, - insofern er ein moralisch Wollender und Handelnder ist.– Auf der anderen Seite hält er sich selbst für ein bloß materielles Wesen, das in seinem Sein und Verhalten lückenlos geltenden Naturgesetzen unterworfen ist, weil er mit seinem Denken nur das Materielle, nach mechanischer Gesetzmäßigkeit sich Vollziehende erfassen kann, - insofern er ein wissenschaftlich Erkennender ist. – Erkenntnismäßig muß der moderne Mensch die Freiheit verneinen, die er willensmäßig erstrebt, oder anders ausgedrückt: Er vermag sich als die geistige Individualität nicht zu erfassen, der er seinsmäßig geworden ist."


Dieser Widerspruch dreht sich für Anthroposophen um. Sie können die Freiheit zwar denkerisch begründet in Anspruch nehmen, praktizieren aber oft die alten Formen der Gemeinschaftsbildung. Die Ursache dafür liegt in einer mangelnden Unterscheidung, Rudolf Steiner spricht von Fräulein Naivität und von dem "Freiherrn von (GA 257) Unterscheidungsvermögen" Der emanzipierte Mensch wird heimatlos und sucht daher eine Gemeinschaft, die nur eine solche freier Geister sein kann, wenn er sich recht versteht. Aber es waltet die altbekannte Kluft zwischen Theorie und Praxis, die oft aus einem Mangel herrührt, zeitgemässe Formen der Gemeinschaftsbildung von alten, nicht mehr zeitgemässen zu unterscheiden und abzugrenzen. Daher stellt sich die Frage nach den
Vorstufen der Freiheit in vor- und urgeschichtlicher Zeit
Wie hängt die moralische Problematik mit der Freiheitsentwicklung zusammen? Wie stellt sich im "Gut und Böse" im Laufe der Menschheitsentwicklung dar?


Aus Lauer III, S188:

"Die moralische Problematik der Gegenwart"

"...Wenn heute jeder einzelne Mensch der doppelten Gefahr einer luziferischen und einer ahrimanischen Verführung ausgesetzt ist, so bedeutet dies für ihn nicht eine bloße Addition der Gefahren, die früher auf verschiedene Strömungen der Gesamtmenschheit verteilt waren, und demgemäß auch nur eine entsprechende Addition von Verhaltungsnormen, die ehemals jeweils nur für einen Teil der Menschheit galten. Dadurch vielmehr, daß das Gute, dessen Wirksamkeit in vorchristlicher Zeit ebenfalls alls ein zweifach-gegensätzliches auf die verschiedenen Teile der Menschheit verteilt war, durdh die Taufe am Jordan und den Tod auf Golgatha in die Menschheit eingezogen ist und seither als ein einheitliches im Menschen wirkt, haben sich auch die Bedingungen für das Verhalten gegenüber dem zweifachen Bösen grundlegend gewandelt. Wir erwähnten im vorangehenden Kapitel, wie es der nördlichen Strömung, die in Ahriman das Böse sah, eigentümlich war, dieses zu bekämpfen, und zwar in der äußeren Welt, weil sie es in dieser als den Herrn der Finsterinis und der Lüge, des Chaos und des Todes wirken sah. Die südliche Strömung dagegen, da sie in Luzifer das Böse erblickte, das sich der Seele von innen her zu bemächtigen sucht, lehrte ihre Angehörigen, alles zu unterlassen und zu meiden, was in ihr die Neigung zur Sünde erwecken kann. Von daher haben sich bis heute noch immer diese beiden Haltungen gegenüber derm Bösen erhalten. Wir sehen vielfach die Menschen das, was sie als das Böse betrachten, in der äußeren Welt bekämpfen, im Glauben, nicht ruhen zu dürfen, bis sie es völlig niedergeschlagen und bis in die Wurzel hinein vernichtet haben. Und wir sehen in nicht wenigeren Fällen, wie Menschen durch strenge Enthaltsamkeit, Askese, ja Flucht vor dem, was ihnen als das Böse erscheint, diesem zu entkommen suchen. In den einen wirkt ein Verhalten fort, das seinen Ursprung in der ehemals nnördlichen Strömung hatte und gegenüber Ahriman betätigt wurde, - in den andern dasjenige, das von der südlichen herstammt und sich auf Luzifer bezog. Beide Haltungen sind aber durch die Entwicklung überholt.


   Das luziferische Böse, dem wir die Geburt unseres Ichbewußtseins und unserer Freiheit verdanken, braucht nicht mehr gemieden zu  werden, kann es auch gar nicht, da wir seine Frucht alle in uns tragen und uns dieser nicht mehr entäußern können, ohne uns dem Gang der Entwicklung entgegenzustellen. Wir brauchen es aber auch deshalb nicht mehr zu meiden, weil wir durch das Golgatha-Ereignis die Möglichkeit erlangt haben, unsere Ichheit und unsere Freiheit, soweit sie noch selbstsüchtig-egoistisch sind, zu läutern und zu verwandeln. Heute besteht die eine moralische Hauptaufgabe des Menschen darin, sein Ich, sein Selbst durch entsprechende Läuterung und Wandlung über die Sphäre des bloß Persönlichen hinaus zu erweitern und in seine Interessen und seine Verantwortung die Belange der ganzen Menschheit, ja der Erde aufzunehmen. Soweit der Mensch das vermag, ist er - nach der Darstellung Rudolf Steiners - in der Lage, luziferische Mächte selbst von dem zu "erlösen", was sie zu "bösen" macht. Dann werden gerade sie es, die ihm beim Aufschwung zum Geiste, beim Ergreifen höherer Erkenntnisse hilfreich zur Seite stehen. Durch Christus wird, was Luzifer in der Menschheit begonnen, im rechten Sinne weitergeführt und geheiligt: die Freiheit, die einst das Böse war, wird jetzt selbst das Gute. In der Fähigkeit der "moralischen Phantasie", in der sie sich nun äußert, wirkt als ihr Inspirator der erlöste Luzifer. Wir sehen hier vom kosmischen Aspekt her, was wir früher vom menschlichen her darstellten. Eine ältere Zeit kleidete dieses Geheimnis in die Worte "Christus verus Luciferus".

   Das ahrimanische Böse aber zu bekämpfen, hat heute seinen Sinn verloren. Denn wie früher in den Zeiten Luzifers, so steht heute die Menschheitskultur nun einmal im Zeichen Ahrimans. Auch er ist, wie früher schon bemerkt, noch nicht ein absolutes, sondern nur ein relativ Böses. Das heißt: auch er hat seine positive Mission. Wir haben oben geschildert, wie seiner Wirksamkeit alles zu verdanken ist, was als moderne Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaft sich entwickelt hat. Ohne diese vermöchte die Menschheit weiterhin nicht mehr zu existieren. Es kann sich also nicht darum handeln, sie bekämpfen oder abschaffen zu wollen. Die Aufgabe kann nur darin liegen, den schädlich-gefährlichen Wirkungen, die von dieser Dreiheit ausgehen, ausgleichende Gegengewichte entgegenzustellen. Solche können aber nur von einer Geisterkenntnis geschaffen werden, welche  das Positive, das in den Errungenschaften unserer heutigen Zivilisation liegt, als Kraft-Element auch in sich trägt. Und so gestaltet sich nach dieser Seite hin zur andern moralischen Hauptaufgabe heute diese, den Kräften des Todes, welche die moderne Zivilisation durchwirken, immerfort jenes unvergängliche Leben abzuringen, aus dessen Quellen heraus er dereinst auch für das äußere Dasein wird überwunden werden können.

   Das Grundmotiv, auf das hier noch hingewiesen werden sollte, ist also dasjenige, was die Tiefenpsychologie als das "Annehmen und Integrieren des Bösen" bezeichnet. Es wurde ebenfalls, vom Gesichtspuunkte der menschlichen Freiheitsentwicklung aus, an früherer Stelle schon geltend gemacht und sollte hier nur ergänzend auch vom Aspekte der kosmischen Mächte aus noch hervorgehoben werden. Es gilt heute, zu erkennen, daß diese, iinsofern sie die "bösen" sind, nicht geflohen oder bekämpft, sondern in ihrer auch positiven Funktion bejaht und, insoweit sie als böse wirken, verwandelt werden sollen. Damit wächst der Mensch über seine bloß menschliche Beurteilung derselben hinaus und allmählich in neuer Art in eine kosmische Schau ihres Wesens hinein, wie er ja selbst auch in die Zukunft hinein aus einem bloß irdischen zu einem dem ganzen Kosmos angehörigen Wesen sich entwickeln soll."...

 



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