6b) Anthroposophische Aufklärung

ein Versuch über ihre Kategorien

verfasst für die Kunden der 'Kaesebierschen Hofbuchhandlung' am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe Berlin, Michaeli 2005

Diese Betrachtung ist motiviert worden durch Gespräche mit kritischen Anthroposophen und aus der Lektüre des Buches von Dieter Lauenstein: 'Das Ich und die Gesellschaft'

Zu dieser Seite befinden sich die Nachweise am Schluß 

 

Ihr Buchhändler möchte dieses Jahr ein paar Gedanken mitteilen, Lichtfunken, die ihm die kommende finstere Zeit ein wenig zu erhellen hoffen lassen, und die sich mit anderen Funken zu einem Leuchter vereinen können. Lichte Sachen wirken ja lieber in allen Farben auf der Erde als unter ihr, und so will er auch niemanden und nichts unterwandern. Und weil er auch keinen übergehen will, darf er gleich sagen, wo friedlich das Öl für das Lämpchen hergeholt werden soll. Das letzte Jahr gab es an dieser Stelle einen Abdruck des Steiner-Vortrages vom 23.10.1922: 'Das Erleben des Lichtes einst und jetzt'. So dachte er es auch dieses Jahr  zu machen und ist auch von manchen dazu ermuntert worden. Nun wird es aber mehr und mehr an Anthroposophen moniert und ist auch wirklich eine mißliche Sache, immer den Meister im Munde zu führen. Das ist vielleicht wirklich etwas abgeschmackt und dazuhin verdächtig, daß einer selbst sonst nichts zu bieten hat. Angesagt ist also, selbst zu denken. Ist damit eine Aufklärungszeit angebrochen, deren Motto 'Sapere aude: Ermutige dich, selbst zu denken' aber doch wohl auch im allgemeinen Kulturgang nicht wirklich erfüllt ist? Man befindet sich also in erlauchtester Gesellschaft mit dieser Fragestellung!

1.       Wenn er sich also ermutigen soll, selbst zu denken, so darf er doch gleich hinterfragen: haben denn wenigstens die Aufklärer, die ihm die 'selbstverschuldete Unmündigkeit' vorhalten, ihr Gedankenlicht selbst angezündet? Nein, er will nicht von sich selbst ablenken. Sind sie mit ihrem Licht schon die 'Erleuchteten'? Gut, man soll sein Licht, wenn man es denn hat, nicht unter den Scheffel stellen. Aber woher hat man es?

1a     Das 'ewige Licht' leuchtet ja auch schon recht lange, wenigstens in der katholischen Kirche. Nur da ist für den Gläubigen nicht so sehr die Freiheit die Maxime. Wo käme sie hin, die Kirche, wenn jeder das ewige Licht für sich mitnehmen wollte? Die alten Aufklärer sind nicht zuletzt wegen der engen Mauern ins Freie der neueren Anschauungen enteilt.

1b      Noch länger brennt schon das Feuer, mit dem Plato (427-347 v.C.) in seinem Höhlengleichnis die Gedankenfassenden erleuchtet sein liess. Und da ging es um Wahrheit und Wirklichkeit, und das wahre Licht hinter allem war ihm als Bild die Sonne. Und er forderte auch, daß in das helle Tageslicht geschritten werden sollte.

1c        Die jüdische Menora mit ihren 7 Lichtern bringt das Licht der Sonne erweitert mit seiner Widerspiegelung durch die Planeten (1).

1d         Die Ägypter haben mit dem Symbol des Lichtes - dem Dreieck gelebt. Freimaurer u.a. gehen heute noch damit um. Man muß sich einmal vorstellen, was es für die Empfindung bedeutete, wenn man aus dem Dunkel der Vorbauten in den offenen Vorhof vor der strahlend sonnenerleuchteten Pyramide kam: der direkte Lichtweg nach oben schien sich zu eröffnen! (2)

1e        Die persischen Feuerheiligtümer waren eine Antwort auf 'Ahura Mazdao' - die große Sonnenaura, um den 'Angru Mainyu' - den verärgerten Geist zu bannen. Dieser finstere Geist der Erde - Ahriman - gibt sich schon immer nicht mit dem Sonnenlicht zufrieden. Er schafft sich sein gespenstisches Licht selber. Das kann man ohne Steiner wissen aus der persischen Mythologie. Interessant ist der sprachliche Zusammenhang zwischen Feuer und 'Äther', den Hermann Beckh in einem Aufsatz über die Welt der Mysterien "Der Name der Eva" ausgeführt hat ( 13b Beckh: Eva+Lebensbaum).

1f        Des weiteren das Licht, das biblisch aus dem Logos hervorgegangen ist, schien schon in die Finsternis (3), bevor Erleuchtete es zu reflektieren sich anschickten. Die Zweiheit, die aus der Schöpfung des Einen zuerst eine fruchtbare Spannung und Polarisierung hervorbrachte und die Lichtfunken aus sich schlug, droht heute zur Spaltung zu führen, wenn nicht über die Zwei zur Drei fortgeschritten wird (4)

2          Letzteres klingt abstrakt und abliegend für uns, aber ein Plato dachte in diesen Kategorien, heute denkt man kaum noch so. Schon eher mit den Kategorien seines Schülers Aristoteles, deren Substanzbegriff aber einmal lichtere Gedanken zugelassen hat für die Entstehung des Seins als nur Materie (5a+b). Und in den sogenannten Kategorien ist das ganze Strukturmaterial dieser Philosophen gegeben. "...In ihrer Ordnung ist die Vorentscheidung für die Lebensformen der Menschen gegeben. Auf sie nicht zu achten oder sie als nicht vorhanden zu betrachten, heißt, sich blindlings treiben zu lassen' (4). Man denke nur an Fromms 'Haben oder Sein'. Es sind bei Aristoteles zehn Aussageweisen, die im wesentlichen mit der Fragehaltung erschossen werden: Was, wann, wo, wozu, wie, wieviel, wodurch usw.. Mit allen zusammen setzt man sich eine Sache in das volle Licht. Ein wesentliches Denkmodell des Abendlandes wurde damit geprägt (6).

          So sind viele Lichtströme bis in die Neuzeit geflossen. Daraus haben viele ihre Lichter entzündet. Die Frage der Aufklärung stellte sich, als die Ströme von Wissenschaft und Kultur in der Neuzeit sich von dem kirchlichen Nährboden wie auch von nationaler Einschränkung und Bevormundung lösen wollten. Im Folgenden sei auf die griechischen Ströme näher eingegangen. Sie sind wohl auch die maßgebenden für die heutige Wissenschaft. Der platonische Strom orientiert sich am Geist, schaut zurück und nach oben; der aristotelische an der Natur und schaut vorwärts und nach unten. Es leuchtet ein, in den beiden Schreitenden der 'Schule von Athen' Plato und Aristoteles zu sehen (7). Die Aufgliederung in Geistes- und Naturwissenschaften hat hier ihren Ursprung.

2a          Der Aristotelismus kam nicht auf dem kurzen Weg von Griechenland in das Europa der vergangenen Jahrhunderte. Er machte den Umweg über die Länder des fruchtbaren Halbmondes, über Nordafrika und letztlich Spanien in vielen Jahrhunderten. Die danach benannte arabistische Naturwissenschaft (8) ist heute tonangebend, die geistige Sukzession seit Aristoteles aber nicht gegeben, weil die Texte bei den Übersetzungen von einer in die andere Sprache gelitten haben. Und das größte Mißverständnis ist wohl die ausschießlich materialistische Ausdeutung und Nutzanwendung.

           Der Glücksfall Goethe ist aus dieser Entwicklung ausgeschert und war noch Enzyklopädist und ein absoluter Selbstdenker. Auch wenn er - gegenstandsorientiert - 'über das Denken selbst nicht nachgedacht hat' (9). Danach kam Steiner. Der scheint der letzte Enzyklopädist gewesen zu sein. Er verkörpert einen hohen Begriff von dem Philosophen nicht als einem Fachgelehrten, sondern als einem universalen und interdisziplinären Denker und Könner, selbst bis in Details aller möglichen Bereiche hinein. Er rettete die aristotelische Wissenschaftlichkeit, anknüpfend an Goethe, für die Spiritualität. Und das war für den alten arabistischen, positivistischen Geist die Kampfansage. Dieser verhält sich wie der Feirefis der Gralssage: Er liefert sich bei der Begegnung mit Parsifal erst erschöpfende Kämpfe, bis sie beide, ermattet, den Harnisch ablegen und sich als Brüder erkennen (10). So geht es auch in der Geistesgeschichte zu! Waldorfschüler haben schon viel von dieser verstanden, wenn sie den Parsifal von Wolfram von Eschenbach durchnehmen. Aber Verbrüderung im Geiste ist Zukunftsmusik. Noch wird gekämpft. Aus dem Gedanken der sozialen Dreigliederung geht hervor, daß ein Prinzip der Kultur durchaus der Kampf um Wahrheit ist. Wird er dort ausgefochten, dann muß ein 'Kampf der Kulturen' (11) nicht destruktiv mit Bomben, Panzern und Drohnen geführt werden.

2b        Und die platonische Strömung? Diether Lauenstein (4), referiert deren Entwicklung: Plotin 204-270 nC., Proklos 411-485 nC., die Schule von Chartres, Dante. Johann Gottlieb Fichte betrachtet er als die Spitze dieser Entwicklung. Schon Troxler und Fichtes Sohn Immanuel-Herrmann sprachen vor Steiner von Anthroposophie. Die Griechenbegeisterung der deutschen Idealisten ist auch eher platonisch als aristotelisch, wenn sicher oft auch gemischt. Lauenstein entwickelt aus all dem die spirituelle Anschauung, mit essentiellem Bezug auf, aber ohne Ableitung von Steiner. Schon Kant sprach vom reinen Denken, von der reinen Wahrnehmung, er hat sich nur mit seinen selbst gezimmerten Erkenntnisgrenzen blockiert, das 'Abenteuer der Vernunft' durchzustehen. Dante hat noch die Anschauung des Aufstiegs in die geistigen Planetensphären geschildert und vieles mehr wäre zu nennen. Aus alledem kann aber auch nur klar werden, daß Steiner diese Dinge nicht erfunden, aber auf neuzeitliche Art erforscht hat. Man befürchtet doch, daß Anthroposophie ein Hirngespinst sei. Lauenstein belegt nur, daß Anthroposophie nichts anderes als in der Luft lag und liegt. Steiner hat sie in aristotelischer Manier auf den Boden gebracht. Die philosophische Grundlegung hätte der platonische Part seines Lehrers Karl Julius Schröer (1825-1900) sein können. Weil sie ausgeblieben ist, hat Steiner das auch noch bewerkstelligt.

2c        Man stelle sich einmal vor, Schröer wäre heute so bekannt wie Fichte oder Hegel. Also, wo bleiben die Platoniker? Hegel hatte die Welt so schlußendlich dialektisch interpretiert, daß Marx als sein gelehriger Schüler kurzerhand antithetisch darauf hinwies, daß die Welt aber verändert und nicht nur interpretiert werden wolle. Er wertete die geistige Arbeit ab zur 'Ideologie' und erhob die Arbeit des Proletariers zur ersten Kategorie. Auch Lauensteins Begriffe zielen auf die Arbeit als Hauptkategorie. Aber er begründet sie nicht nur mit dem Erfolgstrieb, auch der Erkenntnistrieb gilt ihm als zur Arbeit motivierend. Selbst die neomarxistischen Sozialphilosophen, mit denen er sich auseinandersetzt, sind in ihrer Dialektik Hegelschüler. Auch wenn sie diesen auf den Kopf gestellt haben. Jürgen Habermas hat gerade erst einen hochdotierten noblen norwegischen Wissenschaftspreis bekommen. Im Prager Frühling schrieb Eugen Löbl seine Thesen: 'Geistige Arbeit als Quelle des gesellschaftlichen Reichtums' - da wurde beweglicher gedacht als bei den westlichen Marxisten. Der 'Mehrwert' entsteht eben hauptsächlich durch die Anwendung von Geist auf Arbeit (13). Und wenn heute ein Staatssekretär aD Alexander Gauland (14) das Versagen der intellektuellen Linken angesichts des Triumphes des globalen Neoliberalismus konstatiert, dann ahnt man, wie aktuell die Sache eigentlich ist. Nicht zuletzt deswegen ist das Buch des Platonikers Lauenstein bis in die politische Welt hinein bekannt geworden.

2d       Die Sozialimpulse einer neuen Generation um 1968 wurden neomarxistisch interpretiert. Es war ein Unglück, daß den sozial Ambitionierten die philosophische Soziologie nur in einer Sprache entgegenkam, wo man einen Schraubenschlüssel braucht, um auf den Gedanken zu kommen. Die Entwicklung ging über Studenten  und Schüler, APO, Bürgerinitiativen, Atomkraftgegner, Friedensbewegung, Hausbesetzer, Attac und andere. Befürworter einer gerechten Globalisierung nennt man paradoxerweise 'Glabalisierungsgegner'. All dies agiert heute als NGO-non-government-organisation. Im Kern will der Kulturbetrieb angesichts des neoliberalen Globalismus sich neu emanzipieren - nicht nur von staatlicher Bevormundung. Die wirtschaftliche Bevormundung von Erziehung und Lehre durch GATS-generell-agreement-of-trades-and-services steht erst noch bevor. Die WTO-world-trade-organisation rüstet sich nicht nur für den Wirtschaftssektor, auch die Kultur soll ein neuer Markt werden (15). - Abitur und Doktortitel als Produktangebot! Das wäre allerdings nur für ehrgeizige und vermögende Politdoktoren eine Erlösung. 

       Ein neues Paradigma wollte 1968 erfasst werden, das mit dem 'freien demokratischen Sozialismus' des Prager Frühling auch im Osten seinen Ausdruck fand. Manche haben es gefunden. Auch in der Praxis der verschiedenen, aus der anthroposophischen Arbeit entstandenen Einrichtungen wurde es mesosozial Realität (16). Jürgen Habermas forderte 1984 eine neue Gewaltenteilung. Otto Schily hat von der Sozialen Dreigliederung gesprochen und geschrieben. Kann diese makrosozial noch auf nationaler Ebene, oder angesichts der globalen Entwicklung, nur auf internationaler Ebene, eingeführt werden? (17a+b). Und bei dem 'Marsch der 68er in die Institutionen' dürfte auch viel Platonismus eingeflossen sein. Die Zeit ist mittlerweile weit vorangeeilt. Das 'Wassermannzeitalter' wirft sein Licht und seine Schatten voraus. 'Hau-Ruck'-Ansporne haben nicht so viel Wirkung wie 'New Age' mit östlichem Wellness im Gefolge.

3a       Es ist, als ob wir bewußtseinsmäßig auf ein Jahrhundert reduziert werden sollen. Nach dem deutschen Idealismus frägt man höchstens noch in den geisteswissenschaftlichen Fakultäten, soweit sie nicht schon aufgelöst sind. Techniker der Natur- und Wirtschaftswissenschaften, keine Philosophen, braucht der globale Neoliberalismus. Globale Produktion in den Billiglohnländern ist 'in'. Früher holte man Sklaven. Heute exportiert man einfach die Produktion, weil die Sklaverei ja abgeschafft sein soll. Sozialverpflichtung des Kapitals, Arbeitsschutz und Ökologie wird dort noch kleingeschrieben. Die Nationalstaaten sind gegen die Multis machtlos und müssen die Gewinne der Kapitaleigner wirtschafts-, finanz- und fiskalpolitisch noch bedienen, sonst 'flieht' das Kapital. So wuchert das wirtschaftliche Krebsgeschwür global an den sozialen Organismen, seit es 1919 erstmals von Steiner diagnostiziert wurde (17a). Hoffentlich wächst die sozialchirurgische Kompetenz mit! Die UNO dagegen wird durch die Dominanz der Vetomächte demontiert, die Regierungen sind so mit ihrem Machterhalt beschäftigt, daß nur auf einen künftigen 'Runden Tisch' gehofft werden kann (18). Mit Schröder/Schily/Fischer scheint die Ära der 68er zuende zu sein. Selbst der größte Kompromiß in einer GroKo-Großen Koalition kommt nur auf der Grundlage eines kleinsten gemeinsamen Nenners zustande. Angesichts der großen Probleme bedeutet dieser praktisch die politische Handlungsunfähigkeit, auch wenn sie im Feeling die ganze Macht zu haben vorgibt.

3b       Unsere Zeit hält es mit dem Ergebnis. Das ist verständlich. Schon Goethe sagt: 'was fruchtbar ist, allein ist wahr' (19), er hat aber nie dem materiellen Nutzendenken reden wollen. Den Anwender und Nutznießer interessiert aber eigentlich ausschließlich der Output. Daß in diesem auch die hemmungslose Ausbeutung und Zerstörung natürlicher wie menschlicher Ressourcen enthalten ist, wird verdrängt. Der Club of Rome oder Robert Jungk scheinen vergessen. Nicht nur der Weg zu den Quellen wird nicht gegangen, auch die Antizipation der Wirkungen wird ausgeschlossen. Ein Filbinger hat in den Siebzigern, gedrängt von der Atomgegnerschaft die 'Verantwortung' für die Atomenergie übernommen. War er wahnsinnig oder gedachte er Tausende von Jahren alt zu werden? Heute droht die Natur zu revoltieren, wie früher das Proletariat - es wurde dann technisch mit Sozialversicherung und Gewerkschaftsmitbestimmung ruhiggestellt. Die Gewerkschaften haben heute eher ihr eigene Wohlergehen im Auge. Und ob der Neoliberalismus sich über die Naturrevolten auch so mühelos hinwegsetzen kann? Spätestens dann nicht mehr, wenn die Rückversicherer überfordert sind.

3c       Zum guten Ton in den Wissenschaften gehört es, Roß und Reiter zu benennen. Der durch Rudolf Steiner entstandene produktive Output wird auch ohne den Hinweis auf ihn angenommen. Daß wir ins KaDeWe gehen und dort Wala, Demeter und Ostheimer kaufen können, zeigt, wie Produkte aus dem anthroposophischen Umfeld 'in' sind. Aber man sollte wenigstens auf Steiner hinweisen, wenn man seine Begriffe benützt. Bei den mechanischen Gesetzen lernen wird doch auch gleich an Galilei usw. zu denken. Mit den von Steiner gefundenen und angewandten Gesetzmäßigkeiten wird das auch so sein. Wenn Steiner totgeschwiegen wird, dann ist das nicht nur unhöflich. Der alte Graf von Keyserlingk hat um 1986 gesagt: 'An Steiner kommt keiner vorbei, das zu glauben, ist dumm'. Man kann Steiner mit Thomas von Aquin vergleichen. Dieser wurde anfangs auch totgeschwiegen und sogar verdammt. Heute ist er heiliggesprochen und eine Säule der Lehre: auch die Kirche der positivistischen Naturwissenschaft hat eine ruhmvolle Zukunft!

       Bei den Errungenschaften der Wissenschaft wird also vom Urheber gewußt. Und es ist Tugend und Pflicht, an den Vorgänger anzuknüpfen. Sonst würde immer wieder von vorne angefangen werden müssen und Fortschritt verunmöglicht. Irgendein spezielles Ergebnis geisteswissenschaftlicher Forschung wird künftig auch mit dem Namen seines Entdeckers und Urhebers verbunden sein. Das ist wie gesagt guter Ton, keine Nachbeterei! Aber warum sollte man sich auch an Steiner vorbeimogeln wollen? Goethe sagt, 'das Wahre ist eine Fackel, aber eine ungeheure, deswegen suchen wir alle, nur blinzelnd so daran vorbeizukommen, in Furcht sogar uns zu verbrennen' (19). Befragt, ob wir Jüngeren es nicht viel schwerer hätten, Anthroposophie zu verstehen, weil wir Steiner nicht mehr erleben können, meinte Hans Erhard Lauer (1899-1979) behutsam, 'daß wir es dadurch auch leichter hätten'!

4        'Der Weg in die Zukunft ist mit Konflikten gepflastert' hat Friedrich Glasl (20) einmal geschrieben. Für das vorausgehende Jahrhundert hat Rudolf Steiner die Zusammenarbeit der Platoniker und Aristoteliker prognostiziert (21). Hans-Werner Schroeder mutmaßt in einem Interview, daß diese bisher nicht zustandekam (22). Wirklich - man hat mehr erhofft. Auch hier wird gekämpft. Es sind Bruderkämpfe. Aber wer ist der neue Parsifal und Feirefis? Das weiß die künftige Geschichtsphilosophie! Bodo von Plato u.a. haben wohl schon einiges aufgearbeitet (23). Die Gegenwart kann allerdings nur beurteilt werden, wenn sie schon vorbei ist. Aber die heutigen rechtlichen und geistigen Fragen und Streitigkeiten in der Anthroposophischen Gesellschaft füllen nicht das Bild von der erwarteten Zusammenarbeit. Es ist ein Glück, daß wir in dieser Situation überhaupt einen Begriff von Zusammenarbeit in dieser Gewichtung und Dimension haben. Schroeder sagt, die geistige Welt habe umdisponiert. Dann steht diese Zusammenarbeit noch aus? Oder hat Steiner und manche andere Größe sich schon im Grab herumgedreht? Das würde bei diesen aber heißen, daß sie ihr Gesicht und Tätigkeit lieber zum Kosmos als zur Erde wenden.

4a       Aber was ist bis jetzt verloren? Ich möchte Lauenstein zitieren: 'Denn das Sein, ja sogar die Wahrheit verloren zu haben, ist für des Menschen Geist kein hoffnungsloser Zustand, sondern Grund zur Arbeit. Jedoch Wahrhaftigkeit zu verlieren, heißt sich selbst und alles verloren zu haben...' (4). Das formuliert der Aufklärer Lessing so: 'Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: Vater gib! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!... (1748). Nun, Demut ist ein Mitglied der Familie Mut! Und diese Haltung suche man einmal bei unseren modernen Aufklärungsfetischisten.

4b       Also, wir sind mitten im Thema Aufklärung. Steiner, der für das letzte Jahrhundert die aristotelische und die platonische Strömung repräsentierte, konnte geistig produktiv arbeiten. Das ist die Voraussetzung für Aufklärung. Er hat gezeigt, daß die volle Wahrheit die Ansichtskarte mit 12 verschiedenen Perspektiven und 7 verschiedenen Einstellungen ist, also 7 x 12 = 84 (24). Ist dann der Philosoph die multiple Persönlichkeit? Bei genügender Ichkraft ist er trotzdem nur der eine - der sich 84 mal wenden und bewegen kann, wenn er eine Sache gänzlich fassen will oder die Sache es erfordert! Und der dabei nie die Orientierung verliert, weil er immer weiß, wo er steht und was er tut. Das nennt man Besonnenheit, und diese ist eine Kategorie der Aufklärung wie Wahrhaftigkeit, Mut und Demut. Die Imagination ist die erste Stufe höherer Erkenntnis, die sich aber nur mit einem lebendigen Denken, niemals aber statistisch erfassen läßt. Goethe hat mit der Urpflanze und dem Typus vorgemacht, wie es zu schaffen ist. Auf einen Erkenntnisbegriff hat es dann Steiner gebracht (25).

4c       Auch der rosenkreuzerische Anspruch ist es nie, mit nur einer Darstellung die ganze Wahrheit gegeben zu haben. Die echten Rosenkreuzer haben über die Jahrhunderte hin nie exoterisch gearbeitet und es ist ihre Art, die Mitteilungen über einen Gegenstand weit zu streuen. Darauf hat Jürgen Schriefer in einem Vortrag in Berlin einmal hingewiesen. Bisher waren die Rosenkreuzer historisch auch nicht wirklich zu fassen, kein Wunder bei ihrem Motto: Der Wind (Pneuma=Geist) weht, wo er will. Es liegt in der Natur leibfreier Angelegenheiten, daß sie weit gestreut und nicht einfach zu finden und zusammenzuschauen sind. Denn der Kosmos und die Zeiträume sind nicht klein bemessen. Wenn in der geistigen Welt erlebt werden soll, bedarf es der Kraft der Zusammenschau und des Zusammenhalts, sonst zerrinnt dem Schauenden alles gleichzeitig mit der Anschauung. Das kann man ja schon bei komplexen und schwierigen Sachverhalten erleben, wie erst, wenn die Gedanken auch noch lebendig werden? Das ist ja der Grund, weswegen wir allabendlich das Bewußtsein verlieren, weil wir seine Streuung beim Einschlafen, diesem wohltuenden Gang über die kleine Schwelle, nicht bewußt mitmachen können mit einer Kontinuität unseres Bewußtseins. Darüber bringt Steiner vieles zutage! (26). So kann man sehen, was alles zu einer 'anthroposophischen Aufklärung' gehört. Man sollte dann aber auch seine Begriffe erweitern und wird bescheiden angesichts der Anforderungen einer geistigen Schulung.

4d       Wenn die Menschen des Ostens, und 'New Age' entlehnt dort das meiste! sagen: 'Gebe es auf - mit deinem verkopften Denken in deinem verengten Bewußtsein hast du alle Probleme erst selbst geschaffen. Die gibt es nicht mehr, wenn du dich dem Sein hingibst', dann kann man empfinden, daß unsere abendländische Entwicklung wirklich steckenzubleiben droht. Wir würden mit der Befolgung dieses Ratschlages aber einschlafen. Geschichte geht vorwärts, nicht zurück! auch wenn das 'Ende der Geschichte' kurzsichtig schon beschworen wurde. Man kann mit dem Aufklärer Lessing in den Kategorien seiner Schrift 'Die Erziehung des Menschengeschlechts' denken, und den Begriff der Wiederverkörperung hinzuziehen, um den wir dank Steiner in abendländischen Begriffen mit den charmanten Buddhisten streiten können, die uns die vorgenannte Aufforderung entgegenhalten (27). Dieser Begriff verklärt natürlich nicht unsere Mängel und Versäumnisse.

4e       Man kann auch mit Stefan Heym sprechen: So wie es 'das Christentum' noch nicht gegeben hat, sei auch 'der Sozialismus' noch nicht dagewesen. Man kann hinzufügen: auch 'die Anthroposophie' noch nicht!

4f       All diese Zusammenhänge erschliessen sich im Studium des geistigen Weges (28) und deswegen ist es förderlicher, wenn man Steiner gerade wegen der durch ihn ermöglichten Einsichten verehrende Dankbarkeit entgegenbringt, als den wahnsinnig Aufgeklärten zu mokieren. Der ist wie ein Oberprimaner, der dem jüngeren Pennäler selbstverschuldete Unmündigkeit vorwirft und von ihm verlangt, er solle seinen Lehrer kritisch sehen. Dem Flaumbärtigen täte es gut, sich bewußt zu werden, daß er seine tolle Kritikfähigkeit ja eben einem solchen Lehrer verdankt. Und wenn man gar wie der Schwede aus Uppsala, S.O.Hansson, diese Verehrungshaltung als einen Beweis der 'Unwissenschaftlichkeit der Anthroposophie' sieht, dann ist das kleine Einmaleins vergessen, das genau die wissenschaftliche Grundlegung der Anthroposophie ist, von der er gar nichts weiß. Man sollte seinen Rückspiegel auf 180 Grad einstellen, wenn man 'den Drängler' sehen will! Diese Leute überholen sich selbst.

4g       Von der höheren Mathematik eines geistigen Weges haben wir vielleicht ein falsches Bild. Goethe sagt: 'Die Menschen verdrießt es oft, daß das Wahre so einfach sei; sie sollten bedenken, daß sie noch genug Mühe haben, es anzuwenden' (19). Nun, Goethe zuzustimmen und zu verehren ist unverdächtig. Das könnte so auch ein alter buddhistischer Weiser gesagt haben. Nur ist ihre Weisheit eben nicht abendländisch wissenschaftlich untermauert. Steiners Großtat waren ja gerade die 'Seelischen Beobachtungsresultate nach naturwissenschaftlicher Methode' (29). Diese Methode wurde damit gerade von Steiner am meisten gewürdigt und angewandt. Aus Goethes 'Sprüchen' ist einer, der hilfreich den seelischen Aspekt der Aufklärung erhellt: "Wer einem Autor Dunkelheit vorwerfen will, sollte erst sein eigenes Inneres beschauen, ob es denn da auch recht hell ist. In der Dämmerung wird eine sehr deutliche Schrift unlesbar". Das gilt insbesondere auch für Rudolf Steiners 'Philosophie der Freiheit'. Wer sie im Dunkel der Dünkel liest, darf nicht erwarten, daß er etwas davon auffassen kann.

5a       Also sei hier ein einfaches Bild befragt: Die Dämmerung klärt auf, wenn die Sonne dem Horizont sich naht. Macht nun die Dämmerung den lichten Tag oder ist sie nur sein Bote? Diese Frage stellte Frank Teichmann seinen Seminaristen. Und wer ist das große Vorbild für den Aufklärer? Johannes der Täufer: 'Nach mir kommt, der vor mir war'. Und weiter: '...es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Der kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugte, auf daß sie alle durch ihn glaubten (schauten). Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht, das da in die Welt kommen sollte...' (3)

       'Der Aufklärer' ist also schon 2000 Jahre alt und ein Rufer in der (geistigen) Wüste: 'Ändert euren Sinn'. Und man darf darum blinzelnd auf die Wahrheit zugehen, denn dort wird mit Feuer getauft, und 'Grüß Gott' sagen ohne sich vorbeizumogeln. Das Beglückende an der Anthroposophie war schon für viele, daß die Christologie das Denken mit dem Glauben zusammen gestattet (30). Dann denkt das Herz mit. Glaube ist eine Herzensangelegenheit. Anthroposophie auch! Nur die Richtung zwischen Oben und Unten ist verschieden.

5b       Der Stufen der Bewußtseinsentwicklung sind mehrere wie im Tageslauf: Dunkelheit, Dämmerung, Tageslicht. In den Bildern des Grales: Dumpfheit, Zweifel, Seligkeit (31). Man sagt ja auch bei einer Einsicht: 'es dämmert mir' oder 'es hat mir eingeleuchtet'. Da hat man aber uU. noch Zweifel. Mit dem Grundsteinspruch der Anthroposophischen Gesellschaft von 1924 heißen diese Stufen: Nachtdunkel und taghelles Licht. Da ist die Aufklärung vollzogen, die Zwei ist überschritten, die Zweifel sind überwunden (32):

'Sag nicht: dies ist nicht vorzustellen,

Nicht auszudenken! Eines Tages

Erscheint ein Mensch bestimmten Schlages

Und steigt hinunter zu den Quellen.

 

Und trägt vom Urborn der Natur

Zwei Hände voll ins lichte Leben.

Und als Erfahrung ist gegeben,

Was Vorzeit nur als Traum erfuhr.

 

Und wie sie kommen all und trinken,

verwandelt Sinn sich und Gesicht:

wie Schleier scheint's hinwegzusinken,

und Dunkelstes ward seltsam licht (33).

Mit diesem Gedicht outet sich Christian Morgenstern als ein Aufklärer ersten Ranges! 

5c       Der Mann mit der Lampe aus Goethes Märchen sei nicht vergessen! Er darf in der finsteren Höhle, wo die Könige noch gebannt sind, erst sein Licht verbreiten, weil es dort schon dämmert durch die grüne Schlange. Die Rolle der Pseudoaufklärer spielen hier die Irrlichter - aber auch diese sind, zusammen mit den anderen - hilfreich! (34). Vielleicht wird auch Barbarossa dann wieder wach und schreitet aus dem Kyffhäuser zum Tagewerk. Aber der Mann mit der Lampe weiß: ein Einzelner hilft nicht - nur wer sich mit vielen zur rechten Zeit verbündet: aber bitte in voller Freiheit und jeder auf seine Weise! Das gibt keine Massenaufläufe! Der Freiheitsbegriff ist nicht nur ein philosophischer, sondern auch eine esoterischer. Steiner weist auf dieses gemeinsame Band der Eingeweihten hin, selbst wenn sie begrifflich zeitbedingt eine ganz andere Sprache sprechen. In die Freiheit des 'Ich' einzugreifen, versagt sich der Eingeweihte (26), genauso wie er diese Freiheit aber auch für sich in Anspruch nimmt. Da werden sich eines Tages die Geister scheiden und tun es jetzt schon. In der ganzheitlichen Medizin z.B. wird ja versucht, über die Behandlung der Leiblichkeit hinaus die Ich-Aktivität anzuregen, damit der Mensch seine Hüllennatur selbst in den Griff bekommen kann. Diese Aktivität braucht einen eigenen freien Raum. Das 'Ich' findet sich im 'verhangensten Allerheiligen' eines Menschen. Wenn es sich zeigen soll, dann muß es sich erst hervorbringen - 'outen'. Es bringt sich dabei im Denkakt erst selbst vervor. Der für uns zunächst zugängliche Geist wird so erfaßt im und mit dem 'Ich'. Das Motto der Aufklärung 'Ermutige dich, selbst zu denken' bringt die Persönlichkeit erst auf den Weg (29).

       Selbst der Eingeweihte könne nicht in das Allerheiligste hineinsehen, sagt Steiner. Auch er muß auf die Äußerung des 'Ich' auf diesem oder jenem Plan schauen (35). Goethe: '...vergebens bemühen wir uns, den Charakter eines Menschen zu schildern; man stelle dagegen seine Handlungen, seine Taten zusammen, und ein Bild des Charakters wird uns entgegentreten' (19).

       Das betrifft schon die höchste Kategorie der anthroposophischen Aufklärung. Wenn es bei der Jüngerberufung heißt: 'und er nahm sie mit in sein Haus', dann kann man aufmerken (36): Gastfreundschaft hat in diesem Freiheitsraum der Seele ihren Urquell. Heten Wilkens (1923-1994) humorig: 'hätte gerne ein Gasthaus betrieben'. Im Idealfall täten das viele! Und wenn in einem Krankenhaus 'Hotelqualität' angestrebt wird, hat das hoffentlich nur nebenbei den Wettbewerbsaspekt. Wenn Besuch da ist, sagt schon der Sprachgeist, daß etwas gesucht wird. Die Suche und Gestaltung des eigenen Ich, auch in der Teamarbeit, wird nirgends so gefördert und gefordert wie bei Anthroposophen (37). Die Begegnung geschieht da nicht zwangsläufig. Der selbstbewußte Mensch hat es schwerer als der Gemütsmensch, der noch an viel Äußerliches anknüpfen kann, denn er muß sich direkter stellen, auch wenn die schlagkräftige Begegnung mit einem Gemütsmenschen, die viel Konventionelles an sich haben kann, schon direkt scheinen kann. Steiner weist auf die förderlichen Voraussetzungen einer zeitgemäßen Entwicklung hin: Geisteswissenschaft, Religionsfreiheit und praktische Menschenkunde (38).

6       Man versuche es selbst mit dem Bild des Sonnenaufgangs. Darin liegt noch vieles, was aber für diesmal auf einem anderen Blatt stehen soll. Ideen berühren die Grenze nach oben, wo es erst wesentlich wird. Sie sind, lebendig erfaßt, aber nicht abstrakt oder abgehoben. Es kommt darauf an, 'sich der Idee erlebend gegenüberzustellen' (29), denn der Knechtschaft sind zwei Möglichkeiten: l'art pour l'art immer weiter zu denken, also edel abzuheben. Dieses zu vermeiden und gar nicht vom Boden hochzukommen, ist aber auch nicht die Lösung. Es geht um den goldenen Mittelweg, den uns die Sonne auch vormacht. Goethe hat uns hier eine Starthilfe gegeben

'Die Geisterwelt ist nicht verschlossen!

Dein Sinn ist zu, Dein Herz ist tot!

Auf bade, Schüler, unverdrossen

die ird'sche Brust im Morgenrot!

(39)

Zugegeben: Selbstdenken ist nicht einfach Dem Autodidakten sei mangelnde logische Gedankenführung und philosophische Bildung nachgesehen! Steiner wurde oft zitiert. Trotzdem wurde der Aufklärung hoffentlich nahegekommen und etwas Licht in die Frage gebracht, warum das Zitieren erlaubt sein sollte. Zum Schluß sei die Frage des goldenen Königs nicht vergessen: 'Was ist erquicklicher als das Licht?' (34). Also sprechen Sie mich an!

 

Quellen 

1  Emil Bock: Könige und Propheten

2  Frank Teichmann: Der Mensch und sein Tempel - Ägypten

3  Prolog des Johannes-Evangeliums

4 Diether Lauenstein: Das Ich und die Gesellschaft

5a Alfred Schütze: Die Kategorien des Aristoteles und der Logos

5b Ernst Maqrti: Der Prolog des Johannesevangeliums und die Kategorien des Aristoteles

6  Diether Lauenstein: Die vier Denkmodelle des Abendlandes

7  Wilhelm Kelber: Raffael

8  Heinz-Herbert Schöffler: Die Akademie von Ghondischapur

9  Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe

10  Walter Johannes Stein: Weltgeschichte im Lichte de Heiligen Gral, das neunte Jahrhundert

11  Samuel Huntington: Der Kampf der Kulturen

12  Walter Johannes Stein: Korrespondenz 1934

13  Rudolf Steiner GA 340 - Nationalökonomischer Kurs

14  Berliner Tagesspiegel 30.9.2005

15  Christoph Strawe und Wilhelm Neurohr in Rundbrief des 'Netzwerk Soziale Dreigliederung'

16  Bodo von Plato: Zur Entwicklung der Anthroposophischen Gesellschaft

17a Rudolf Steiner: Die Kernpunkte der Sozialen Frage in den Lebensotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft

17b  Nikanor Perlas: Globalisierung

18  Frans Carlgren: Wenn die Staaten unregierbar werden

19 Johann Wolfgang von Goethe: Sprüche in Prosa

20 Almanach des Verlages Freies Geisteslebens: Der Weg in die Zukunft ist mit Konflikten gepflastert

21  Rudolf Steiner GA 240, 18.7.1924

22  'Das Goetheanum' Nr. 8/9 2005

23  Bodo von Plato: Anthroposoophie im 20. Jahrhundert, s.a. 16

24  Steiner GA 151 - der menschliche und der kosmische Gedanke

25  Steiner GA 12 - die Stufen der höheren Erkenntnis

26  Steiner GA 10 - Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?

27  Steiner GA 9 - Theosophie, Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung

28  Steiner GA 13 - Geheimwissenschaft im Umriß

29  Steiner GA 4 - Philosophie der Freiheit

30  Erinnerungen an Rudolf Steiners

31  Fred Poeppig: Wege zum Gral

32  Steiner GA 233, 18.7.1924

33  Christian Morgenstern, Briefe IV

34  Steiner - Goethes Märchen von der schönen Lilie und der grünen Schlange

35  Steiner GA 240 - 10.5.24, GA 216

36  Emil Bock: Die drei Jahre, S 104

37  Bernhard Lievegoed: Soziale Gestaltungen am Beispiel der Heilpädagogik

38  Steiner - Wie kann die seelische Not der Gegenwart überwunden werden?

39  Johann Wolfgang von Goethe: Faust I

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nächste Seite anklicken:  7a-d Vom Land aufs Meer


 

"Die Himmel rühmen":

Es ist, als ob wir bewußtseinsmäßig auf ein Jahrhundert reduziert werden sollen. Nach dem deutschen Idealismus frägt man höchstens noch in den geisteswissenschaftlichen Fakultäten, soweit sie nicht schon aufgelöst sind. Techniker der Natur- und Wirtschaftswissenschaften, keine Philosophen, braucht der globale Neoliberalismus. Globale Produktion in den Billiglohnländern ist 'in'. Früher holte man Sklaven. Heute exportiert man einfach die Produktion, weil die Sklaverei ja abgeschafft sein soll. Sozialverpflichtung des Kapitals, Arbeitsschutz und Ökologie wird dort noch kleingeschrieben. Die Nationalstaaten sind gegen die Multis machtlos und müssen die Gewinne der Kapitaleigner wirtschafts-, finanz- und fiskalpolitisch noch bedienen, sonst 'flieht' das Kapital. So wuchert das wirtschaftliche Krebsgeschwür global an den sozialen Organismen, seit es 1919 erstmals von Steiner diagnostiziert wurde (17a). Hoffentlich wächst die sozialchirurgische Kompetenz mit! Die UNO dagegen wird durch die Dominanz der Vetomächte demontiert, die Regierungen sind so mit ihrem Machterhalt beschäftigt, daß nur auf einen künftigen 'Runden Tisch' gehofft werden kann (18). 

Mit Schröder/Schily/Fischer scheint die Ära der 68er zuende zu sein. Selbst der größte Kompromiß in einer GroKo-Großen Koalition kommt nur auf der Grundlage eines kleinsten gemeinsamen Nenners zustande. Angesichts der großen Probleme bedeutet dieser praktisch die politische Handlungsunfähigkeit, auch wenn sie im Feeling die ganze Macht zu haben vorgibt.