Aus aktuellem Anlaß: Das Christusgebet wird in vielen Zungen gebetet, es spricht nicht mit einer Stimme - das entspricht dem Wesen des Heiligen Geistes, der von Christus für unsere Zeit gesandt ist:
Das Vaterunser

in verschiedenen Fassungen

aus Karl Friedrich Althoff:

Das Vaterunser - Die Wortgestalt des Menschheitsgebetes auf ihrem Weg durch die Kulturen

Verlag Urachhaus 1978


1. Der Urwortlaut des Vaterunsers aus dem Griechischen S14:


Vater unser der in den Himmeln

geweiht-werde der Name dein

es-komme das Reich dein

es-werde der Wille dein

wie in Himmel auch auf Erde

Das Brot unser das alltägliche gib uns heute

und vergib uns die Schulden unser

wie auch wir vergaben den Schuldigern unser

und nicht einbringe uns in Versuchung

Sondern errette uns von dem Bösen

Amen


2. Das Vaterunser des Lukas S25:

Vater,
geheiligt werde Dein Name,
es komme Dein Reich.
Unser alltägliches Brot gib uns, das für den Tag,
und vergib uns unsere Sünden,
denn auch wir vergeben jedem, der uns schuldet,
und führe uns nicht in Versuchung.


3. Die ältere lateinische Handschriftenüberlieferung: S143:
Die Ursprache der Verstandes-Seele - heute keine lebendige Sprache mehr.
Interessant ist, daß es heißt: "befreie uns" und nicht wie allgemein üblich "erlöse uns".

 

Pater noster qui es in caelis:
sanctificetur nomen tuum,

 

adveniat regnum tuum,
fiat voluntas tua,
sicut in caelo et in terra.
Panem nostrum quotidanum da nobis hodie,
et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris,
et ne nos inducas in tentationem,
sed libera nos a malo.
(Amen).

 

4. Ein Vergleich zweier lateinischer Fassungen S143:

"Panem nostrum quotidanum"

"Panem nostrum supersubstantialem",

so lautet die erste Bitte des Vaterunser

1. in der lateinischen Fassung der Itala/Vetus Latina von 79 nC.

2. in der Vulgata des Hieronymus/Origenes von 383 nC.

Der kleine große Unterschied gibt zu denken:

"Panem quotidianum" ist das "tägliche Brot".

"Panem supersubstantialem" heißt das "überseiende Brot.

Es ist das Brot nach der Transsubstantiation (Wandlung).

Dazu: "...der Mensch lebt nicht vom Brot allein..." Mt.4,4.

Das antwortet der Christus Jesus auf die Versuchung des Ahriman in der Wüste.

Wir leben heute in dieser Versuchung!


5. St.Galler Vaterunser ~790: (Lautlich Doppel-U wie "W"), S158


Fater unseer,
thu pist in himile,
uuihi namun dinan,
qhuueme rihhi din,
uuerde uuillo diinso in himile sosa in erdu.
Prooth unseer emezzihic (emsig) kip uns hiutu,
oblaz uns sculdi unseero,
so uuir oblazem uns sculdikem,
enti ni unsih firleiti in khorunka (Versuchung),
uzzer losi unsi fona ubile.

6. Altsyrische Fassung aus Mossul, Schreibrichtung von rechts nach links. S151

Wie lange würden wir brauchen, in dieser Sprache zu sprechen und zu verstehen? Viele Syrer sind heute gezwungen, Deutsch in kürzester Zeit zu lernen!:


'Abh~un d'bhaschmajo
- Vater unser im Himmel
nethkaddasch sch'mokh
- dein Name werde geheiligt
tithe malküthokh
- dein Reich komme
nehwe sebhjonokh
- dein Wille geschehe
'aikano dh'bhaschmajo 'of bar'o
- wie im Himmel so auf Erden

Habh lan lahmo dh'ßünkonan jaumono
- Gib uns das Brot unseres Bedarfs heute
waschbük lan haubhain
- und vergib uns unsere Schulden
'aikano dh'o hnan sch'bhak'n l'hajabhain
- wie wir vergeben unsern Schuldigern
w'lo tha' lan l'neßjuno
- und führe uns nicht in Versuchung
'ello fason men bischo
- sondern erlöse uns von dem Bösen
Metul d'dhilokh-i malkütho w'hailo w'theschbühtho l'olam 'olmin
- denn Dein ist das Reich und die Herrlichkeit in Ewigkeit
'Omen
- Amen


K.F.Althoff dazu: "Während nach aramäischen Textüberlieferungen oder gar Originalwortlauten neutestamentlicher Inhalte vergeblich Ausschau gehalten wird, findet sich eine reiche Übersetzungstradition in altsyrischer Sprache. Diese steht dem Aramäischen am nächsten. Das Syrische ist die von Edessa ausgegangene Literatursprache der Christen Nordsyriens und Mesopotamiens. Zum Teil gehen die syrischen Texte in das 2. Jahrhundert zurück. Auf dem Ölberg bei Jerusalem befindet sich an der Stelle, wo einigen Überlieferungen zufolge Christus das Vaterunser gegeben hat, eine Klosterstätte mit der >>Paternoster-Kirche<<. In ihren Wandelgängen sind gekachelte Tafeln mit dem Vaterunser in 61 Sprachen angebracht, leider oft fehlerhaft oder entstellend; in der Eingangshalle ist, kunstvoll in Granit gemeißelt, das Vaterunser auch in Aramäisch zu finden. Es wird dort als >>Urtext<< bezeichnet, doch stammt die Darstellung aus jüngster Zeit. Bei näherem Hinsehen muß man erkennen, daß es sich um den wohlgemeinten Versuch handelt, den heiligen Text quasi >>zurückzutransponieren<<. So sei in unserem Zusammenhang auf eine Wiedergabe verzichtet. An seiner Statt stehe die altsyrische Version, wie sie noch heute in der Christenheit des Vorderen Orients erklingt. Sie ist einem Evangeliar entnommen, das zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in Mossul gedruckt wurde. Die Schriftart nennt man >>Estrangelo<<; ihre Schreibrichtung verläuft von rechts nach links. (Es folgen Hinweise zur Aussprache und den Zeichenzusätzen, wie Punkt, horizontaler Doppelpunkt, Accent grave, Apostroph)


7. Eine Hebräische Fassung

Im Jahre 1555 wurde in Paris eine hebräische Übersetzung des Matthäus-Evangeliums gedruckt. Das einzige bekannte Exemplar dieses Druckes befindet sich im Besitz von Professor Hugh Schonfield, eines namhaften englisch-jüdischen Gelehrten, der den Übersetzungstext als auf das 4. Jahrhundert zurückgehend identifizierte. (So der englisch-jüdische Theologe Professor Hugh Schonfield in The Listener, February 25th, 1954, der im Besitz des Buches ist und dessen Wortlaut ausdrücklich als Übersetzung bezeichnet. Er vermutet, daß dieser Übersetzungstext in judenchristlichen Kreisen, soweit es solche im 4. Jahrhundert noch gegeben hat, im Umlauf gewesen sei.) S152


'Avínu schebbaschschamájim

Unser Vater im Himmel

jitkaddésch schimkhá

Name

tavó malkhut'khá

Reich

je aßè r'tzon'khá
k'vaschschamájim uva'áretz

Wille


'Et lachménu t'midí tén lanu hajjóm

Brot

ußlách lanu 'et chovoténu

Schuld

ka'aschèr 'anáchnu mochaliím l'va`alé chovoténu

Schuldiger

w'ál t'vi'énu lidé nissajón

Versuchung

'ellá hatzilénu mikkól rá

Erlösung


Kil'ká hamm'lukhá w'hagg'vurá w'hakkavód l'olám ul' ol'mé 'olamím
'amén


Schreibrichtung von links nach rechts.

Man bedenke, daß die Hebräer die Messiaserwartung heute in erhöhter Weise pflegen. Wird jemand in naher Zukunft zum "Messias" gekürt?



8. Eine Arabische Fassung

   "In den ersten Jahrhunderten nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer 70nC wanderten arabische Stämme in Palästina ein und nahmen allmählich das Christentum an. Sie hielten zu einem großen Teil auch daran fest, als 638 die Scharen Muhámmeds das Land eroberten und es dem Islam unterwarfen.Aus alten Zeiten bestehen arabische Übersetzungen der ganzen Bibel... Auch hier gibt es zwei Fassungen bezüglich des "Brotes", einmal "unser tägliches Brot", und einmal "unser Brot, das edelsteinhafte". Hier die letztere, in Palästina gebräuchliche Fassung..." (Althoff S153). Es ist ja wohl ein Brot gemeint, an dem man sich nur im übertragenen Sinne die Zähne ausbeissen kann.

    Der Araber Kyot, der Gewährsmann Wolfram von Eschenbachs, bezeichnete die "Speisung" der Gralsritter als einen Stein, was einerseits auf den Sternenhimmel hinweist, andererseits auf die "Steine" in Luzifers Krone. Kyot hat die "Märe" in arabischer Schrift in Toleda gefunden, die von dem "Heiden Flegetanis" abstammt, "und der war ein Kundiger in den Sternen". (W.J.Stein: Weltgeschichte im Lichte des Heiligen Gral S250).


Ja'Abana-lladi fi-ssamawáti

Vater unser im Himmel

lijatakaddaßí-ßmuka

Name

lijá'ti malakútuka

Reich

litákun maschí'atuka

Wille

kamá fi-ssamá'i kadálika 'ala-l'árdi


Húbzana-lgáuhari'á tina-ljáuma

edelsteinhaftes Brot

wágfir laná dunúbana

Schuld

kamá nágfiru náhnu 'áidan lilmudnibína 'iláina

Schuldiger

walá túdhilna fi tágribatin

Erlösung

lákin nággina mina-schschirríri


Li'ánna láka-lmúlku wa-lkúwwatu wa-lmágdu 'ila-l'ábadi
'amína

9.  Ein Vaterunser für die Prußen:

 

"...Von Schweden kam um die Zeitenwende das Gotenvolk und gründete im Weichselbogen ein Reich. Vielleicht sind aus der Vermischung zwischen Goten und den im späteren Ostpreußen ansässigen Litubalten die Prußen (Pruzzen) hervorgegangen. Im 3. Jahrhundert tauchten die Goten in Südrußland und in den Gebieten um das Schwarze Meer auf. Von dort unternahmen sie Raubzüge durch die Ägäis und verschleppten Teile der griechischen Bevölkerung in ihre Gebiete.

 

Aus der Ehe zwischen einem Goten und einer aus solch verschleppter Familie stammenden griechischsprechenden Frau aus Kappadokien wurde 311 Wulfila geboren. Er wuchs zweisprachig auf. Von seiner Mutter wurde er christlich erzogen.341 wurde er zum Bischof der Goten geweiht und wurde der große Lehrer eines Teiles seines Volkes: In wahrscheinlich 20 Jahre dauernder Arbeit übersetzte er die Bibel aus seiner griechischen Muttersprache in seine gotische Vatersprache S155:

 

 


Atta únßar thû in híminam
wîhnai námo thîn
quimai thíudinassus thìns
wärthai wílja thîns
swê in himina jah ana ärthai


Hlaif únßarana thána ßíntinan gif uns hímma dága
jah aflêt uns tháti skúlans síjaima
swâswe jah wîs aflêtam thaim skúlam únßaraim
jah ni brínggais uns in fráistubnjai
ak láußi uns af thámma úbilin


Únte thîna ist thíudangardi jah mahts jah wúltus in áiwins
amên

10. S158 Das Althochdeutsche hat sich im Verlauf des frühen Mittelalters (etwa 650 bis 1050) allmählich aus den Stammesdialekten der Alamannen, Franken, Bayern zu einer durchaus noch wenig einheitlichen Schriftsprache entwickelt. Pflegestätten altdeutscher Sprachkultur erwuchsen in den Klöstern, deren Gründung auf irische Mönche und Nonnen zurückgeht, besonders im Süden des deutschen Sprachraums. Im Vordergrund steht zunächst St.Gallen, eine Gründung von St.Gallus aus Irland (ca.560-650). -

Als Karl der Große am 23.3.789 die Admonitio Generalis (allgemeine Ermahnung) erließ - sie bestimmte, daß das ganze Volk das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser auf Lateinisch und auch in der deutschen (theodiska) Volkssprache auswendig kennen und können solle -, da begann St.Gallen den Reigen altdeutscher Vaterunser-Überlieferung. Etwa 790 entstand dort die erste uns bekannte Übersetzung:


Fater unseer,

thu pist in himile,

uuihi namun dinan,

qhuueme rihhi din,

uuerde uuillo diin,

so in himile sosa in erdu.


Prooth unseer emezzihic kip uns hiutu,

oblaz uns sculdi unseero,

so uuir oblazem uns sculdikem,

enti ni unsih firleiti in khorunka,

uzzer losi unsih fona ubile.


Diese erste Fassung eines deutschen Vaterunsers in alamannischer Sprachfärbung zeigt noch einige Unsicherheit im Ausdruck. So wird die erste Anrufung übersetzt: "Weihe deinen Namen"; "emezzihic" ist das heutige "emsig" im Sinne von "immerwährend, beständig, fortwährend, immer gegenwärtig".


11. Weißenburger Katechismus

- Unterelsaß, 9. Jahrhundert - südrheinfränkische Mundart S158

Vater unser
thu in himilom bist
giuuihit si namo thin
quaeme richi thin
uuerdhe uuilleo thin
sama so in himile endi in erthu
Broot unseraz emizzigaz (emsig) gib uns hiutu
endi farlaz uns sculdhi unsero
sama so uuir farlazzem scolom unserem
endi ni gileidi unsih in costunga
auh arlosi unsih fona ubile

 

Hier wird "Versuchung" mit dem Wort "Costunga" bezeichnet. Der Übergang vom früheren "Chorunga" ist nicht ohne weiteres verständlich. Daß die petrinische Christenheit mit dem Papst an der Spitze diese dritte Bitte auch heute noch ändern will, zeigt, wie aktuell, doch schwierig dieser seelische Bereich ist. Denn diese Bitte entspricht dem Wesen des Astralleibes und dieser ist die Grundlage für die Bildung des von Rudolf Steiner so genannten "Geistselbst" - dem ersten geistigen Wesensglied nach der noch seelisch gearteten "Bewußtseinsseele"

 

12. Zungenbrecher sind die althochdeutschen Fassungen des Vaterunser, z.B.: "...aus der Zeit um 825. Der Verfasser ostfränkischer Mundart ist unbekannt geblieben. Er verwendet, um lange Silben zu kennzeichnen, Akzente...":

Fater unser
thú thár bist in himile
sí giheilagót thín namo
queme thin ríhhi
si thín uuillo
só hér in himile ist, só sí hér in erdu


Unser brót tagalíhhaz gíb uns hiutu
inti furláz uns unsara sculdi
só uuír furlázemés unsarén sculdígón
inti ni gileitést unsih in costunga
úzouh arlósi unsih fon ubile


Auch hier das sperrige Wort für Versuchung: Costunga. "...Die Akzentuierung vermittelt einen deutlichen Eindruck für Längen und Kürzen, aber auch für den noch 'schwebenden' Akzent, mit welchem altdeutsche Mundarten noch erklangen: Wörter wie giheilagót, tagalíhhaz, furlázemés, sculdigón, gileitést tragen den Hauptdruck gewiß wie im Neuhochdeutschen auf der ersten Stammsilbe, die selbst einen kurzen Vokal haben kann, aber sie lassen auf die Drucksilbe gern noch Silben mit langen, aber unbetonten Vokalen folgen". S159


13. Und weiter im Text: Da habe ich nun einen Hinweis auf das sperrige Wort "Chorunka" (Versuchung) im mittelhochdeutschen Vaterunser des Reinmar von Zweter (um1230) gefunden: "Kür" = Prüfung, Versuchung. S165


Got vater unser, da du bist
in dem himelriche gewaltic alles des dir ist,
geheiliget so werde din nam,
zuo müeze uns komen das riche din.
Din wille werde dem gelich
hie uf der erde als in den himeln, des gewer unsich.
Nu gip uns unser tegelich brot und swes wir das nach dürftic sin.
Vergip uns allen sament unser schulde,
also du wilt, daz wir durch dine hulde
vergeben der wir ie genamen
dekeinen schaden, swie groz er si:
vor sünden kor so mache uns vri
und loese uns ouch von allem übele.

amen.


14. Aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts stammt das Freisinger Vaterunser, in bayrischer Mundart gehalten:

Fater unser
du pist in himilum,
kauuihit si namo din
piqhueme (bequeme=herbeikomme) richi din
uuesa (wese) din uuillo
sama so in himile est, sama in erdu.

 

Pilipi (Belebe) unsraz emizzigaz (emsig) kip (gib) uns eogauuanna (? hat jemand eine Idee dazu?)
enti flaz (verlasse-vergib) uns unsro sculdi,
sama so uuir flazzames unsrem scolom
enti ni princ uns in chorunka (Verirrung in der freien Kür)
uzzan kaneri unsih fon allem sunton (deutlicher Anklang an "Sünde").

Das Bayerisce ersetzt die weichen Anlaute durch harte (z.B. du bist = du pist) S160

15. Zum Vaterunser aus dem Heliand.S161 :

"...In den Jahrhunderten des Karls des Großen (742-814) und Ottos des Großen (912-973), wird das deutsche Volk geboren. Über alle Grenzen  sich befehdender westgermanischer Stämme hinweg ergreift der Christusgeist - aus dem Wirken der irischen Mönche im 7. Jahrhundert und aus dem Erwachen zu christlichem Lebensgestalten - den "deutschen" Menschen. Gemeinsam ist den westgermanischen Stämmen die Tatsache, daß sie einander sehr ähnliche Dialekte sprechen. Diese aber sind - und dies ist die andere Geburtskomponente - alle durch eine Lautverschiebung gegangen, in deren Einzelheiten etwas Michaelisches hindurchblitzt. Zu diesen Dialekten gehören die Sprache der Langobarden - von denen die Lautverschiebung ausgegangen ist, als sie das Michaelheiligtum auf dem Monte Gargano erreicht hatten - sowie die Alamannen, Schwaben, Bayern, Franken, Thüringer. Im Norden Deutschlands blieben die Sprachen der Niedersachsen und Friesen "unverschoben".
   Im Reiche Karls des Großen war kulturtragende Sprache noch das Kirchenlatein. Im Westen des Reiches, in Gallien, sprach das Volk die "Lingua Romana", die sich später, mit der Sprechart der Franken durchdrungen, zum Französischen entwickelte. Wie aber sollte man jenes vielgestaltige Sprachwesen im Osten bezeichnen? Da taucht in einer Urkunde des Jahres 786 in einem lateinisch geschriebenen Wortlaut der Ausdruck "Lingua Theodisca" auf: die Sprache derer, die für Volk "Theod" sagen, die "volkhafte Sprache". Daraus wurde über thiudisk, deotisk, diutisk das Wort "deutsch"! Dies ist also keine National- sondern eine Sprachbezeichnung. Die Sprache derer, die "nichts als Volk" sind und sein wollen; Volk als Träger einer christlichen Reichsidee, einer Kultur, die sich als dienende Verwirklichung des Christuswillens verstand.
   Politisch war dieses Volk zerrissen: Es gab Alamannen, Schwaben, Franken, Thüringer, Sachsen, Friesen; es gab die vielen Stammesherzogtümer, die verschiedenen Bistümer - aber es gab noch kein deutsches Volk. Es mußte dies erst werden. Darin glich es bedeutsamerweise dem Volk der Hellenen in alter Zeit: über die Zerrissenheit hinweg vereint durch Sprache und Kultur.
   Dreißig Jahre lang wogte der Kampf um Leben und Tod zwischen dem Frankenkönig Karl dem Großen und dem Stamm der freien Sachsen, geführt von deren Herzog Widukind. Karl, seit dem 25.12.800 Kaiser, strebte nach der Einheit des Reiches abendländisch-christlicher Kultur; die Sachsen aber stellten sich gegen die Einbeziehung ihres Volkes in dieses Reich. Sie wehrten sich nicht gegen das Christentum als solches; wohl aber gegen seine von Rom bestimmte Gestalt. - Als das Sachsenvolk schließlich im Sinne der herrschenden Kirche Roms bekehrt ist, erhebt sich zu Beginn des 9. Jahrhunderts aus seiner Mitte der seinen Namen verschweigende Mönch des Klosters Fulda und dichtet in Altsächsisch eines der beiden wunderbaren Zeugnisse frühdeutscher Frömmigkeit und inniger Geistigkeit: den Heliand. Was das fränkische Schwert nicht zuwege brachte, das brach hier aus verborgenen Quellen hervor, die von anderen Untergründen gespeist waren als von dem, was von der damaligen offiziellen Kirche ausging. Vielleicht dürfen wir, auch aus einer Reihe philologischer Kriterien, vermuten, daß in diesem Sachsenstamm etwas verborgen lebte, das einst von den gotischen Missionaren gepflanzt worden war. - Aus dem Heliand (Vers 1600ff, altsächsisch):
Fadar usa   firiho barno
-Vater unser, der Lebenswelt Kinder-
thu bist an them hohon himila rikea
-der du bist in dem hohen Himmelreich-
geuuihid si thin namo uuordo gehuuilico
-geweiht sei dein Name in jedwelchem Worte-
Cuma thin craftag riki
-Es komme dein kräftiges Reich-
Uuerda thin uuilleo obar thesa uuerold alla
-Es werde dein Wille über diese ganze Welt alle-
so ama an erdo, so thar uppa ist an dem hohon himilrikea.
-so hier auf Erden, wie oben ist in dem hohen Himmelreich-
Gef us dago gehuuilikes rad, drohtin the godo, thina helaga helpa
-Gib uns jeden Tages Bedarf, gütiger Herr, deine heilige Hilfe-
endi alat us, hebenes uuard, managoro mensculdio
-und entlasse uns, des Himmels Wart, der mannigfaltigen Menschenschulden-
al so uue odrum mannum doan.
-so wie wir es anderen Menschen tun-
Ne lat us farledean leda uuihti
-und lasse uns nicht Leid-Wichte (böse Wesen) verleiten-
so ford an iro uuilleon, so uui uuirdige sind
-lasse nicht zu, daß böse Wesen uns dahin verführen, ihren Willen zu tun, soweit wir würdig sind-
ac help us uuidar allun ubilon dadiun.
-sondern hilf uns wider alle üblen Taten.


16. Eine Altkirchenslawische Fassung des Vaterunsers S169:


Erst im 7. Jahrhundert begann für die Völkergruppe der Slawen in Osteuropa jener Umschwung in der Bewußtseinsentwicklung, der ihr erstes Auftreten in der Geschichte begleitete. Einem Aufwachen aus schauendem Träumen in die Wachheit des Ergreifens der Erde gleicht dieser Schritt in das Bewußtsein der Geschichte. Es sind die Tschechen, die den Anfang setzen, getreu dem Sinn ihres Namens "Cech", der "Anfang Setzende" bedeutet. Sie tun dies, indem sie bis in den Kern Mitteleuropas vorstoßen. Bei der Vermählung der schauenden Königin Libuse (Libussa) mit dem Vorwärtsdenker Premysl (=Prometheus, Name gleicher Bedeutung!) wird die Stadt der "Schwelle", Praha (Prag), gegründet, wo sich Ost und West treffen, aber auch altes Schauen und neues Denken einander begegnen. - Zugleich ergießt sich ein starker slawischer Völkerstrom über den Balkan, dringt bis in die Gegend um Sparta nach Süden, nimmt ganz Thrakien ein, überflutet Illyrien, lange bevor sich polnische Stämme zu einem Reich im Weichsel-bogen zusammenschließen und im Osten sich um Kijew herum das Russentum entwickelt. In Böhmen kommen die Slawen mit dem deutsch-römischen Christentum, wie es auf Bonifatius zurückgeht, in Berührung, einem Christentum, das die Geistestiefen des Gralschristentums verleugnet, aber für Mittel- und Westeuropa richtungweisend sein wird. Dem in lateinischer Sprache zelebrierten Kultus stehen die Slawen von Böhmen und Mähren verständnislos gegenüber.

   Erst im Jahre 863, mitten im Gralsjahrhundert, erstehen den Slawen Geisteshelfer aus der Welt des nördlichen Griechentums: Konstantinus der Philosoph und sein Bruder Methodios aus Thessalonike, das bereits von slawischen Siedlungen umgeben ist, kommen, nicht um zu bekehren, sondern um den Slawen das Wort in slawischer Sprache auszulegen. Die beiden Brüder - Konstantinos nimmt später den Namen Kyrillos an - gehen zu den Tschechen. Während die christliche Theologenschaft sich anschickt, auf dem VIII. Ökumenischen Konzil zu Konstantinopel im Jahre 869 den (menschlichen) Geist als selbständiges Wesensglied zu leugnen, bewegt sich Kyrillos der Philosoph in den esoterischen Inhalten eines Dionysios Areopagites. Der Legende nach gestaltet Kyrillos neue Schriftzeichen und schafft ein erweitertes Alphabet, das geeignet ist, die schwierigen Laute der slawischen Sprachen ohne Komplikationen wiederzugeben. Er gestaltet diese Zeichen aus Elementen der griechischen Schrift. Dann übersetzt er die ostkirchliche Liturgie ins Slawische und erreicht sogar, dogmatisch in wichtigen Dingen durchaus im Einklang mit dem Westen stehend, daß diese slawische Liturgie von Papst Nikolaus I. und dessen Nachfolger Hadrian II. anerkannt wird. Seine Bibelübersetzung offenbart, daß Kyrillos die gotische Bibel des Wulfila gekannt haben muß und sich von dieser hat anregen lassen. Mit dem Plazet Roms hatte er gleichzeitig die römische Strömung, soweit diese die Entwicklung der Individualität zur Erdenwachheit entfalten half, für die westlichen Slawen zur Wirksamkeit gebracht. Ihr Werk bei den Tschechen scheiterte jedoch schließlich an dem Widerstand der Frankenkönige und der römisch-deutschen Bischöfe. Konstantinos-Kyrillos starb noch vor dem Konzil von 869 in Rom, Methodios wurde in Klosterhaft verbracht und starb 885 in Mähren. Die Grenze zwischen dem römischen und dem byzantinischen Einflußgebiet wurde wo weit nach Osten hin verschoben, daß nicht nur die Tschechen und Slowaken, sondern auch die Kroaten und Slowenen römisch-katholisch bestimmt wurden. Dennoch begründete der Einfluß der beiden Brüder nach deren Tod das Aufblühen altkirchenslawischer Literatur und der slawischen Liturgie orthodoxer Prägung, besonders im Bulgarenreich unter dessen Zaren Simeon (884-927), so daß Altkirchenslawisch auch Altbulgarisch genannt werden kann. Die altkirchenslawische Strömung ergriff in der Folge Serben und Russen. - In dem gleichen Gebiet des Balkan jedoch herrschte eine andere Strömung, die in scharfem Gegensatz zu der institutionellen byzantinisch-orthodoxen Kirche stand, das Bogumilentum, dessen Wurzeln weit in den Osten zurückreichen, wo Manichäertum und Paulikianertum zusammengeflossen waren, die ein spirituelles Verständnis des Christentums pflegten. Bogumil (oder Bogomil) heißt Gottesfreund. Bogumilische Bischöfe nahmen an Konzilien der Katharer in Occitanien teil. Ihre Sprache war die gleiche altkirchenslawische.

   Es folgt nun das Vaterunser in einer altkirchenslawischen Version, geschrieben in den kyrillischen Zeiten etwa des 10. Jahrhundert: Ottsche nasch, Boshenas, oder Wotschenas, Woitinas heißt im Slawischen: Vater unser. Auch als Nachname taucht es so auf. Inwieweit die Träger dieses Namens sich würdig erweisen, sei dahingestellt. -

Die übrigen Zeilen lassen sich durch den kanonischen Ablauf erschliessen.


17. Eine Altpreussische Fassung des Vaterunsers S168


Die altpreußische Sprache, enger verwandt mit der litauischen und der lettischen, bildet mit diesen den sogenannten litubaltischen Sprachstamm innerhalb der großen indogermanischen Sprachfamilie. Sie wurde im Lande der Prußen, dem späteren Ostpreußen, gesprochen. Mit dem letzten prußisch sprechenden Preußen, der 1680 starb, erlosch die Sprache. Sie lebt nur noch in vereinzelten Flurnamen und in einigen Dialektwörtern des Ostpreußischen weiter.

   Von dieser altpreußischen Sprache sind neben einigen kleineren Dokumenten, wie einem deutsch-preußischen Glossar, zwei voneinander leicht unterschiedliche Übersetzungen des Kleinen Katechismus von Martin Luther erhalten, gedruckt in den Jahren 1545 und 1561 zu Königsberg.

   Das Vaterunser lautet in dieser klangschönen Sprache:


Tawa nouson kas tu esei endangon:

swintints wirst twais emnes,

pereit twais rijks,

twais quaits audasin,

kaigi endangon tijt deigi nosemien.


 Nouson deinennin geitien dais noumans schan deinan,

bhe etwerpeis noumas nouson auschautins,

kai mes etwerpimai nousons auschautenikamans,

bhe ni weddeis mans emperbandasnan,

sklait isrankeis mans esse wissan wargan.


Näheres über Aussprache und Betonung ist nicht bekannt geworden. Sicher aber ist ei = e+i, unterschieden von ai = a+i; ou ist o+u.  Zum Teil ist die Schreibung vom Deutschen her beeinflußt (z.B. sch). Einige Wörter, wie z.B. rijks (Reich) sind offenbar gotischen Ursprungs, was die Meinung bestätigen mag, die alten Prußen seien aus einer Mischung von Litubalten und Goten, die im 1. Jahrhundert im Weichselbogen ansässig waren, hervorgegangen. Es sind aber auch slawische Sprachspuren festzustellen, wie z.B. in swintints (geheiligt). Es fehlt - wie auch im Kleinen Katechismus Luthers - die Doxologie. Die letzte Bitte lautet wörtlich: Sondern erlöse uns von allem Bösen (Übel).

   Die Selbstbezeichnung der Prußen (auch Pruzzen genannt, wobei zz ein ß darstellt) ist Prus. Adjektiv prusiskai, und bedeutet "Antlitz": die ihre Antlitz (gen Westen) richten? Oder die "Vorderen"? - Die letzten Prußen sind im Deutschtum Ostpreußens untergegangen. Ihre Sprechweise hat den ostpreußischen Dialekt stark gefärbt.


18. Zwei Sorbische Fassungen des Vaterunsers S174


Die Sorben, seit Beginn des 7. Jahrhunderts jenseits von Elbe und Saale östliche Nachbarn der Deutschen, von diesen allmählich unterworfen und in ihnen aufgegangen, stellen heute eine kleine Minderheit dar. Sie leben als Obersorben in der Lausitz (Luzica), als Niedersorben in Brandenburg und im Spreewaldgebiet. Das Obersorbische und das Niedersorbische, die altertümlichsten unter den lebenden slawischen Sprachen, werden heute noch von etwa 40 bis 50 Tausend Menschen neben dem Deutschen gesprochen. Wurde in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts alles unternommen, um das Sorbische (auch Wendisch genannt) zum Aussterben zu bringen, so wird heute wiederum alles getan, um die sterbende Sprache zu erhalten, zu neuem Leben zu erwecken und auch literarisch zu pflegen. - Die Sprachen der anderen slawischen Stämme östlich der Elbe bis an die dänische Grenze hinauf - der Liutizen, Heveller, Pomoranen und anderer - sind untergegangen. Immerhin aber konnte noch im 17. Jahrhundert Leibnis ein Glossar des "vor den Toren Hannovers" gesprochenen slawischen Idioms schreiben. Sonst leben diese Sprachen in Flur-, Fluß- und Städtenamen wie auch in Familiennamen östlich der Elbe fort (Namen auf -witz, -ow, -in).


Das niedersorbische Vaterunser:

Wosce nas

kenz sy na njebju

Wuswesone buzi twojo me

Psiz k nam twojo kraleijstwo

Twoja wola se stani, ako na njebju tak teke na zemi

Nas wsedny kleb daj nam zensa

A wodaj nam nase winy, ako my wodawamy nasy winikam

A njewjez nas do spytowanja, ale wumoz nas wot wsogo zlego

Pseto twojo jo kralejstwo a moc cesc do nimernosci

Amjen


Das obersorbische Vaterunser:

Wotce nas

kiz sy w njebjesach

Swjecene budz twoje mjeno

Prindz k nam twoje kralestwo

Twoja wola so stan

kaz na njebju tak tez na zemi

Nas wsedny chleb daj nam dzensa

A wodaj nam nase winy, jako my wodawamy nasim winikam

A njewjedz nas do spytowanja, ale wumoz nas wot zleho

Pretoz twoje je kralestwo a moc a cesc hac do wecnosce

Hamjen


19 Eine Tschechische Fassung des Vaterunsers


Nach dem Text >>Kralický<< 1579-1593


Ot^ce ná^s,jen^z jsi v nebesích

posv^et´se jméno tvé

p^rijd´královstvi tvé

bud´vu°le tvá

jako v nebi tak i na zemi.

Chléb nás vezdej^sí dej nám dnes

a odpust´nám viny na^se

jako^z i my odpous^tíme vinníkum na^sim

i neuvod´nás v poku^sení

ale zbav nás od zlého

Nebot´tvé jest království, i moc, i sláva, na ve^ky

amen


Heute übliche Varianten: Zeile I: na nebesích;; Zeile 2: bud´psveceno jméno tvé; Zeile 3: prijd´k nám (= zu uns) království; Zeile 7: nase viny; Zeile 8: nasim viiníkum(beide Male Umstellung von älterem Schulden unsere bzw. Schuldigern unseren zu unsere Schulden bzw. unseren Schuldigern, dazu heute viníkum mit nur einem n).


Zur Aussprache (der Accent graphe = ^ bezeichnet den Akzent, der über dem nachfolgenden Buchstaben stehen müsste - weil er auf der zur Verfügung stehenden Tastatur nicht vorhanden ist, wird er hier verwendet wie das eigentlich umgedrehte, nach oben offene Zeichen).

Der Ton liegt ausnahmslos auf der ersten Silbe der Wörter. Man unterscheide streng kurze Vokale und durch den Akzent ´ bezeichnete lange Vokale und beachte dabei, daß  dieser Akzent reines Laautzeichen, kein Betoungszeichen ist. Das lange u wird durch einen Kreis ° darüber (hier daneben) gekennzeichnet. A, i, o, u bzw. deren Längen á,, í, u° entsprechen den deutschen kurzen oder langen Vokalen; e und é sind wiie kurzes bzw. langes ä,  e^ ist jä,   wobei das j mit dem vorangehenden Konsonanten zu einnem >>mouillierten<< Laut veschmilzt; ou ist einsilbig o+u; eu ist e+u [in neuvood´entstanden aus ne (nicht) und uvod´(führe)]; s ist stimmlos scharf, c ist in allen Stellungen wie deutsches (t)z, also: Kralicky´=  Kratlitzky´,  moc = motz; z ist stimmhaftes s wie in deutsch Rose; s^ist sch, ^c ist tsch, ^z ist wie französisch j in journal; j ist wie deutsch, muß voor s und j (jsi, jméno) mit leichtem Anschlag mitgesprochen werden; v ist wie deutsches w; ch (nebesích, chléb) ist ein sanftes dunkles (a)ch; h ist ein stimmhafter Hauch: zlého spreche man mit >>singendem<< Übergang vom é zum o; t und d werden an den Schneidezähnen artikuliert, ohne Aspiration; t´und d´werden mit weit zum Gaumen zurückgebogener Zunge gesprochen, so daß sie wie -kj- und -gj- klingen; das gleiche gilt für t (und d) vor i, z.B. in odpousîtíme (odpouschkjíme); r ist Zungen-r, ^r ist Zungen-r mit ^z vermischt; das tschechische l klingt wie  mit abgelähmmter Zunge artikulirt; Ot^ce spreche man deutlich trennend als ot-tschä; zur Betonung beachte man, daß die Präposition na (auf, in) den Ton so stark an sich zieht, daß sie mit dem folgenden Wort zu einem einzigen zusammenwächst: nazemi (auf Erden), nav^ky (in Ewigkeit), nanebesich (in den Himmeln) - immer auf na betont; v poku^sení spreche man fpokkuschänî mit Ton auf fpo-.


20. Zwei Südslawische Fassungen des Vaterunsers

Aus einer kirchenslawischen Liturgie:


Ot^ce na^s i^ze jesi na nebesjeh

da svjatitsja imja tvoje

da pridet carstvije tvoje

da budet volja tvoja

jako na nebesi i na zemlji.

Hleb na^s nasu^s^cnij da^zd nam dnes

i ostavi nam dolgi na^sja

jako^ze i mir ostavljajem dol^znikom na^sim

i ne vovedi nas vo isku^senije

no izbavi nas ot lukavago.

Jako tvoje jest carstvije i sila i slava vo veki vekoov

aminj


Ein serbokroatiscches Vaterunser:

Ot^ce na^s koji si na nebesih

da se svet ime tvoje

da dodje kraljevstvo tvoje

da bude volja tvoja

kao na nebu i na zemlji.

Kruh na^s potrebni daj nam danas

i oprosti nam dugove na^se

kao ^sto i mi opra^stamo du^znikom wojim

i ne navedi nas u napast

nego izbavi nas od zla.

Jer je tvoje kraljevstvo i sila i slava u vjek.

Amen


Zur Aussprache:

s ist scharf wie ß; z ist stimmhaftess wie in Rose; c ist immer wie deutsches z (also carstvije = zarstwije); ^s ist stimmhaftes sch;    ^z ist stimmhaftes sch oder wie j in französisch journal; ^c ist tsch; h ist dunkles (a)ch, doch  sanfter artikuliert als im Deutschen; v ist wie deutsches w; j wie deutsch, verschmilzt mit dem vorangehenden Konsonanten (lj, mj, nj, sj ^sj, vj) zu einem einzigen palatalisierten (mouillierten) Laut, ^s^c ist schtsch, möglichst als ein einziger Laut zu sprechen; dj klingt wie gi- in italienisch giorno, jedoch heller und dabei fast wie gj.


21. Zwei Italienische Fassungen des Vaterunsers


Nach einer Bibelübersetzung aus dem Jahr 1850; waldensisch:


Padre nostro, che sei ne' cieli

sia santificato il tuo nome

Il tuo regno venga

La tua volontà sia fatta in terra come in cielo.

Dacci oggi il nostro pane cotidiano

E rimettici i nostri debiti

come noi anche gli rimettiamo a' nostri debitori

E non indurci in tentazione

ma liberaci dal maligno.

Perciocchè tuo è il regno, e la potenza, e la gloria in sempiterno

Amen


Eine weitere istalienische Fassung, in reformierten Gemeinden der Schweiz:


Padre nostro che sei nei cieli

sia santificato il Tuo nome

venga il Tuo regno

sia fatta la Tuo volontà

come nel cielo così anche sulla terra.

Il nostro pane cottidiano dacci oggi

e prdonaci i nostri debiti

come anche noi perdoniamo ai nostri debitori

e non indurci in tentazione

ma liberaci dal maligno.

Perciocchè a Te appartengono il regno e la potenza e la gloria in eterno

Amen



22 Eine Spanische Fassung des Vaterunsers


Padre nuestro que estás en los cielos

santificado sea Tu nombre

venga Tu reino

hágase Tu voluntad

como en el cielo, así también en la tierra.

El pan nuestro de cada día, dánoso hoy

y perdónanos nuestras deudas

como también nosotros perdonamos a nuestros deudores

y no nos metas en tentación

mas líbranos del mal.

Porque Tuyo es el reino, y el poder, y la gloria, por toodos los siglos

Amén


Varianten: Zeile 3: véngano Tu reino (zu uns komme...); Zeile 9: y no nos induzcas (nicht einführe uns...); y no nos dejes caer en tentación (und nicht lasse uns falleen in Versuchung). Besondere Ausdrucksweise: Unser Brot für jeden Tag, gib es uns heute. Die Doxologie wird nur in außer-katholischen Kirchengemeinden gesprochen.


23 Eine Portugiesische Fassung des Vaterunsers


Pai nosso que estás nos céus

Santificcado seja o Teu nome

venha a nós o Teu reino

seja feita a Tua vontade

como nos céus assim na terra.

 O p~ao nosso de cada dia dá-nos hoje

e perdoa-nos as nossas dívidas

como nós perdoamos aos nossos devedores

e n~ao nos induzas em tentac~ao

mas livra-nos do mal.

Pois Teu é o reino e o poder e a glória para sempre

Amen


16 Französische Fassungen des Vaterunsers


Römisch-katholisch

Notre Père qui êtes aux cieux:

Que votre Nom soit sanctifié

Que votre Règne arrive

Que votre Volonté soit faite

Sur la terre comme au  ciel.

Donnez-nous aujourd'hui notre pain quotidien

Pardonnez-nous nos offenses

Comme nous pardonnons à ceux qui nous ont offensés

Et ne nous laissez pas succomber à la tentation

Mai délivrez-nous du Mal

Ainsi soit-il


Besonderheiten des Ausdrucks: Der französische Katholik redet Gott mit >>Sie<< an.


Aus Jean Calvin: Institution de la Religion Chrétienne, hugenottisch:


Nostre Père qui es `s ieux:

Que ton Nom soit sanctifié

Que ton Roaume  adviene

Que ta Volonté soit faicte en la terre comme au ciel.

Donne-nous aujourd'huy nostre pain  quotidien

Quitte-nous nos debtes comme nous remettons à nos debteurs

Ne nous permets point succomber aux tentations

Mais délivre-nous du malin.

Car le règne, la puissance et la gloire t'appartiennent ès siècles des siècles

Amen


Besonderheiten des Ausdrucks: Frühneuzeitliche Schreiungen finden sich für notre: nostre, advienne: adviene; faicte für faite, debtes für dettes, ebteurs für débiteurs; ès ist alte Form für en+les (= dans les). Erlaube uns nicht den Versuchungen zu unterliegen  (verfallen). Denn das Reich, die Macht und die Ehre (Herrlichkeit) gehören dir in die Zeitenläufe der Zeitenläufe.


Aus der Bibelübersetzung von J.F.Ostervald, Lausanne 1772, im Gebrauch der reformierten (hugenottischen) Gemeinden:


Notre Père es aux cieux

que ton nom soit snactifié

que ton règne vienne

que ta volonté soit  faite sur la terre comme aux ciel.

Donne-nous aujourd'hui notre pain quotidien

pardonne-nous no péches, comme nous pardonnes à ceux qui nous ont offensés

et ne nous abandonne pas à oa  tentation

mais délivre-nous du malin.

Car c'est à toi qu'appartiennent, dans tous les siècles, le règne, la  puissance et la gloire

Amen


Besonderheiiten des Ausdrucks: Vergib uns unsere Sünden, wie wir denen vergeben, die sich an uns verschuldet haben; und überlasse uns nicht (gib uns nicht dahin) der Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn DIR (betont) gehören in allen Zeitenläufen das Reich, die Macht und die Herrlichkeit.


Eine moderne Fassung:

Notre Père qui s dans les cieux

ton nom soit sactifié

ton règne vienne

ta volonté soit faite

comme dans le ciel, de même aussi sur terre.

Donne-nous aujourd'hui   notre pain quotidien

et remets-nous nos dettes

comme aussi nous les remettons à nos débiteurs

et ne nous induis pas  en tentation

mais délive-nous  du malin.

Car c'est à toi qu'appartiennent le règne et la puissance et la gloire dans tous les siècles

Amen


Diese Fassung schließt sich ganz an die griechische Urform an.



 

wird fortgesetzt




















 

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Eine Betrachtung zur Raumgestalt

des Vaterunser und zum Jahr 1517

=

Luther übersetzt: Unser Vater im Himmel

Gängig heißt es: ...der Du bist im Himmel

=

Zwei Wege gibt es in den Sakralraum:

Durch das Haupt- und das Seitenportal

=

An Festen war das Hauptportal geöffnet

Heute tritt man alltäglich seitlich herein
=
Der Raumknick führt in die Peripherie
Das Hauptportal führt in die Mitte
=

Luther geht durch das Hauptportal

"Der Du bist" macht den Knicks

=

Luther stellt den Menschen in die Mitte

Der Knick stellt den Menschen in die Ecke

=

Die Raumeslinien gehen von Portal zu Altar

Vom Altar aus zeigen sie zum Hauptportal

=

Für uns ist der Altar der Mittelpunkt

Für Christus ist es der Eintretende!

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