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Anhang XI

 

Klosterreichenbach

Klosterreichenbach Schwarzwald

Klosterreichenbach

Emil Bock hat in seinen Büchern über die 'Schwäbische Romanik' die Sockelplastiken der Münsterkirche in Klosterreichenbach im Murgtal nur kurz beschrieben. Für den Verfasser dieser Seiten, der als Junge oft in den Schwarzwald gekommen ist, war das Anlaß genug, sich mit ihnen zu beschäftigen, als sich ihm über eine grundsätzliche Religiosität hinaus ein anthroposophischer Horizont erschlossen hatte, der den Glauben mit Wissen neu verbinden kann. Die Plastiken geben Rätsel auf. Der folgende Text ist entstanden auf der Suche nach Erhellung dieser Rätsel. Sie betreffen die Entwicklungsgeschichte des Menschen.

 

   Diese romanische Kirche (von der noch ein Bild eingestellt werden wird) ist äußerlich schlicht, mit einem Bogenfries entlang des Dachfirstes versehen, der für die Alten die fließende Grenze zwischen der irdischen und der himmlischen Welt darstellte. Sie ist gebaut mit dem roten Sandstein in dem warmen Farbton, der im Nordschwarzwald selber zu finden ist. Sie steht im Tal der Murg, die nördlich von Freudenstadt sich allmählich aus verschiedenen Zuflüssen speist und bei Rastatt in den Rhein mündet. Das Murgtal, das in den saturnischen (Fichte=Saturn) Tälern des Schwarzwaldes mal eng, mal weiter verläuft, weitet sich in Klosterreichenbach, so daß hier nicht nur steile Fichtenhänge den Bach begrenzen, sondern sich eine Landschaft auftut, die mit Wiesen in diesem Waldtal aufwarten kann. So führt auch von Klosterreichenbach aus ein Weg durch die Wiesen zu einer Waldkapelle, die ein zauberhaftes Tympanon des Auferstandenen und dem Lamm zeigt. Im folgenden Verlauf der Murg wird es wieder eng. Klosterreichenbach mutet wie ein abgeschiedener, für die mittelalterliche Mystik geschaffener Ort an.

 

   Am Fuß zweier Säulen im Ostchor sind Plastiken vorhanden. Der Grundriß der Säulensockel  hat zwei Rechtecke gekreuzt auf ein Viereck gelegt, wodurch 3 x 4 Ecken entstehen, also insgesamt 12.  Nur die Ecken der Rechtecke sind mit Plastiken belegt, so daß also acht Plastiken an jeder der beiden Säulen zu finden sind. Die Plastiken sind sehr unscheinbar, die Säulen befinden sich hinter dem Altar und man würde sie glatt übersehen, wenn man nicht schon vorher von ihnen wüßte.

   Eine Säule steht in den alten Tempeln für tragende Kräfte, die unten mit oben verbinden. Der Mensch ist für die Zukunft zu einer solchen Funktion bestimmt (s.a. Südliches grünes Glasfenster im 'Goetheanum' Dornach). Zu Füssen dieser schöpferischen Kräfte entsteht im Echo dieser klingenden Mächte die Welt und der Mensch. Bei der Fußwaschung dreht der Christus gleichsam die Entwicklungsrichtung um, in dem er sich zu den Füssen des kreatürlichen Menschen neigt.

 

   Es ist meines Erachtens eine komplette Schöpfungsgeschichte  zeichenhaft dargestellt. Das biblische 7-Tage-Werk wird man jedoch schwerlich darin finden können. Aber aus der Anthroposophie heraus können ohne überzuinterpretieren die Werdestufen des Menschen erkannt werden, die allmählich in der Entwicklung durchlaufen und hinterlassen worden sind. Zumindest die erste bis dritte Stufe stellt eindeutig die Formgesetze der planetarischen Entwicklung dar, wie sie Rudolf Steiner in seiner 'Geheimwissenschaft im Umriß' geschildert hat. Auch hier handelt es sich um 'offenbare Geheimnisse', verschlossen sind sie nur dem oberflächlichen Blick. Es sind die Stufen der Saturn-, der Sonnen- und der Mondenentwicklung bis hin zu unserer Zeit zu finden.

 

   Die Plastiken werden in Zeichnungen gezeigt, die der Autor selbst gemacht hat. Da er kein Zeichner ist, sind sie nicht in allen Linien gelungen. Sobald es geht, werden aber noch selbstgemachte Fotos hinzugefügt.

   Bei den ersten drei Plastiken ist eindeutig eine Fließrichtung zu erkennen, bei den ersten beiden von oben nach unten, bei den nächsten zwei von den Seiten zur Mitte, dann zwei von unten nach oben. Die Richtung hat sich da also ganz umgedreht. Die letzten beiden Plastiken sind Menschenköpfe, wo man schwerlich nur von eine Fließrichtung sprechen kann.

Klosterreichenbach

 

   Die erste Plastik hat mineralischen Charakter.

Die zweite Plastik zeigt wie ein Blatt Adern und hat Pflanzencharakter

Bei der dritten Plastik findet eine Einstülpung statt - es entsteht ein Inneres


   Bei den vorhandenen acht Ecken könnte man schematisch die 'Sieben plus Eins' erwarten, dabei die achte Stufe als Überhöhung der ersten - wie bei der Oktave im Tonsystem. Wäre es so, dann könnte theoretisch jetzt die ganze Erdentwicklung dargestellt sein.

   Hier erscheinen aber ab der vierten bis achten Plastik Formen, die nach meinem Dafürhalten alle innerhalb der auf die Mondstufe folgenden vierten planetarischen Stufe, der eigentlichen Erdentwicklung, zu denken sind:

1.) In der polarischen Zeit (Plastik 1 bzw. 4) findet nach der Einstülpung das Loslösen des Keimes statt, der sich bis dahin gebildet hat.

2.) In der hyperboräischen Zeit (2 bzw. 5) geht die Gestaltung in der Lebenssphäre (Blattformen) vor sich auf der Grundlage der in der Mondenzeit errungenen astralischen Innerlichkeit.

3.) In der lemurischen Zeit (3 bzw. 6) geht die tierhafte seelische Entwicklung weiter, bzw. eine Einstülpung, durch die Hohl- bzw. Innenräume entstehen. Der Fortschritt von der pflanzlichen zur tierischen Stufe ist, daß das Tier bzw. die Tierseele aufgrund äußerer Eindrücke 'innere Erlebnisse' hat (s.Steiner 'Theosophie' Das Wesen des Menschen).

4.) In die atlantische Zeit (4 bzw. 7) fällt die abschließende Gestaltung der Menschenform. Sie erscheint noch wie völlig eingegliedert in die von außen gegebenen Formen und wirkt daher noch nicht frei. Ich möchte den 'Magier' nennen, was hier gezeigt wird, denn die Weltverbundenheit dieses Menschen brachte ja auch die Naturmagie mit sich, das Wirken nach außen, gerade weil die äußeren Kräfte noch auf die innere Gestaltung wirkten. Innere Kräfte des Menschen konnten da auf die Natur wirken, aber auch auf die eigene Leiblichkeit, die je nach Veranlagung zwergen- oder riesenhaft ausgefallen ist (Der 'Asterix' und 'Obelix' der Sage ist also in einer viel früheren als der keltischen Zeit eine Realität gewesen - für ihre magischen Kräfte brauchten sie keinen Zaubertrunk. Man muß bei ihnen aber nicht nur an äußere, physische Kräfte denken. Auch das Wort hatte durch das einheitlich seelisch-natürliche Leben 'Zauberkraft', daher die in vorgeschichtlich orientierten Völkern so gebräuchlichen Zauberformeln, Runensprüche mit ihrem Spruchzauber; aber auch Gebete, Beschwörungsformeln und das ganze Abrakadabra und Simsalabim dekadenter mystischer Strömungen).


Bei den Plastiken ist der Zeichencharakter der Darstellung zu bedenken. Letztlich ist ja auch die Form des Menschenkopfes und das Antlitz selber nur ein Zeichen für die dahinterstehenden Kräfte (R.Steiner 'Anthroposophische Leitsätze' Nr.32,35,36,38 'Über die Bildnatur des Menschen' 18.5.1924).

5.) Die letzte Plastik (5 bzw. 8) repräsentiert dann die Gestaltung in unserer heutigen irdischen Zeit, die Bewußtwerdung und Emanzipation des Individuums. Das Antlitz strahlt Verinnerlichung aus. Die Form des Menschen ist abgeschlossen. er ist bei sich.

   Alle Formen basieren auf der symmetrischen Gestaltung, die zusätzlich zur Fließrichtung viel zu denken aufgeben kann, wie ja auch die ganze Menschengestalt und die meisten Tiergestaltung auf der Symmetrie von links und rechts beruhen.

    Die zukünftigen Entwicklungsformen sind meines Erschtens nicht dargestellt. Ernste und schöne Menschenantlitze, die eher nach innen als nach außen schauen, sind der Abschluß bei beiden Säulen. Hier ist nur die Südsäule behandelt. Die Zukunft in ihren Formgesetzen ist insofern vorhanden, als die künftigen planetarischen Entwicklungen zeit-spiegelbildlich die Kräfte und Formen der ersten 3 Entwicklungen aufgreifen werden, - nach vorangegangenem Entwicklungseinschlag  der Individualität durch die Inkarnation des 'Jesus-Christus', des 'ICH' in der Mitte der Entwicklung auf der vierten planetarischen Stufe.

   Diese Plastiken sind einmalig, auch in der Vielfalt der romanischen Kunst. Emil Bock hat sie in seiner 'Schwäbischen Romanik' zwar photographisch wiedergegeben, aber nicht weiter kommentiert. Wer sie entworfen und gestaltet hat, war nicht herauszubekommen. Es dürfte ein in die Werdestufen des Menschen und der Erde Eingeweihter gewesen sein, der sich von den herrschenden römischen Lehrmeinungen unabhängig und unbeachtet gehalten hat. Ich vermute, daß er in der iroschottischen Strömung zu suchen wäre.

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Es ist eine komplette Schöpfungsgeschichte zeichenhaft dargestellt. Das biblische 7-Tage-Werk wird man jedoch schwerlich darin finden können. Aber aus der Anthroposophie heraus können ohne überzuinterpretieren die Werdestufen des Menschen erkannt werden, die allmählich in der Entwicklung durchlaufen und hinterlassen worden sind. Zumindest die erste bis dritte Stufe stellt eindeutig die Formgesetze der planetarischen Entwicklung dar, wie sie Rudolf Steiner in seiner 'Geheimwissenschaft im Umriß' geschildert hat. Auch hier handelt es sich um 'offenbare Geheimnisse', verschlossen sind sie nur dem oberflächlichen Blick. Es sind die Stufen der Saturn-, der Sonnen- und der Mondenentwicklung bis hin zu unserer Zeit zu finden.