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Anhang IV

Der folgende Vortrag von Rudolf Steiner behandelt kosmologische Bezüge der Siebenheit. Sie bilden eine Grundlage zum Verständnis des 'Historiogenetischen Grundgesetzes', das vorstehend ausgeführt wurde (Anhang 0):

"Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen"

Zweiter Vortrag aus einem Zyklus, gehalten in Dornach am 27.1.1908 (GA102)   


   Wir werden heute einen etwas weitergehenden Ausflug in den Weltenraum machen, wobei sich uns der innere Gang der Weltentwickelung im großen zeigen soll, und zu gleicher Zeit der intime Zusammenhang dieser Weltentwickelung im großen mit dem, was Menschenentwickelung auf der Erde ist. In der Welt ist ja nichts ohne Zusammenhang. Diese komplizierten Zusammenhänge im Weltenall zu verfolgen, dazu gehört natürlich für den Menschen sehr, sehr viel Zeit, und nur nach und nach kommt man sozusagen in die Intimitäten des Weltenwirkens hinein.

      Sie haben aus vorhergehenden Vorträgen gesehen, wie gewisse Wesenheiten, die andere Weltenkörper bewohnen, eine Beziehung haben zu unserem eigenen Leben, wie sie einen Einfluß haben auf das, was wir unsere Lymphflüssigkeit nennen, was wir unsere Ernährungsflüssigkeit nennen, ja auch oft auf das, was als die Sinneswahrnehmung durch unsere Sinne in uns ein- und auszieht. Daraus schon konnten Sie entnehmen, wie der Geist durch den Weltenraum weit, weithin wirkt.

    Heute wollen wir die Sache noch von einer anderen Seite aus betrachten, und dazu wollen wir uns zunächst daran erinnern, was wir öfter schon hervorgehoben haben: daß unsere Erde ähnlich wie der Mensch selbst verschiedene Verkörperungen durchgemacht hat und verschiedene Verkörperungen durchmachen wird.  Wir sehen im allgemeinen zurück auf drei Verkörperungen unserer Erde: auf die Verkörperung unmittelbar vor dem jetzigen Zustand, die wir den alten - nicht unseren - <Mond> nennen; sodann auf eine weiter Verkörperung, die wir als <Sonne> bezeichnen, und auf eine noch weiter zurückliegende, die wir als <Saturn> bezeichnen. Und wir sehen prophetisch voraus, daß unsere Erde sich in einen <Jupiter>, in eine <Venus> und in einen <Vulkan> verwandeln wird.

  Damit haben wir die aufeinanderfolgenden Verkörperungen unseres irdischen Planetenlebens hingestellt. Wenn Sie ein wenig nachdenken über diese Stufenfolge der Entwickelung unserer eigenen Erde, so können Sie ja daraus entnehmen, was wir in der okkulten Wissenschaft eine <Sonne> nennen, um welche, wenn sie uns so entgegentritt wie unsere heutige Sonne, eine Reihe von Planeten herumkreisen. Wenn wir daneben auch von einem Planetendasein <Sonne> sprechen und sagen, unsere Erde selbst war in einem früheren Entwickelungszustand <Sonne>, so sagen wir ja in einer gewissen Beziehung, daß diese Sonne, die heute den Mittelpunkt unseres Planetensystems bildet, nicht immer Sonne war. Sie ist sozusagen zum Sonnenrang, zur Sonnenwürde im Weltenall avanciert. Sie war einstmals mit dem, was früher in unserer Erde an Stoffen und Kräften war, vereint, nahm sich gewissermaßen das Beste daraus weg, das, was heute schon die höchste Entwickelungsmöglichkeit enthält, trennte sich von der Erde und ließ uns und eine Anzahl von Kräften zurück, die angewiesen sind auf eine langsamere Entwickelung. Höhere Wesenheiten hat sie mit sich genommen und sich mit diesen höheren Wesenheiten in den Mittelpunkt unseres Systems gestellt. Was also heute in der Sonne ist, hatte zwei Stufen vorher nur ein Planetendasein und ist vom Planetendasein zum Fixsterndasein aufgerückt. Daraus sehen Sie, wie alles veränderlich ist, in Entwickelung ist im Weltenall. Eine Sonne ist nicht von vornherein eine Sonne. Ein Fixstern ist nicht einfach ein Fixstern geworden, sondern er hatte erst die niedere Schule des Planetendaseins durchzumachen.

   Nun können Sie mich natürlich fragen: Wie ist es nun weiter, wenn ein solcher Fixstern sich weiterentwickelt, was geschieht denn dann? So wahr der Fixstern, das Sonnendasein, aus einem Planetendasein sich heraufgeschwungen hat, so wahr geht seine Entwickelung im Kosmos auch weiter. Wir werden allerdings diese Weiterentwickelung noch besser verstehen, wenn wir noch ein klein wenig auf die Weiterentwickelung unserer Erde blicken.

  Wahr ist es, unsere Erde hat sich für eine Wegstrecke ihrer kosmischen Entwickelung von der Sonne getrennt. Die Sonne geht sozusagen mit ihren Wesen einen rasenden Entwickelungsweg vorwärts. Unsere Erde geht mit ihren Wesenheiten heute einen anderen Gang. Aber diese Wesenheiten und die ganze Erde werden einmal so weit kommen, nachdem ihnen nunmehr in einem abgesonderten Dasein die Gelegenheit geboten wurde, ihre jetzige Entwickelung zu vollenden, den Anschluß zu finden an die Sonnenwesen; denn unsere Erde wird sich wieder mit der Sonne vereinigen. Sie wird ja schon in unserem heutigen Erdenstadium mit der Sonne wieder zusammengehen, so wie sie sich während der Erdenentwickelung von der Sonne getrennt hat. Dann aber muß sie noch einmal herausgehen während des Jupiterzustands. Diesen Jupiterzustand müssen die Erdenwesen wieder getrennt von der Sonne durchmachen. Dann folgt wieder eine Vereinigung, und während des Venuszustandes wird unsere Sonne selbst Sonne geworden sein und ein Stück hinzugebracht haben zu der Sonnenentwickelung, ein Stück Dasein, welches die Wesen, die immer in der Sonne geblieben sind, wenn sie auch höher sind, gar nicht hätten selber erreichen können. Das Erdendasein mußte eintreten, damit die Menschen sich so entwickeln, wie sie sich entwickelt haben mit jenem alltäglichen Bewußtsein, das zwischen Wachen und Schlafen abwechselt. Denn das hängt mit der Trennung von der Sonne zusammen. Wesen, die immer in der Sonne leben, haben nicht Tag und Nacht. Dieses Sinnenbewußtsein, das wir das helle Tagesbewußtsein nennen, das sich künftig in höhere Zustände entwickeln wird, das bringt die Erfahrungen des physischen Außenraumes mit in die Sonnenentwickelung. Dadurch geben wir den Wesen der Sonne auch etwas, machen sie reicher. Und aus diesem, was auf der Erde errungen wird, vermehrt um das, was auf der Sonne erobert wird, entsteht das Vulkandasein. Dieser Vulkanzustand ist schon ein höherer Zustand als unser heutiger Sonnenzustand. So entwickelt sich die Erde, so entwickelt sich die Sonne weiter, bis sie sich vereinigen können in der Vulkanentwickelung.

Nun können Sie mich weiter fragen: Was wird nun, wenn so ein Planet sich zur Sonne entwickelt hat, mit dieser Sonne weiter in der kosmischen Entwickelung? Wird dürfen sagen, unsere Erde selbst ist, wenn sie ihren Venuszustand errungen hat, Sonne geworden, und auf der Venus sind alle Wesen Sonnenwesen; ja sie sind sogar mehr, als die Wesen der heutigen Sonne sind. Was wird denn dann aus einer solchen ganzen planetarischen Entwickelung?

   Sie sehen: das, was wir jetzt besprechen wollen, wird ja für alle die, deren Begriffe fest geworden sind in dem, was man moderne Astronomie nennt, recht grotesk erscheinen und verdreht klingen. Aber es ist wahr, es ist die Wirklichkeit der kosmischen Entwickelung: Wenn ein solcher Planet, wie es unsere Erde ist, aufgestiegen ist zum Sonnendasein, wenn er allmählich mit seiner Sonne sich vereinigt hat und das Ganze noch über das Sonnendasein hinaussteigt, dann entsteht aus dem heraus als noch höhere Stufe Der Entwickelung etwa, was Sie auch in gewisser Beziehung am Himmel wahrnehmen können: Dann entsteht da, was wir heute einen "Tierkreis" nennen; das ist die höhere Stufe gegenüber der Fixsternentwickelung. Wenn also die Wesen nicht mehr auf einen bloßen Fixstern beschränkt bleiben, sondern ihre eigene Entwickelung so mächtig ausdehnen, daß sie über Fixsterne sich hinerstreckt, daß die Fixsterne wie in ihnen eingebettete Leiber liegen, dann ist diese höhere Stufe der Entwickelung die Tierkreisentwickelung. Tatsächlich ist es so, daß diejenigen Kräfte, die aus einem Tierkreis auf ein Planetensytem wirken, selbst früher in einem Planetensystem sich entwickelt haben und zu einem Tierkreisstadium hinaufgeschritten sind.

   Und jetzt erinnern Sie sich zurück an die alte Saturnentwickelung, an die erste Verkörperung unserer Erde. Dieser Saturn ist sozusagen einstmals aufgeleuchtet im Weltenraum als die erste sich ankündigende Morgendämmerung unseres Planetendaseins. Sie wissen ja auch, daß auf diesem alten Saturn die erste Anlage sich entwickelt hat zu unserem physischen Leib. Dieser Saturn war selbst in seinem festesten Zustand keineswegs so fest, so physisch fest, wie unsere Erde es jetzt ist. Er hatte ein feines, dünnes Dasein. Das, was heute alle Wesen durchzieht als Wärme, was man im Okkultismus "Feuer" nennt, war seine Materie. Und wir können uns die Tatsache so vorstellen, daß um diesen Saturn, diesen ersten Morgendämmerungszustand unseres planetarischen Daseins, herumstanden die Tierkreisbilder, freilich noch nicht so wie heute. Diese Tierkreisbilder waren dazumal um den alten Saturn so herum, daß man die einzelnen Sterne kaum hat voneinander unterscheiden können. Sie glänzten nur wenig hell, etwa wie aus dem Saturn heraus streifenförmig sich ausbreitende Lichtstreifen. Sie bekommen am leichtesten eine Vorstellung davon, wenn Sie sich diesen alten Saturn, ebenso wie unsere Erde von einem Tierkreis umgeben ist, umgeben denken von Lichtstreifen. Und im Laufe der Erdenentwickelung selber verdichteten sie die Lichtmassen zu den heutigen Sternenmassen des Tierkreises, so daß sich der Tierkreis, wenn wir ein abstrahierendes Wort gebrauchen wollen, herausdifferenzt hat aus den ursprünglichen Flammenenstreifenmasen. Und woher ist diese Flammenstreifenmasse selbst entstanden?

   Sie ist entstanden aus dem alten planetarischen System, das unserem eigenen planetarischen System vorangegangen ist. Dem Saturn sind ja auch planetarische Entwickelungen vorangegangen in einer Zeit, die wir, wenn wir wirklich astronomisch-okkultistisch sprechen, gar nicht mehr als "Zeit" in unserem Sinne bezeichnen können, denn sie hatte einen etwas anderen Charakter als unsere "Zeit". Wir können sagen, sie ist für das heutige menschliche Vorstellen und für die heutigen menschlichen Begriffe ein so fabelhafter Begriff, daß wir gar kein Wort haben, das auszudrücken. Aber wir können in einer Analogie sagen, daß diejenigen Kräfte, die unserem Planetensystem in einem früheren planetarischen Dasein vorangegangen sind, sich in den Streifen aufgelöst haben, und nur aus einem geringen Teil der Materie ist im Inneren allmählich zusammengeballt worden dieser erste Morgendämmerungszustand der Erde, der alte Saturn, und aus dem Weltenall herunter leuchteten die Kräfte, die im Tierkreis waren.

   Es ist etwas Eigentümliches, wenn wir das planetarische Dasein vergleichen mit dem Tierkreisdasein. Der Okkultist bezeichnet durch zwei Worte den Unterschied des Planetendaseins vom Tierkreisdasein. Er sagt: Alles, was im Tierkreis vereinigt ist, steht im Zeichen der "Dauer"; das, was im Planetendasein vereinigt ist, steht im Zeichen der "Zeit". Sie können sich eine Vorstellung davon machen, was das heißt, wenn Sie sich daran erinnern, daß für weit, weit ausgreifende Begriffe der Tierkreis unverändert bleibt. Jeder der einzelnen Planeten kann lange und sehr voneinander verschiedene Entwickelungsepochen durchmachen, sich sehr verändern; aber das, was da oben im Tierkreis wirkt, bleibt dabei verhältnismäßig dauerhaft, fest. Allerdings sind diese Begriffe nur relativ aufzufassen. Wenn wir dann unsere Begriffe noch weiter erstrecken, so besteht bei diesen Veränderungen nur ein Unterschied in bezug auf die Geschwindigkeit. Die Veränderungen im Tierkreis geschehen langsam; die Veränderungen in der planetarischen Welt und selbst im Fixsterndasein geschehen im Verhältnis zum Geschehen im Tierkreis sehr rasch; also doch nur ein relativer Unterschied. Für alle menschlichen Begriffe, so können wir fast sagen, ist das planetarische Dasein die Sphäre der Endlichkeit, da Tierkreisdasein die Sphäre der Unendlichkeit. Dies ist, wie gesagt, relativ, aber für den menschlichen Begriff vorderhand ausreichend.

   So dürfen wir eines sagen, und ich bitte Sie, das recht sehr zu berücksichtigen: Dasjenige, was in einem planetarischen Dasein gewirkt hat, was Sonne geworden ist, steigt hinauf bis in himmlisches Dasein, bis zum Tierkreisdasein. Und wenn es bei diesem Tierkreisdasein angekommen ist, was tut es dann? Dann opfert es sich! - und ich bitte, eben dieses Wort zu berücksichtigen. Auf geheimnisvolle Weise entstand schon der erste Morgendämmerungszustand der Erde, der alte Saturn, durch ein Opfer des Tierkreises. Die Kräfte, die die erste feine Saturnmasse zusammenballten, waren die Kräfte, die aus dem Tierkreis herniederströmten und die erste Keimanlage des physischen Menschen auf dem Saturn bewirkten. Und immer weiter ging das; denn Sie dürfen sich nicht vorstellen, daß das nur einmal geschieht! Es geschieht im Grunde genommen fortwährend, daß innerhalb dessen, was wir ein Planetensystem nennen, die Kräfte geopfert werden, die sich bis zur höhren Stufe entwickelt haben, nachdem sie selbst durch ein Planetensystem durchgegangen waren. Wir können fast so sagen: Was erst in einem planetarischen System ist, entwickelt sich zum Sonnendasein, dann zum Tierkreisdasein und erlangt dann die Fähigkeit, selbst schöpferisch zu werden, sich hinzuopfern in einem planetarischen Dasein. Und fortwährend "regnen" die Kräfte aus dem Tierkreis in das planetarische Dasein hinunter, und fortwährend steigen sie wieder auf; denn das, was selbst einstmals Tierkreis werden soll von uns, muß ja nach und nach wiederum hinaufsteigen. Wir dürfen daher sagen, daß in unserer Erde die Kräfteverteilung so ist, daß auf der einen Seite herabsteigende Kräfte, auf der anderen hinaufsteigende Kräfte vom und zum Tierkreis sind. Dies ist das geheimnisvolle Zusammenwirken des Tierkreises mit unserer Erde. Kräfte steigen herab, Kräfte steigen hinauf. Das sind die Stufen der geheimnisvollen "Himmelsleiter", auf welcher Kräfte herunter- und hinaufsteigen. Sie werden in den religiösen Schriften verschiedentlich angedeutet; Sie finden sie auch angedeutet in Goethes "Faust":

 

Wie Himmelskräfte auf und nieder steigen und sich die goldnen Eimer reichen...

 

   Für unser Ermessen, für unsere menschliche Auffassungsgabe begannen diese Kräfte herunterzusteigen mit dem Saturndasein der Erde, und als die Erde in ihrem Mittelpunkt war, da war auch schon wiederum der Schritt getan, daß nach und nach die Kräfte wiederum aufsteigen. Und jetzt sind wir so weit, daß wir die Mitte unserer Entwickelung sozusagen überschritten haben. In der Mitte unserer Entwickelung waren wir ja gerade in der Mitte der atlantischen Zeit; und was die Menschen durchgemacht haben seit der atlantischen Zeit, das ist eigentlich etwas, was eine Strecke über die Mitte unserer Entwickelung hinausgeht. So daß wir sagen dürfen, daß in einer gewissen Weise heute schon mehr Kräfte aufsteigen als herabsteigen aus dem Tierkreis.

   Wenn Sie sich also den ganzen Tierkreis denken, so haben Sie sich vorzustellen, daß aus diesem Tierkreis ein Teil von Kräften absteigt, ein Teil von Kräften aufsteigt. Diejenigen Kräfte, die heute in aufsteigender Entwickelung begriffen sind, fassen wir zusammen, weil sie diesen Sternbildern auch angehören, unter den Sternbildern Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage. Das sind die sieben Sternbilder, die den aufsteigenden Kräften entsprechen. Fünf Sternbilder etwa entsprechen den absteigenden Kräften: Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische. Da sehen Sie also, wie aus dem Tierkreis Kräfte niederregnen und aufsteigen - wie die aufsteigenden sieben Sternbildern entsprechen, die absteigenden fünf Sternbildern. Diejenigen Kräfte, die aufsteigen, entsprechen auch im Menschen den höheren Gliedern seiner Wesenheit, den höheren, edleren Eigenschaften. Diejenigen Kräfte, die in absteigender Entwickelung sind, müssen erst durch den Menschen durchgehen, müssen erst im Menschen jene Stufe sich erringen, durch die auch sie aufsteigende Kräfte werden können.

   Auf diese Art werden Sie begreifen, wie alles im Weltenraum aufeinander wirken kann, wie alles im Weltenraum einen Zusammenhang und ein gewisses Verhältnis haben muß. Aber wir müssen durchaus festhalten, daß dieses Wirken immer geschieht, immer da ist. So daß, wenn wir nur in irgendeinem Moment unserer Entwickelung stehen, wir uns immer sagen können: Ja, es sind jetzt gewisse Kräfte da, die im Menschen aus- und einziehen, Kräfte, die heruntersteigen, und Kräfte, die aufsteigen. Für eine jede von solchen Kräften ist einmal der Moment da, wo sie aus niedersteigenden in aufsteigende Kräfte sich verwandeln. Alle Kräfte, die aufsteigende Kräfte werden, sind zuerst niedersteigend. Sie steigen sozusagen bis zum Menschen herunter. Im Menschen erringen sie sich die Kraft des Aufsteigens.

   Als unsere Erde im Mittelpunkt ihrer Entwickelung war, nachdem sie drei planetarische Daseinsstufen: Saturn, Sonne, Mond durchgemacht hatte und als sie angekommen war im vierten planetarischen Zustand und jetzt noch den Jupiter-, Venus- und Vulkanzustand vor sich hat - als "Erde" ist sie also in der Mitte ihres Daseins -, da hatte sie durchzumachen drei "Lebenszustände", die man auch "Runden" nennt. Drei hat sie durchgemacht, in dem vierten Lebenszustand ist sie jetzt. Dann hatte sie durchzumachen drei "Formzustände", das arupische, das rupische, das astralische, bis sie zum physischen Dasein gelangte. Also auch in bezug auf die Formzustände ist sie in der Mitte ihrer Entwickelung. Als physische Erde, im vierten Formzustand des vierten Lebenszustandes des vierten planetarischen Daseins, hat sie durchzumachen gehabt drei Rassen: die erste die polarische, die zweite die hyperboräische, die dritte die lemurische Rasse (Rasse hier nicht wertend, sondern als Formzustände menschlicher Entwicklung begriffen - KK). Die atlantische Rasse ist die vierte. In der atlantischen Rasse war die Menschheit gerade in der Mitte jener Entwickelungen, von denen wir überhaupt sprechen. Seit der Mitte der atlantischen Entwickelung ist die Menschheit über diese Mitte hinausgeschritten, und seit der Mitte der atlantischen Rasse ist die Zeit gekommen, in der überhaupt erst für den Menschen diejenigen Zustände begonnen haben, wo ein Übermaß des Aufsteigens da ist. Würden wir das Verhältnis von absteigenden und aufsteigenden Kräften zum Tierkreis vor der Mitte der atlantischen Zeit messen, würden wir sagen müssen: es ist ein Gleichmaß vorhanden.

   Wir müßten dann anders sprechen und als die aufsteigenden Kräfte aufzählen: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau. Wir müßten die Waage zu der anderen Partie zählen, zu denen, die im Heruntersteigen sind.

   Nun ist aber mit alledem etwas anderes verknüpft. Sie müssen sich klar sein darüber, daß wenn wir von solchen kosmischen Vorgängen sprechen, wir nicht von physischen oder ätherischen Leibern sprechen, sondern von Wesenheiten, die die betreffenden Himmelskörper bewohnen, die wir benennen. Wenn wir geisteswissenschaftlich vom Menschen sprechen, so sagen wir, der vollständige Mensch, den wir ins Auge fassen können, ist eine siebengliedrige Wesenheit, die aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch besteht. Er ist heute noch nicht vollständig, er wird es aber sein, wenn seine siebengliedrige Wesenheit zur völligen Ausbildung gekommen ist. Aber es gibt im großen Weltall nicht nur solche Wesenheiten, wie der Mensch es ist in seiner Entwickelung. Es gibt andere Wesenheiten, zum Beispiel solche, bei denen wir nicht sagen können, daß sie wie der heutige Mensch als unterste Glied einen physischen Leib haben. Es gibt Wesenheiten, bei denen wir anders zählen müssen. Wir können die Glieder menschlichen Wesenheit so aufschreiben:

 

7. Geistesmensch

6. Lebensgeist

5. Geistselbst

4. Ich

3. Astralleib

2. Ätherleib

1. Physischer Leib

 

Nun gibt es Wesenheiten, deren unterstes Glied der Ätherleib ist; das sind auch siebengliedrige Wesenheiten, die dann über dem Geistesmenschen noch ein achtes Glied haben. Bei ihnen fängt es mit dem Ätherleib, Astralleib und so weiter an, und sie hören auf bei einem Glied, das über unserem Atma, über dem Geistesmenschen liegt. Andere Wesenheiten gibt es, deren unterstes Glied der astralische Leib ist; dafür haben sie dann über dem Geistesmenschen noch ein achtes und ein neuntes Glied. Es gibt Wesenheiten, deren unterstes Glied das Ich ist, die also in unserem Sinne einen physischen Leib, Ätherleib und Astralleib nicht haben, sondern die sich so offenbaren, daß das Ich nach außen drängt, ohne die drei Hüllen, Wesenheiten also, die nach außen überall Iche hinschicken. Die haben dafür noch ein achtes, neuntes und zehntes Glied; die sind in der Apokalypse beschrieben als "Wesenheiten ganz voller Augen". Dann gibt es Wesenheiten, die mit dem Geistselbst, mit Manas, als unterstem Glied anfangen. Die haben noch ein elftes Glied. Und endlich gibt es Wesenheiten, die mit dem Lebensgeist anfangen, die haben dann noch ein zwölftes Glied. Es gibt also Wesenheiten, die, so wie der Mensch als unterstes Glied einen physischen Leib hat, als unterstes Glied die Buddhi haben, und die dafür ein höchstes Glied haben, das wir am besten mit der Zahl Zwölf bezeichnen. Das sind hohe, erhabene Wesenheiten, die weit hinaufragen über alles, was der Mensch sich nur vorstellen kann. Wie kann eine Vorstellung überhaupt geliefert werden von diesen wunderbaren, hoch erhabenen Wesenheiten?

   Wenn wir den Menschen nach einer gewissen Seite hin charakterisieren wollen, dann stellt er sich uns dar, dem Weltall gegenüber, als ein Empfangender. Draußen um Sie herum sind die Dinge, die Wesenheiten ausgebreitet; Sie nehmen sie wahr, Sie bilden sich Begriffe von ihnen. Denken Sie, die Welt wäre leer oder finster um Sie herum: Sie könnten sich keine Wahrnehmung verschaffen, keine Dinge würden Ihnen Begriffe geben. Sie sind angewiesen darauf, den Inhalt Ihres Inneren zu empfangen von Äußerem. Das ist ein Charakteristikum des Menschen, daß er ein empfangendes Wesen ist, daß er seinen Seeleninhalt, sein Inneres zunächst empfängt von außen, daß die Dinge da sein müssen, wenn er zu einem Inhalt kommen will. Des Menschen Ätherleib ist so gestaltet, daß er nichts in sich erleben könnte, wenn er nicht dieses Erleben, alles, was in ihm auftritt, der ganzen Weltenumgebung verdankte. Diese Wesenheiten, die ich Ihnen eben charakterisiert habe, die zu ihrem untersten Glied den Lebensgeist haben, sind in ganz anderer Lage. Diese Wesenheiten sind in bezug auf ihr Leben nicht darauf angewiesen, von außen zu empfangen, sondern sie sind Kraftzentren, nach außen gebend, schöpferisch. Sie wissen ja aus der Darstellung, die ich Ihnen immer gegeben habe, wie das Ich auch in den Ätherleib hineinarbeitet, wie die Buddhi nichts anderes ist als ein umgestalteter Ätherleib, so daß der Lebensgeist substantiell auch ein Ätherleib ist. Ja, das zwölfte Glied ist bei diesen hoch erhabenen Wesenheiten auch ein Ätherleib, aber ein Ätherleib, der Leben ausströmt, der so wirkt in der Welt, daß er das Leben nicht empfängt, sondern hingibt, es fortdauernd zu opfern in der Lage ist.

   Nun fragen wir uns: Können wir uns denn eine Vorstellung machen von einem Wesen, das irgendwie mit uns in Beziehung steht, und das in einer solchen Weise in unserem Weltall Leben ausströmt? Dieses ausströmende Leben ist ein solches, das fortdauernd belebend in die Welt fließt. Können wir un davon eine Vorstellung machen?

   Kommen wir einmal einen Augenblick zurück auf das, was wir im Anfange unseres heutigen Vortrages sagten. Wir haben gesagt, daß aufsteigende und absteigende Kräfte vorhanden sind, zum Tierkreis aufsteigende, vom Tierkreis absteigende Kräfte. Wodurch ist der Mensch überhaupt in die Lage gekommen, daß von ihm irgend etwas aufströmen kann? Was ist denn mit dem Menschen geschehen, daß von ihm selbst etwas aufströmen kann aus seinem Wesen heraus? Er ist dadurch in diese Lage gekommen, daß erst lange vorbereitet worden ist und dann immer weiter und weitergeschritten ist - sein Ich. Dieses Ich ist lange, lange vorbereitet worden. Denn im Grund genommen ist alles Dasein auf dem Sonnenzustand der Erde, auf dem Sonnenzustand und auf dem Mondenzustand, welches die Hüllen geschaffen hatte, die das Ich aufnehmen sollten, Vorbereitung für das Ich. Da haben andere Wesenheiten die Wohnung geschaffen für das Ich. Jetzt auf der Erde ist die Wohnung so weit geschaffen, daß das Ich im Menschen Platz greifen konnte, und von da an fing das Ich im Menschen an, die äußern leiblichen Hüllen von innen heraus zu bearbeiten. Daß das Ich von innen arbeiten kann, hat zu gleicher Zeit bewirkt, daß das Übermaß, das über die Gleichheit hinausgehende Maß von aufsteigenden und absteigenden Kräften entstanden ist. Solange das Ich im Menschen noch nicht arbeiten konnte, entwickelten sich nach und nach die Kräfte, die die aufsteigenden sind, bis zur Mitte; und als das Ich im Menschen einschlug, waren die Kräfte so weit, daß die aufsteigenden und die absteigenden sich die Waage hielten. Der Einschlag des Ich im Menschen bedeutet, daß die aufsteigenden und absteigenden Kräfte sich die Waage hielten, und am Menschen liegt es, diese Waage in der richtigen Weise zum Ausschlag zu bringen. Daher haben die Okkultisten dasjenige Sternbild, das betreten wurde in dem Moment, wo es anfing an das Ich heranzugehen, die "Waage" genannt. Bis zum Ende der "Jungfrau" wurden die Taten des Ich in unserer planetarischen Entwickelung zwar vorbereitet, aber es kam nicht bis zum Ich. Nun hatte das Ich mit dem Moment der Waage begonnen, selbst seinen Anteil zu nehmen, so daß das Ich einen wichtigen Moment seiner Entwickelung dadurch zustande gebracht hat.

   Denken Sie einmal, was das heißt, daß das Ich zu diesem Entwickelungsstadium gekommen ist: Das Ich durfte von nun an teilnehmen an den Kräften, die dem Tierkreis angehören, es durfte hineinwirken in den Tierkreis. Es ist durchaus wahr: je mehr das Ich den höchsten Punkt seiner Entwickelung anstrebt, desto mehr arbeitet es hinein in den Tierkreis. Nichts geschieht im Innersten des Ich, was nicht seine Folgen bis hinauf in den Tierkreis zieht. Das ist durchaus wahr. Und indem der Mensch mit seinem Ich als Mensch eigentlich die Anlage legt, um sich bis zu seinem Atma oder Geistesmenschen zu entwickeln, bildet er immer mehr und mehr die Kräfte aus, welche ihn instand setzen, in die Waage des Tierkreises hinaufzuwirken. Er wird seine volle Macht über diese Waage des Tierkreises erlangen, wenn er sein Ich durchgedrückt hat bis zum Atma oder Geistesmenschen. Da wird er ein Wesen sein, das etwas ausströmt, das aus dem Stadium der Zeit in das Stadium der Dauer, der Ewigkeit, übergeht.

   Indem der Mensch so seinen Weg geht, gibt es aber andere Wesenheiten, bei denen das, was beim Menschen sozusagen höchste Wirkung ist, niederste Wirkung ist. Suchen wir jetzt diese Wesen, bei denen das Niederste ebensolche Wirkung ist wie beim Menschen die Waage im Tierkreis. Wenn wir uns den Menschen im Tierkreis aufschreiben, so haben wir ihn bis zur Waage reichend. Die Wesenheit, die mit ihrem eigentlichen Wesen ganz dem Tierkreis angehört, deren Kräfte ganz dem Tierkreis angehören und die sich im Planetenleben nur in ihrem niedersten Glied äußert, das mit der Waage bezeichnet ist - wie beim Menschen das niederste Glied mit den Fischen bezeichnet ist-, das ist diejenige Wesenheit, welche, wie Sie sehen, Leben verbreitet über unser ganzes Weltenall:


 

                                 Widder          12. Glied

                                 Stier              11. Glied

                                 Zwillinge       10. Glied

                                 Krebs              9. Glied

                                 Löwe               8. Glied

7. Geistesmensch    Jungfrau        7. Glied

6. Lebensgeist         Waage            6. Glied

5. Geistselbst          Skorpion        5. Glied

4. Ich                       Schütze          4. Glied

3. Astralleib            Steinbock      3. Glied

2. Ätherleib             Wassermann  2. Glied

1. Physischer Leib    Fische            1. Glied


 

   Wie der Mensch das Leben aufnimmt, strahlt diese Wesenheit Leben über unser ganzes Weltenall aus. Das ist diejenige Wesenheit, die das große Opfer zu bringen vermag, und die im Tierkreis eingeschrieben ist als die sich für unsere Welt opfernde Wesenheit. Wie der Mensch aufstrebt in den Tierkreis hinein, so sendet uns diese Wesenheit aus dem Widder, der ihr angehört wie dem Menschen die Waage, seine Opfergabe dar. Und wie der Mensch sein Ich hinaufwendet zur Waage, so strömt diese Wesenheit ihr Wesen über unsere Sphäre als Opfer. Man bezeichnet diese Wesenheit daher als das sich opfernde "mystische Lamm", denn Lamm ist dasselbe wie Widder; daher die Bezeichnung des sich opfernden Lammes oder Widders für Christus. Christus wird Ihnen jetzt so charakterisiert als dem ganzen Kosmos angehörig. Sein Ich strebt bis zum Widder; und strömt das Ich bis zum Widder, so wird er dadurch das "Große Opfer" selber und steht so mit der ganzen Menschheit in einem Verhältnis, und in einer gewissen Weise sind diese Wesenheiten und Kräfte, die auf der Erde sind, seine Schöpfungen. Er steht seiner ganzen Wesenheit nach in der Sonne und ist in seinen Schöpfungen mit dem Mond und der Erde verbunden und seine Kraft liegt im Sternbild des Lammes. So liegen die Kräfte, daß er Schöpfer dieser Wesen werden konnte, im Sternbild des Widders oder Lammes. Aus dem Himmel selbst ist die Bezeichnung des "Opferlammes" oder des "mystischen Lammes" herabgeholt.

   Das ist einer der Aspekte, eine der Ansichten, zu denen man kommt, wenn man von unserem engbegrenzten Dasein aufblickt in Himmelsräume und sieht, wie die Himmelskräfte und Wesenheiten im Weltenraum ineinanderwirken. Und dadurch werden uns allmählich die Kräfte, die von Himmelskörper zu Himmelskörper gehen, ebensolche Kräfte wie die, die von Menschenseele zu Menschenseele gehen als Liebe und Haß. Wir sehen Seelenkräfte von Stern zu Stern herüber- und hinübergehen, und wir lernen erkennen, daß uns am Himmel geschrieben ist, was von solchen Kräften im Weltenraum gewirkt, getan, gehandelt wird.

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