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Anhang V

Rudolf Steiner

 

"DAS MYSTERIUM DER ROSENKREUZER"
aus GA93 "Die Tempellegende und die Goldene Legende",Berlin, 4. November 1904, der Vortrag steht in einem nahen Zusammenhang mit den Betrachtungen über das Historiogenetische Grundgesetz.
(Zu bemerken ist, daß Rudolf Steiner hier Bezeichnungen benützt, die in der theosophischen Gesellschaft üblich waren. Ich habe sie teilweise durch die gebräuchlichen anthroposophischen Bezeichnungen ersetzt, die Inhalte werden dadurch nicht verändert. Die Menschenwesenheit lebt in verschiedenen Zuständen, dem stofflichen, lebendigen, seelischen und geistigen. Die Ausdrücke Kama, Buddhi, Atman und Manas bezeichnen in theosophischer Terminologie jeweils Stufen in der Entwicklung des Menschen, die Rudolf Steiner nach 1911 dem Astralleib, Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen zuordnet, näheres in "Theosophie - Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung - GA9, 1.Kapitel).s.a.: http://anthrowiki.at, dort unter St.Germain"
s.a. Fred Poeppig "Ursymbole der Menschheit" in: Die Tempellegende - Kern der Rosenkreuzersymbolik

   ...Nun möchte ich Ihnen heute eine solche esoterische Darstellung zeigen, welche erst vor wenigen Jahrhunderten gegeben wurde und jetzt noch jetzt noch mannigfaltig fortlebt. Das ist die folgende. Im Beginne des 15. Jahrhunderts erschien in Europa eine Persönlichkeit, welche im Morgenlande in gewisse Geheimnisse eingeweiht worden war. Es war dies Christian Rosenkreutz. Ehe die damalige Inkarnation des Christian Rosenkreutz zu Ende gegangen war, hatte er eine Anzahl von Persönlichkeiten - die kaum die Zahl zehn überstieg – in den Gegenstand, in den er eingeweiht worden war, auch eingeweiht, soweit dies mit europäischen Menschen damals möglich war. Diese kleine. Diese kleine Bruderschaft, die sich die Bruderschaft der Rosenkreuzer - Fraternitas rosae crucis - nannte, trug durch eine größere, mehr äußerliche Bruderschaft einen gewissen Mythus in die Welt hinaus. Christian Rosenkreutz selbst hatte damals im tiefsten Inneren der Rosenkreuzermysterien gewisse Geheimnisse dargestellt, wie sie nur wahrgenommen werden konnten von Menschen, die die notwendige Vorbereitung erfahren hatten. Aber, wie gesagt, in der kleinen Bruderschaft waren es nicht mehr wie zehn; das waren die eigentlich eingeweihten Rosenkreuzer. Was von Christian Rosenkreuz gelehrt worden ist, worden ist, konnte nicht vielen Menschen mitgeteilt werden; aber es wurde dann eingekleidet in eine Art von Mythus. Seit seiner ersten Begründung im Anfang des 15. Jahrhunderts ist dieser Mythus vielfach in Bruderschaften erzählt und interpretiert worden. Erzählt wurde er in größerem Rahmen, interpretiert aber nur im engeren Kreis, denjenigen, die reif dafür waren. Dieser Mythus hatte ungefähr folgenden Inhalt:Es gab eine Zeit, da schuf einer der Elohim den Menschen; einen Menschen, den er Eva nannte. Mit Eva verband sich der Elohim selbst und es wurde von Eva Kain geboren. Darauf schuf der Elohim Jahve oder Jehova den Adam. Adam verband sich ebenfalls mit Eva und aus dieser Ehe ging Abel hervor. Wir haben es also bei Kain mit einem unmittelbaren Göttersohn zu tun und bei Abel mit einem Sprößling des als Mensch geschaffenen Adam und der Eva. Nun geht der Mythus weiter. Die Opfergaben, welche Abel dem Gotte Jahve darbrachte, waren dem Gotte angenehm. Aber die Opfergaben des Kain nicht, denn Kain war nicht auf direktes Geheiß von Jahve (ein anderer Elohim, deren es sieben gibt, Anmerkung Kaesebier). entstanden. Die Folge davon war, daß Kain den Brudermord beging. Er erschlug Abel. Deshalb wurde er von der Gemeinschaft mit Jahve ausgeschlossen. Er ging in entfernte Gegenden und wurde dort der Stammvater eines eigenen Geschlechts. Adam verband sich weiterhin mit Eva und zum Ersatz von Abel wurde Seth geboren, der auch in der Bibel vorkommt. So entstanden zwei Menschengeschlechter: das erste von Eva und dem Elohim abstammend, das Geschlecht Kains; und das zweite von den bloßen Menschen abstammend, die Menschen abstammend, die aus Geheiß des Jahve sich verbunden haben. Von dem Geschlecht des Kain stammen alle ab, die auf der Erde Künste und Wissenschaften ins Leben gerufen haben, zum Beispiel Methusael, der die Schrift, die Tau-Schrift erfunden hat und Tubal-Kain, der die Bearbeitung der Erze und des Eisens lehrte. So entstand in dieser Linie, direkt von dem Elohim abstammend, die Menschheit, die sich in Künsten und Wissenschaften ausbildet.Aus diesem Geschlecht der Kains ging auch hervor Hiram. Der war der Erbe alles dessen, was innerhalb der verschiedenen Generationen der Kainssöhne an Wissen, Kunst und Technik aufgespeichert worden war. Hiram war der bedeutendste Baukünstler, den man sich denken kann. Aus der anderen Linie, aus dem Geschlechte Seths stammte Salomo, der sich auszeichnete in alledem, was von Jahve oder Jehova herrührte. Er war ausgestattet mit der Weisheit der Welt, mit alledem, was die ruhige, klare, abgeklärte Weisheit bei den Jehovasöhnen liefern kann. Dies war eine Weisheit, die man wohl mit Worten aussprechen kann, die dem Menschen tief ins Herz gehen, ihn erheben kann, aber nicht eine solche, welche das unmittelbare Objekt angreifen und etwas Wirkliches an Technik, Kunst und Wissenschaft hervorbringen kann. Es war eine Weisheit, die eine unmittelbare inspirierte Gabe des Gottes ist, nicht eine von unten herausgearbeitete, aus der menschlichen Leidenschaft, aus dem Menschenwollen hervorquellende Weisheit. Die fand sich bei den Kainssöhnen, bei denen, die unmittelbar von den anderen Elohim abstammten. Das waren die strengen Arbeiter, die alles selbst erarbeiten wollten.Nun beschloß Salomo einen Tempel zu bauen. Er bestellte dazu als Baumeister den Sprößling der Kainssöhne: Hiram. Es war zu der Zeit, da die Königin von Saba, Balkis, nach Jerusalem kam, weil sie von dem weisen Salomo gehört hatte. Und sie war in der Tat, als sie ankam, entzückt von der erhabenen, klaren Weisheit und Schönheit des Salomo. Er warb um sie und erlangte auch ihr Jawort. Da hörte diese Königin von Saba auch von dem Tempelbau. Nun wollte sie auch den Baumeister Hiram kennenlernen. Als sie ihn sah, machte sein bloßer Blick auf sie einen ungeheuren Eindruck und nahm sie ganz gefangen.Nun entspann sich etwas wie Eifersuchtsstimmung zwischen Hiram und dem weisen Salomo. Die Folge davon war, daß Salomo gern etwas gegen Hiram getan hätte; aber er mußte ihn behalten, damit der Tempel fertig gebaut werden konnte.Es kam nun folgendes. Der Tempel war bis zu einer ganz bestimmten Stufe fertig. Nur eines fehlte noch, was das Meisterstück des Hiram sein sollte: nämlich das Eherne Meer. Dieses Meisterstück Hirams sollte darstellen den Ozean, in Erz gegossen, und den Tempel schmücken. Alle Erzmischungen waren in wunderbarer Weise von Hiram veranlagt worden und alles war zu dem Guß vorbereitet. Nun machten sich aber drei Gesellen ans Werk, die Hiram beim Tempelbau für unfähig befunden hatte, zu Meistern ernannt zu werden. Sie hatten ihm deshalb Rache geschworen und wollten die Ausführung des Ehernen Meeres verhindern. Ein Freund Hirams, der davon erfuhr, teilte Salomo diesen Plan der Gesellen mit, damit er ihn vereiteln würde. Aber Salomo ließ aus Eifersucht gegen Hiram der Sache ihren Lauf, weil er Hiram verderben wollte. Die Folge war, daß Hiram zusehen mußte, wie der ganze Guß zerstob, weil die drei Gesellen einen ungehörigen Stoff der Masse zugefügt. Er versuchte noch durch Zugießen von Wasser das aufschäumende Feuer zu löschen, aber es wurde dadurch nur schlimmer. Während er schon nahe daran war, an dem Zustandekommen des Werkes zu verzweifeln, erschien ihm Tubal-Kain selbst, einer seiner Ahnherren. Dieser sagte ihm, er solle sich ruhig in das Feuer hineinstürzen, er sei durch das Feuer nicht verwundbar. Hiram tat es und gelangte bis zum Mittelpunkt der Erde. Tubal-Kain führte ihn zu Kain, der dort im Zustande der ursprünglichen Göttlichkeit war. Hiram wurde nun in das Geheimnis der Feuerschöpfung eingeweiht, in das Geheimnis des Erzgusses und so weiter. Er erhielt von Tubal-Kain noch einen Hammer und ein Goldenes Dreieck, das er am Halse zu tragen habe. Dann kehrte er zurück und war nun imstande, das Eherne Meer wirklich herzustellen, den Guß wieder in Ordnung zu bringen.Hierauf gewinnt Hiram die Hand der Königin von Saba. Er aber wird von den drei Gesellen überfallen und getötet. Doch ehe er starb, gelang es ihm noch, das Goldene Dreieck in einen Brunnen zu werfen. Als man nun nicht weiß, wo Hiram ist, wird er gesucht. Salomo selbst ist ängstlich und will hinter die Sache kommen. Man fürchtete, die drei Gesellen könnten das alte Meisterwort verraten und es wurde daher ein neues verabredet. Die ersten Worte, die fallen, wenn man Hiram wiederfindet, sollten das neue Meisterwort sein. Als Hiram nun aufgefunden wurde, konnte er noch einige Worte sprechen. Er sagte: Tubal-Kain hat mir verheißen, daß ich einen Sohn haben werde, der viele Söhne haben wird, die die Erde bevölkern und mein Werk - den Tempelbau – zu Ende führen werden. Dann bezeichnete er noch den Ort, wo das Goldene Dreieck zu finden sei. Es wurde zu dem Ehernen Meer gebracht und beide an einem besonderen Ort des Tempels, im Allerheiligsten, aufbewahrt. Sie können nur von denen gefunden werden, die Verständnis dafür haben, was diese ganze Tempellegende von dem Tempel des Salomo und seinem Baumeister Hiram zu bedeuten hat.Nun wollen wir einmal von der Legende selbst übergehen zu einer Interpretation. Diese Legende stellt dar das Schicksal der dritten, vierten und fünften Kulturepoche unserer fünften, nachatlantischen Zeit. Der Tempel ist der Tempel der Bruderschaften, respektive dasjenige, was die ganze Menschheit der vierten und fünften Kulturepoche baut, und das Allerheiligste ist der Aufenthaltsort der Bruderschaften. Diese wissen, was das Eherne Meer und das Goldene Dreieck bedeuten. Wir haben es also zu tun mit zweierlei Menschengeschlechtern: mit demjenigen, welches - durch Salomo repräsentiert - im Besitz göttlicher Weisheit ist, und mit dem Kainsgeschlecht, den Abkömmlingen Kains, die sich auf das Feuer verstehen und es zu behandeln wissen. Dieses Feuer ist nicht das physische Feuer, sondern das im Astralraum brennende Feuer der Leidenschaften, Triebe, Begierden.Wer sind nun die Kainssöhne? Die Kainssöhne sind - also im Sinne dieser Legende - die Söhne derjenigen Elohim, welche unter der Klasse der Elohim während der planetarischenMondepoche ein wenig zurückgeblieben sind. In der Mondepoche haben wir es mit Kama zu tun. Dieses Kama oder Feuer wurde damals durchdrungen mit Weisheit. Nun gab es zwei Arten von Elohim. Die einen Elohim blieben nicht stehen bei der Ehe zwischen Weisheit und Feuer, sie gingen darüber hinaus. Und als sie den Menschen formten, waren sie nicht mehr durchdrungen von Leidenschaften, so daß sie ihn mit ruhiger, abgeklärter Weisheit ausstatteten. Das ist die eigentliche Jahve- oder Jehovareligion, die Weisheit, die ganz leidenschaftslos war. Die anderen Elohim, bei welchen noch die Weisheit mit dem Feuer der Mondperiode verbunden war, sind diejenigen, welche die Kainssöhne schufen. Daher haben wir in den Söhnen Seths die religiösen Menschen mit der abgeklärten Weisheit und in den Kainssöhnen die, welche das impulsive Element haben, die sich entflammen und Enthusiasmus entwickeln können für Weisheit. Diese zwei Geschlechter schaffen durch alle Zeiträume hindurch. Aus der Leidenschaft der Kainssöhne sind alle Künste und Wissenschaften entstanden, aus der Abel-Seth-Strömung alle abgeklärte Frömmigkeit und Weisheit, ohne Enthusiasmus. Diese zwei Typen waren immer vorhanden und das hat sich so fortgeführt bis zur vierten Kulturepoche unserer nachatlantischen Zeit.Dann kam die Begründung des Christentums. Dadurch wurde die frühere Frömmigkeit, die nur eine Frömmigkeit von oben war, eine Frömmigkeit, die vollständig kamafrei war. Sie wurde getaucht in das Element, das eben durch Christus auf die Erde kam. Christus ist nicht bloß die Weisheit, er ist die inkarnierte Liebe: ein hohes göttliches Kama, das zu gleicher Zeit Buddhi ist; ein rein flutendes Kama, das nichts für sich will, sondern alle Leidenschaften in unendlicher Hingabe nach außen richtet, ein umgekehrtes Kama ist. Buddhi ist umgekehrtes Kama. Dadurch bereitet sich innerhalb des Typus der Menschen, die fromm sind, innerhalb der Söhne der Weisheit eine höhere Frömmigkeit vor, die nun allerdings enthusiastisch sein kann. Das ist christliche Frömmigkeit. Sie wird zunächst veranlagt in der vierten Kulturepoche der fünften, nachatlantischen Zeit. Diese ganze Strömung ist aber noch nicht in der Lage, sich mit den Kainssöhnen zu verbinden. Sie sind zunächst noch Gegner. Würde nämlich das Christentum unbedingt schnell alle Menschen ergreifen, so würde es sie zwar mit Liebe erfüllen können, aber das einzelne menschliche Herz, das individuelle menschliche Herz wäre nicht dabei. Es wäre keine freie Frömmigkeit, es wäre nicht das Gebären des Christus in sich selbst als Bruder, sondern bloß als Herrn. Dazu müssen noch durch die ganze fünfte Kulturepoche hindurch die Kainssöhne wirken. Sie wirken in ihren Initiierten und bauen den Tempel der Menschheit, aufgebaut aus weltlicher Kunst und weltlicher Wissenschaft.So sehen wir während der vierten und fünften Kulturepoche das weltliche Element immer mehr und mehr sich entwickeln, die ganze weltgeschichtliche Entwickelung auf den physischen Plan heraustreten.Mit dem weltlichen Element des Materialismus entwickelt sich das persönliche, der Egoismus, der zum Kampf aller gegen alle führt. Wenn auch das Christentum da war, so war es in gewisser Weise doch das Geheimnis von wenigen. Aber es bewirkte, daß den Menschen während der vierten und fünften Kulturepoche aufging: ein jeglicher ist gleich vor Gott. Das ist christlicher Grundsatz. Aber die Menschen können dies nicht ganz verstehen, solange sie im Materialismus und Egoismus befangen sind. Die Französische Revolution hat dann die Konsequenz der christlichen Lehre im weltlichen Sinne vollzogen. Die spirituelle Lehre des Christentums: alle Menschen sind gleich vor Gott, wurde durch die Französische Revolution in eine rein weltliche Lehre übertragen: alle sind hier gleich. Die neue Zeit hat das noch mehr ins Physische übersetzt. Vor der Französischen Revolution erschien bei einer Hofdame der Königin Marie-Antoinette, der Madame d`Adhemar, eine Persönlichkeit, die alle wichtigen Szenen der Revolution voraussagte, um davor zu warnen. Es war der Graf von Saint-Germain, dieselbe Persönlichkeit, die in früherer Inkarnation den Orden der Rosenkreuzer gestiftet hat. Er vertrat damals den Standpunkt: die Menschen müßten in ruhiger Weise von der weltlichen Kultur zu der wahren Kultur des Christentums geführt werden. Die weltlichen Mächte wollten sich aber die Freiheit im Sturm, in materieller Weise erobern. Zwar sah er die Revolution als notwendige Konsequenz an, aber er warnte doch davor. Er, Christian Rosenkreutz, in der Inkarnation vom 18. Jahrhundert, als Hüter des innersten Geheimnisses vom Ehernen Meer und vom heiligen Goldenen Dreieck, trat warnend auf: die Menschheit sollte sich langsam entwickeln. Doch schaute er, was vor sich gehen würde.Das ist der Gang, den die Menschheitsentwickelung, von innen her betrachtet, während der vierten und fünften Kulturepoche unserer nachatlantischen Zeit durchmacht. Der menschliche Kulturbau, der große Tempel Salomos wurde gebaut. Aber dasjenige, was ihn eigentlich krönen soll, muß noch ein Geheimnis bleiben. Das kann nur ein Initiierter bauen. Dieser Initiierte wurde mißverstanden, verraten, getötet. Dieses Geheimnis kann noch nicht herauskommen. Es bleibt das Geheimnis von wenigen (Initiierten) des Christentums. In dem Guß des Ehernen Meeres und dem heiligen Dreieck liegt es verschlossen. Es ist kein anderes als das Geheimnis des Christian Rosenkreutz, der vor Christi Geburt in einer sehr hohen Inkarnation verkörpert war und damals einen merkwürdigen Ausspruch getan hat.Lassen Sie mich nun noch mit einigen Worten die Szene ausmalen, wie jener Christian Rosenkreutz vor der Französischen Revolution diese Äußerung wieder getan hat. Er sagte:  

 

Wer Wind sät, wird Sturm ernten 

(Hervorgehoben KK)

- Dies hatte er schon damals gesagt, bevor es dann von Hosea gesagt und aufgeschrieben wurde. Aber es ist von Christian Rosenkreutz herrührend. Dieser Ausspruch: Wer Wind sät, wird Sturm ernten, ist der Leitspruch der vierten und fünften Kulturepoche unser nachatlantischen Zeit und sollte bedeuten: Ihr werdet die Menschen frei machen, es wird sich das inkarnierte Buddhi selbst mit dieser eurer Freiheit verbinden und die Menschen gleichmachen vor Gott. Aber der Geist (Wind bedeutet hebräisch Geist = Ruach), er wird zunächst zum Sturm werden (Kampf aller gegen alle).
Zunächst war das Christentum das des Kreuzes geworden, das sich hindurchentwickeln mußte durch die rein weltliche Sphäre, den physischen Plan. Nicht gleich von Anfang an war Christus am Kreuz das Symbol des Christentums. Aber als das Christentum immer mehr politisch wurde, da wurde das Symbol der gekreuzigte Gottessohn, leidend auf dem Kreuze des Weltenleibes. Das bleibt es äußerlich durch den ganzen Rest der vierten und weiter durch die fünfte Unterrasse hindurch. Zunächst ist das Christentum gebunden an die rein materielle Kultur der vierten und fünften Kulturepoche und nur dazwischen besteht das eigentliche Christentum der Zukunft, das im Besitze der Geheimnisse von dem Ehernen Meer und dem Goldenen Dreieck ist. Dieses Christentum hat ein anderes Symbol; nicht mehr den gekreuzigten Gottessohn, sondern das Kreuz, von Rosen umwunden. Das wird das Symbol des neuen Christentums der sechsten Kulturepoche sein. Aus dem Mysterium der Rosenkreuzerbruderschaft wird sich dieses Christentum der sechsten Unterrasse entwickeln, das das Eherne Meer und das Goldene Dreieck kennen wird. Hiram ist der Repräsentant der Initiierten der Kainssöhne der vierten und fünften Unterrasse. Die Königin von Saba - jede weibliche Figur bedeutet in der esoterischen Sprache die Seele - ist die Seele der Menschheit, die zu entscheiden hat zwischen der abgeklärten, aber nicht die Erde erobernden Frömmigkeit und der die Erde erobernden Weisheit, das heißt, der durch Überwindung der Leidenschaften der Erde verbundenen Weisheit. Sie ist die Repräsentantin der wahren Menschenseele, die zwischen Hiram und Salomo mittendrin steht, und sich mit Hiram in der vierten und fünften Kulturepoche verbindet, weil er noch den Tempel baut.
Das Eherne Meer ist jener Guß, der entsteht, wenn in der entsprechenden Weise Wasser mit Erz vermischt ist. Die drei Gesellen machen es falsch, der Guß wird zerstört. Aber indem Tubal-Kain dem Hiram die Mysterien des Feuers enthüllt, ist Hiram imstande, Wasser und Feuer in der richtigen Weise zu verbinden. Dadurch entsteht das Eherne Meer. Es ist das, was das Geheimnis der Rosenkreuzer ist. Es entsteht, wenn das Wasser der ruhigen Weisheit sich verbindet mit dem Feuer des astralen Raumes, dem Feuer der Leidenschaft. Dadurch muß eine Verbindung zustandekommen, die «ehern» ist, die getragen werden kann in die folgenden Zeitalter, wenn hinzukommt das Geheimnis von dem heiligen Goldenen Dreieck, das Geheimnis von Atma-Buddhi-Manas. Dieses Dreieck, mit all dem, was es im Gefolge hat, wird der Inhalt des erneuerten Christentums der sechsten Kulturepoche sein. Das wird vorbereitet durch die Rosenkreuzer und dann wird das, was im Ehernen Meer symbolisiert wird, verbunden sein mit der Erkenntnis von Reinkarnation und Karma. Dies ist die neue okkulte Lehre, die dem Christentum wieder eingefügt wird. Atma-Buddhi-Manas, das höhere Selbst, ist das Geheimnis, das offenbar werden wird, wenn die sechste Kulturepoche dazu reif sein wird. Dann wird Christian Rosenkreutz nicht mehr als Warner dazustehen brauchen, sondern es wird alles, was Kampf bedeutet hat auf dem äußeren Plan, den Frieden finden durch das Eherne Meer, durch das heilige Goldene Dreieck. Das ist der Gang der Weltgeschichte in die künftige Zeit hinein.
Was Christian Rosenkreutz mit seiner Tempellegende durch die Bruderschaften in die Welt tragen ließ, ist das, was sich die Rosenkreuzer zur Aufgabe gestellt haben: nicht bloß religiöse Frömmigkeit zu lehren, sondern auch Wissenschaft nach außen; aber nicht nur die äußere Welt kennenzulernen, sondern auch die spirituellen Mächte und von beiden Seiten hineinzugehen in die sechste Kulturepoche".

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Die unten abgebildete Kupferschale stammt vermutlich aus Essaouira in Marokko. Sie kann sowohl die Vorstellung eines ehernen Meeres wie auch des Goldenen Dreiecks bebildern. Die Randzone dieser Schale ist ganz in einer Symbolik gehalten, die auch in der Romanik immer das Fliessen ätherischer Kräfte darstellt. Daß unter den Metallen das Kupfer gewählt worden ist, kann auch mit der Einsicht in die planetarische Entwicklung zusammenhängen, stellt doch das Venusmetall einen Hinweis dar auf die letzte Erdenstufe (Privatbesitz).

Davidstern aus Essaouira

Davidstern aus Essaouira

 

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Buchhinweis:

Thomas Meyer

'Der Neue Kain'

Die Tempellegende als geistig-moralischer Entwicklungsimpuls

und ihre Vollendung durch Rudolf Steiner