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I. Geschichte, Vorgeschichte, Urzeit

3. Frühgeschichte und Mythus


(S60)   Wenn im Gegensatz zu dem individuellen Selbstbewußtsein des geschichtlichen Menschen das Bewußtsein des vorgeschichtlichen, im Hinblick auf dessen Weltverbundenheit, als ein noch unindividualisiertes Weltbewußtsein bezeichnet werden darf, so ist nun innerhalb des letzteren noch auf einen Unterschied hinzuweisen. Wir charakterisierten dieses auch als ein noch einheitliches sinnlich-geistiges Welterleben und stellten dar, wir diesem von den Naturerscheinungen nicht nur ihre sinnlichen Qualitäten: Farben, Töne usw. gegeben waren, sondern in ungeschiedener Einheit mit diesen auh die formend-gestaltenden Kräfte, die sie durchwirkten. Und wir zeigten, wie diese Kräfte sich ihm als das "Weltenwort" b.h. als Inbegriff der "wahren Namen" der Dinge geistig offenbarten, und wie er in der Bildung der Sprache ein sinnlich erklingendes "Echo" desselben aus sich ertönen ließ.

   Nun offenbarten sich ihm diese Kräfte aber nicht nur - wie in einer naturhaften "Inspiration" - in geistig erklingenden "Lauten" und "Namen", sondern zugleich auch - wie in einer naturhaften "Imagination" - in geistig geschauten Bildern. In einer älteren Periode der vorgeschichtliche-atlantischen Zeit überwog freilich noch das inspirativ geartete geistige Wort-Erleben. Wir deuteten aber im vorigen Kapitel schon an, wie es gerade das allmähliche Abklingen dieses "Wort"Erlebens im weiteren Verlaufe der Vorgeschichte war, das den Anstoß dazu gab, in der Ausbildung der physisch hörbaren Menschensprache eine Art Ersatz desselben zu schaffen. Dennoch kam - nach den Ergebnissen der Geistesforschung - in den Anfängen der Sprachbildung dieses inspirativ geartete geistige Wort-Erleben noch darin zum Ausdruck, daß in ihr das vokalisch-musikalische Element noch überwog. Das Spracliche entwickelte sich aus einem Gesanglichen heraus. Die musikalische Intonation mancher Sprachen der Naturvölker Afrikas und Amerikas, - die Rolle, welche die Tonmodulation im Chinesischen spielt, sowie die sich aufdrängende Vermutung, daß auch im Altsumerischen "irgendwelche musikalisch gerichtete und klassifizierbare Wortintonation einmal geherrscht habe", hat übrigens auch die neueste Sprachforschung zu der Auffassung geführt, daß "die musikalische Intonation ein mögliches und wahrscheinliches Charakteristikum der Ursprache" gebildet habe (Drexel). Jene Urzeit der Sprachbildung war auch diejenige, in welcher dem Worte noch die stärkste magische Kraft innewohnte. Bis in späteste Zeiten hinein ist denn auch das Wort, wenn es, etwa als kultisches, magischen Zwecken diente, immer musikalisch intoniert worden. In (S61) den Ausdrücken "incantare", "enchanter" für "verzaubern" hat sich eine Erinnerung hieran erhalten. Denn durch jenes geistige "Laut"- bzw. "Ton"-Erleben reichte der Mensch mit seinem seelischen Leben noch am tiefsten in die wirkenden, gestaltenden Kräfte der Natur hinein. In der Endphase der Vorgeschichte war im wesentlichen nurmehr das geistig bildhafte Erleben der "universalia in rebus" übrig geblieben. Es war dies daher die Zeit, in welcher das bildnerisch-plastische Element der Sprache: das Konsonantische sein hauptsächliche Ausbildung erfuhr. Dieses imaginative Geist-Erleben verband den Menschen zwar seelisch nicht mehr so innig mit der Welt wie das inspirativ-worthafte. Aber es gewährte immer noch die Möglichkeit eines magischen Wirkens, - bedeutete es doch immer noch ein Erleben der "universalia in rebus", d.h. ein einheitliches sinnlich-geistiges Erleben der Welt.

   Die Abnahme der magischen Fähigkeiten des Menschen des Menschen, die mit dem Übergang von dem ehemaligen geistigen Wort-Erleben zum geistigen Bild-Erleben verknüpft war, zeigt sich darin, daß zwar nicht geradezu an die Stelle des ehemaligen magischen Wirkens, aber ihm zunächst unterstützend zur Seite trat ein andersgeartetes: nämlich das technische, das sich äußerer physischer Werkzeuge bedient. (Denn das Merkmal des magischen Wirkens, wo es auf seiner vollen Höhe steht, liegt gerade darin, daß es solcher Hilfsmittel nicht bedarf). Die Spätphase der Vorgeschichte: das Palöolithikum bezeichnet den Beginn der physischen Werkzeugschöpfung im Elemente des Mineralisch-Anorganischen. (Wir dürfen annehmen, daß in der Zeit des vollkräftigen magischen Wortwirkens der Mensch noch vornehmlich mit dem Lebendig-Organischen verbunden war und, soweit er überhaupt schon Werkzeuge verfertigte, diese aus dem "Alithisch"-Organischen herstellte). Das bedeutet nun freilich keineswegs, daß die Magie ihre Bedeutung verliert. Was alt wird und dem Niedergang entgegengeht, übt - wie wir es ja auch in der Geschichte immer wieder sehen - oftmals nur eine um so gewalttätigere Herrschaft über den Menschen aus. Aber es verbindet sich dann, wegen seines Verfalls, mehr mit den moralisch niedrigen und schlechten Kräften des Menschen, während es früher mehr von den hohen und guten erfüllt war. Diese Verderbnis der magischen Betätigung des Menschen stellt sich - so unglaubhaft das heute noch erscheinen mag - der geisteswissenschaftlichen Forschung geradezu als eine der Ursachen für die elementarischen Katastrophen heraus, die zu den verschiedenen Vereisungsperioden führten, welche der atlantisch-vorgeschichtlichen Kultur ein Ende bereitet haben.

   Hiervon soll aber erst in einem späteren Kapitel genauer die Rede sein. An dieser Stelle dagegen wollen wir noch einen andern Aspekt der Sache ins Auge fassen. Wir haben es also zunächst durch lange Zeit hindurch mit einem Nebeneinander bzw. Zusammenwirken von Magie und "Technik" (in deren primitivsten Anfängen) zu tun. Fassen wir noch einmal jenes bildhaft-imaginative (S62) Erleben der "universalia in rebus" ins Auge, in welches das ehemals worthaft-inspirative übergeht. Wir können die Frage aufwerfen: Erzeugte nicht auch dieses Bild-Erleben im Menschen ein "Spiegelbild", wie das geistige Wort-Erleben in der Sprache sich ein "Echo" geschaffen hatte? Wir dürfen ein solches in der Tat erblicken in dem Zeichnen und Malen von Bildern, in dem Gestalten plastischer Gebilde, wie sie uns in der eiszeitlichen Höhlenkunst Südfrankreichs und Nordspaniens (aus dem Spätpaläolithikum) erhalten geblieben sind. Charakteristisch auch für diese ist die hohe Kunst, mit der sie die wesentlichen, typischen Formen der Bisons, Wildpferde, Hirsche, Mammuts usw. wiedergeben, die in ihnen erst zeichnerisch in ihren Umrissen, dann auch malerisch dargestellt sind. Was ihnen immer wieder als ihre "Naturtreue" nachgerühmt wird, beruht gerade darauf, daß sie nicht nur mit dem physischen, sondern in Einheit damit auch mit dem geistigen "Auge" geschaut sind. Weil auch in diese Bilder das Wesen, die formgebenden Kräfte der betreffenden Tierarten eingefangen sind, darum konnten sie ebenso wie die Worte der Ursprache als Werkzeuge magischen Wirkens dienen. Zum Wortzauber der Ursprache und der späteren Kultsprachen der Priester gesellte sich so der Bildzauber. Denn die prähistorische Forschung ist sich längst schon darüber klar geworden, daß es sich bei diesen eiszeitlichen Höhlenmalereien um Kultbilder handelt, die von Eingeweihten an heiligen, verborgenen Stätten zum Zwecke magischer Kulthandlungen gemalt wurden und auch nur ihnen zugänglich waren. Dabei darf jedoch nicht nur an Jagdzauber gedacht werden, sondern auch an magisches Wirken zum Zwecke der Zähmung und Zucht. Wie sehr aber das Erleben, dem diese Zeichnungen und Malereien entstammen, noch den Charakter eines reinen Weltbewußtseins - noch nicht eines menschlichen Selbstbewußtseins - trug, geht daraus hervor, daß als ihr Gegenstand noch nirgends der Mensch - außer als in Tiermasken sich hüllender Zauberer -, sondern nur verschiedene Tiergestalten auftreten.

   Nun läßt sich vielleicht an dieser Spätform des vorgeschichtlichen Bewußtseins, welche durch den Bild-Charakter der geistigen Komponente des Welt-Erlebens gekennzeichnet ist, deutlicher als an der früheren (mit dem vorwiegenden Wort-Charakter) ein bestimmtes Moment des einheitlichen sinnlich-geistigen Erlebens überhaupt aufweisen, welches dieser Bewußtseinsart im Ganzen das Gepräge gab. Unser heutiges waches Tagesbewußtsein, das sich im Lauf der geschichtlichen Phase entwickelt hat, kennzeichnet sich ja durch die Dualität der rein sinnlichen Wahrnehmung, die uns von außen gegeben, und des abstrakten Begriffs, der durch unsre Denktätigkeit in unserm Innern gebildet wird. Wir wiesen im ersten Kapitel darauf hin, daß dieses Wachbewußtsein im Übergang zur Geschichte aus einem weniger wachen hervorgegangen sein müsse, das einem Träumen noch ähnlicher war. Wodurch aber unterscheidet sich unser heutiges Träumen - abgesehen von dem geringeren (S63) Helligkeitsgrad - außerdem noch von unserm heutigen Wachen? Eben dadurch, daß es ein einheitliches sinnlich-geistiges Erleben darstellt. Bilder - in selteneren Fällen Worte - machen da den Inhalt unsres Erlebens aus, die aber nicht als rein sinnlich-physische sich geben, sondern denen eine Bedeutung innewohnt, - eine Bedeutung, die nicht abgesondert von ihnen in Begriffen von uns im Traume gedacht, sondern gefühlsmäßig als in ihnen enthalten erlebt wird. Wir wollen hier zunähst davon absehen, daß diese Bedeutung in der Regel eine recht problematische ist, sondern lediglich auf den symbolischen oder sinnbildlichen Charakter des Inhaltes des Traumerlebens als solchen hinweisen. Wenn das vorgeschichtliche Bewußtsein gegenüber unserm heutigen ein dem Träumen ähnlicheres war, so hätten wir damit also jenes Moment aufgewiesen, auf welchem seine Traum-Verwandschaft beruhte. Es war eben die noch ungeschiedene Einheitlichkeit des Sinnlich-Geistigen, die wir immer wieder als sein Grundmerkmal hervorzuheben hatten. Von unserm heutigen Träumen unterschied es sich dadurch, daß diese Art des Erlebens in der Hingabe an die äußere Welt auftrat, während sie in jenem nur zustandekommt, wenn wir vom Wahrnehmen der Sinneswelt abgezogen sind. Der vorgeschichtliche Mensch erlebte, wenn er sich der äußeren Welt hingab, noch so, wie wir erleben, wenn wir uns von dieser im Traume zurückgezogen haben. Man könnte daher sein Bewußtsein auch ein Mittleres oder eine noch ungeschiedne Einheit zwischen unserm heutigen Wachen und unserm heutigen Träumen nennen: ein "Wachen" war es, insofern es der äußeren Welt zugewendet war, - ein "Träumen", sofern es die Erscheinungen der Außenwelt noch so erlebte, wie wir die Bilder des Traumes erleben. Es ist damit auf die Bewußtseinsform hingedeutet, die als die mythische bezeichnet zu werden pflegt. Die Tatsachen und Vorgänge der äußeren Welt, der Natur, sind da dem Menschen nicht bloß sinnlich-physische Erscheinungen, sondern Sinnbilder, in denen sich ein Geistig-Wesenhaftes ausspricht. (Wir erinnern an das im vorigen Kapitel angeführte Zitat von Lévy-Brühl). Im weiteren Sinne können wir auch die Sprache als ein Erzeugnis dieses mythischen Bewußtseins betrachten. Die Worte der Ursprache waren tönende Sinnbilder des Wesens der Dinge. In einem engeren Sinne kann unter dem mythischen Bewußtsein das bildhaft-geistige Erleben als Komponente des sinnlich-geistigen Erfahrens verstanden werden. In dieser spezielleren Bedeutung aufgefaßt, schiebt sich das mythische Bewußtsein zwischen das vorgeschichtliche als eine Übergangsform hinein, - eine Übergangsform, die freilich in sich selbst wieder verschiedene Entwicklungsstufen durchläuft.

   Verständlich werden die letzteren, wenn folgendes berücksichtigt wird: Läßt der Mensch das geistig vernommene "Weltenwort" in der Bildung der Sprache als in einem sinnlich erklingenden Echo aus sich widerklingen, so benützt er hierfür seine eigene Leiblichkeit. Gibt er jedoch die geistig geschaute "Form" (S64) äußerer Naturerscheinungen im Zeichnen oder Malen eines Bildes wieder, so muß er sich hierzu äußerer Werkzeuge und Materialien bedienen, die er außerdem erst zuzubereiten hat. Er wird also durch dieses Erleben zu einem stärkeren Aufwachen für die Sinneswelt als eine Stoffeswelt veranlaßt als durch jenes, dem die Sprache entstammt. Es wird somit auch von dieser Seite her verständlich, warum die Zeit des bildhaften Geist-Erlebens - das Paläolithikum als die Spätphase der Vorgeschichte - die Epoche der sich entwickelnden physischen Werkzeugschöpfung und Materiebearbeitung geworden ist. Mit dieser verknüpfen sich die ersten Anfänge der rein sinnlichen Beobachtung einerseits, des Denkens andrerseits. Kurz: das mythische Bewußtsein geht allmählich in das physische Gegenstandsbewußtsein über (Zu der folgenden Darstellung vgl. die hervorragenden Aufsätze von W.Schüpbach über "Formensinn und Bewußtseinsentwicklung" in der Monatsschrift "Die Gegenwart", Bern 1953/54). Dieser Übergang erfolgt insbesondere in den nacheiszeitlichen Perioden der mittleren und jüngeren Steinzeit. Indem die Begriffe mit den Beobachtungen verbunden werden, entsteht das, was wir im ersten Kapitel als die Welt der Vorstellungen charakterisierten. Die Vorstellungsbildung tritt jetzt in den Mittelpunkt des seelischen Erlebens, sofern dieses der sinnlichen Außenwelt zugewandt ist. Mit der Bildung der Vorstellungen ist aber, wie wir ebenfalls schon zeigten, diejenige der Erinnerung verknüpft. Und diese wiederum begründet die Entwicklung des menschlichen Selbstbewußtseins.

   Von all diesen Momenten sind in den genannten Perioden zwar erst die Anfänge zu verzeichnen; dennoch spiegeln sie sich schon deutlich wider in der Felsbildkunst der mittleren und Jungsteinzeit, deren Schöpfungen uns in Ostspanien, Skandinavien und Rußland erhalten geblieben sind. Es ist nicht mehr das vom geistigen Erleben voll durchblutete Sinnesbild der Erscheinungen als solches, das in ihnen zur Darstellung gelangt, sondern eine abstrakt verallgemeinerte Vorstellung derselben. Diese Darstellung erfolgt in einer Art, die an Kinderzeichnungen erinnert, die ja auch nicht die unmittelbaren Sehbilder, sondern die Vorstellungen von den Dingen wiedergeben. Diese Vorstellungsbilder werden im Laufe der vor- und frühgeschichtlichen Kunstentwicklung immer schematischer und stilisierter und nähern sich schließlich Bilderschriftzeichen an. Der Erinnerungscharakter dieses Vorstellungslebens dokumentiert sich darin, daß in der nacheiszeitlichen Kunst nicht mehr nur einzelne oder eine Mehrzahl von Tiergestalten erscheinen, sondern ganze Kampf- und Jagdszenen geschildert werden, also eine berichtende Darstellung auftritt. Und das sich entwickelnde menschliche Selbstbewußtsein kündigt sich darin an, daß jetzt auch der Mensch selbst: als Zauberer, Jäger, Sammler, Tierzüchter auf den Bildern erscheint; freilich ist es noch nicht die menschliche Gestalt als solche oder gar das menschliche Antlitz als Ausdruck des im Menschen verkörperten Geistes, sondern die "expressionistisch" übersteigerte Bewegungsform derselben in Kampf, Jagd und Zaubertanz, und zumeist noch in kollektiver Gruppenhaftigkeit. (S65)

   Doch ist all dies nur die eine Seite der Sache. Das Erleben des Geistigen in der Natur, der "universalia in rebus", ist mit dieser Entwicklung noch nicht völlig abgeklungen; es hat nur eine andre Gestalt angenommen. Mit der Aufhellung des Bewußtseins für die physische Gegenstandswelt geht parallel eine fortschreitende Differenzierung zwischen Wachen und Träumen. Was früher eine Einheit war, gliedert sich jetzt in eine Zweiheit. Genauer gesagt: das geistig-bildhafte Erleben der universalia in rebus wird an die zeitlichen Ränder des wachen Tagesbewußtseins zurückgedrängt; in die Übergangszustände zwischen Wachen und Schlafen. In der Mittelzone des Wachens ist der Mensch durch seine leiblichen Sinne an das rein Physische hingegeben und beginnt durch sein Denken abstrakte Begriffe von diesem auszubilden. Im Traume aber, wenn sein Geistig-Seelisches sich von den Sinnen löst und die physischen Wahrnehmungen verstummen, bzw. wenn es sich noch nicht wieder ganz mit den Sinnen verbunden hat und durch diese in das physische Wahrnehmen untergetaucht ist, webt es noch in dem lebendigen, gestaltenden Kräftewirken der Natur und erlebt dieses in geistig-bildhafter Art, allerdings so, daß die betreffenden Sinnbilder erheblich abweichen von dem, was die Sinneswelt an Naturgestaltungen zeigt. In Bildern von Kobolden (Zwergen) und Riesen, Wassernixen und Baumnymphen, aber auch von Drachen, Sphinxen, Kentauren und andern menschlich-tierischen Mischwesen schaut da der Mensch, was gestaltend in der Natur und in ihm selbst geistig webt und wirkt.

   Aber auch die Seelen verstorbener Menschen "erscheinen" in dem so gearteten Träumen, und so beginnt auch die Welt, die vormals als eine völlig einheitliche, sinnlich-geistige die Lebenden und die Toten umfaßt hatte, sich in ein Jenseits, ein Reich der Abgeschiedenen, und in ein Diesseits, das Reich der Lebenden, zu scheiden.

   Zu den Traumerlebnissen gesellen sich ähnlich geartete hinzu, welche in Zuständen der Entrückung oder Ekstase auftreten, die herbeigeführt werden durch Genuß von entsprechenden Speisen und Tränken oder durch orgiastische Tänze, magische Rituale u.dgl. Aus dem, was so erlebt wird, baut sich neben oder über der äußeren, begriffsdurchsetzten Naturanschauung, die für die Befriedigung der alltäglichen Bedürfnisse verwertet wird, eine Welt von sinnbildlichen Vorstellungen auf, die eigentliche Welt des Mythus, in der sich die tieferen Geheimnisse des Daseins aussprechen. Diese Welt findet ihren bildnerischen Niederschlag teils in symbolischen Zeichen (Sonnenrädern, Kreuzen, Kreisen, Spiralen usw.,), teils in Göttergestalten und Fabelwesen, - welche beiden Elemente ja den andern Bestandteil namentlich der jungsteinzeitlichen Felsbildkunst ausmachen. In Nordeuropa finden sich neben solchen Zeichen bereits auch die Gottheiten des Thor und des Wotan abgebildet, von denen auch die mythologischen Erzählungen handeln, die uns da in der Frühgeschichte entgegentreten. (S66)

   So stehen in dieser Übergangszeit zwischen Vorgeschichte und Geschichte Wachbewußtsein und Traumbewußtsein noch als zwei in gewissem Sinne völlig gleichwertige Erlebnissphären und Erkenntnisquellen nebeneinander da. Dieses Nebeneinanderstehen der beiden Erlebniswelten und das Herüber- und Hinüberwechseln des Menschen zwischen beiden spiegelt sich wider in all jenen in Mythen und Märchen vorkommenden Verwandlungen, durch welche Menschenseelen oder Naturgeister in Pflanzen oder Tiere "verzaubert" werden (als welche sie dem Tagesbewußtsein erscheinen) und aus solcher Verzauberung wiederum "erlöst" werden können, wenn das menschliche Erleben in rechter Weise und genügendem Grade sich noch zu jenem Wahrträumen zu erheben vermag, in welchem sie ihr wahres, dem bloß sinnlichen Wahrnehmen verborgenes Wesen offenbaren. Denn der Traum hat noch den Charakter des Wahrtraumes, - un d wie die Erfahrungen und Vorstellungen des Tagwachens für den damaligen Menschen zu tun haben mit der Erledigung seiner physisch-materiellen Angelegenheiten und Pflichten, so empfängt er von seinen Träumen Antworten und Weisungen in bezug auf die Fragen nach dem tieferen Sinn, nach Herkunft und Ziel seines Daseins. Noch aus geschichtlicher Zeit erfahren wir - etwa aus dem Alten Testament -, wie solche offenbarenden Träume den Menschen in die Seele gelegt wurden, und wie diesen, sofern sie deren Bedeutung schon nicht mehr zu enträtseln vermochten, noch Meister der Traumdeutung (wie Joseph oder Daniel) zu Hilfe kommen konnten, die sich ein besonderes Verständnis für die Sinnbildersprache des Traumes bewahrt hatten. Auf der andern Seite ist bekannt, wie den Pythien von Delphi, die teils auf Grund medialer Veranlagung, teils unter dem Einfluß der dort wirkenden Naturkräfte in traumhaft-hellseherische Zustände entrückt wurden, eine Priesterschaft zur Seite stand, die ihre Offenbarungen in die Sprache des gewöhnlichen Bewußtseins übersetzte. Je mehr aber im weiteren Verlauf der Geschichte das gedankendurchzogene Tagesbewußtsein sich klärte und aufhellte, desto mehr chaotisierten und verfinsterten sich die Offenbarungen der Traumbilderwelt. Die verworrene Dunkelheit der sibyllinischen Orakel in der Frühgeschichte des Römertums, das in besonderem Maße das Element der Verstandesklarheit ausbilden sollte, charakterisiert in beispielhafter Art diesen Prozeß. Je genauer die sinnliche Beobachtung und je strenger, durch die fortschreitende logische Schulung, die Gedankenführung des Wachzustandes wurden, desto fragwürdiger wurde die Bildersprache des Traumes. Er verkümmerte allmählich zu einem rudimentären Relikt einer der Vergangenheit angehörenden Art des seelischen Erlebens, und maßgebend für die Gegenwart wurde ausschließlich das in Sinneswahrnehmung und Gedankenbildung verlaufende Wachbewußtsein. Dies zeigt sich schon im Griechentum darin, daß seit damals das Denken nicht mehr nur zur Bewältigung äußerer, technischer (S67) oder organisatorischer Aufgaben verwendet wird, sondern darüber hinaus zum Elemente sich erhebt, in welchem die Auseinandersetzung mit den großen Rätselfragen des Daseins sich vollzieht. An die Stelle der religiös-mythologischen Weltschau und Sinngebung des Lebens treten philosophische Weltbilder und Moralsysteme. Und diese werden in neuerer Zeit endlich durch naturwissenschaftliche Theorien ersetzt. Was für eine ältere Menschheit einmal die Bilder der mosaischen Genesis bedeutet hatten, das bedeuten für die neuere die Kant-Laplacesche Nebularhypothese und Häckels "natürliche Schöpfungsgeschichte".

   Gehen so die Mythologien der geschichtlichen Frühzeit in die bloße Erinnerung der Menschheit über, so erscheinen sie jetzt außerdem auch als bloße Produkte der Phantasie und eines krausen Aberglaubens. Das beweist aber nichts anderes, als daß das Verständnis für jenes sinnbildliche geistige Erleben sich verloren hat, das der älteren Menschheit in ihrem Wahrträumen noch eigen war.

   Der Mangel dieses Verständnisses macht sich auch in der Beurteilung unsres heutigen Träumens geltend. Denn auch dessen Sprache ist noch diejenige der symbolischen Bilder. Die Auffassungen über deren Bedeutung variieren von denen der herkömmlichen Traumbücher bis zu jenen der Psychoanalyse. Und keine von allen vermag uns völlig zu überzeugen. Allerdings kommt in diesem Falle der Umstand hinzu, daß diese Sprache selbst, wie schon angedeutet, eine verworrene, fragwürdige täuschende geworden ist. Dies hat darin seinen Grund, daß das geistig-erkenntnismäßige Erleben des modernen Menschen sich ganz in die Sphäre des Wachbewußtseins verlagert hat und einerseits in der Sinnesbeobachtung, andrerseits in der Bildung abstrakter Begriffe verläuft. Dadurch ist die Fähigkeit des symbolbildenden Erlebens weitgehend degeneriert. Überdies prägen sich die Eindrücke und Betätigungen des Wachbewußtseins heute mit solcher Übergewalt dem Seelenleben ein, daß sie die Sinnbilderwelt des Traumes völlig überleuchten. Wo der Mensch vornehmlich unter der Einwirkung dieser Sinneserlebnisse steht, verkümmert der Traum vielfach zum bloßen Abklingen und Nachvibrieren derselben. Und wo der Mensch mehr in abstrakt denkerischer Betätigung lebt, da kann sich die Fähigkeit der träumenden Sinnbildgestaltung überhaupt verlieren, - wie etwa Lessing von sich behauptete, nie geträumt zu haben.

   Trotz allen diesen Zeichen seiner Degeneration hat der Traum als Relikt des einstigen einheitlich sinnlich-geistigen Erlebens bis heute, soweit er überhaupt noch echter Traum ist, in seinen Bildgestaltungen auch das Moment des Kollektiv-Gattungshaften, das jenem Erleben eigentümlich war, bis zu einem gewissen Grade bewahrt. Diese Tatsache nach dem ganzen Umfang ihrer Bedeutung aufgewiesen zu haben, gehört bekanntlich zu den wesentlichsten Verdiensten der psychologischen Forschung C.G.Jungs. Hierdurch ist auch (S68) für die moderne Tiefenpsychologie der genetische Zusammenhang des Traums mit dem einstigen kollektiv-geistigen mythischen Erleben evident geworden. Allerdings findet heute das Erleben archetypischer Bilder in einer tieferen Schichte der unbewußten Sphäre des Seelenlebens statt, in welche jenes mythische Erleben überhaupt hinuntergesunken ist. Die oberflächlichere Schichte derselben dagegen ist von dem völlig individualisierten Wachbewußtsein her selbst bis zu einem gewissen Grade individualisiert worden, so daß mit Recht von Jung im Bereich des Unbewußten ein persönliches von einem unpersönlich-kollektiven Element unterschieden wird.

   In anderer Art hat sich ein Überrest des einstigen sinnlich-geistigen Erlebens, freilich gegenüber dem in Sinneserfahrung und abstraktes Denken gespaltenen modernen Bewußtseins mit immer größerer Mühe nur sich behauptend, auch dem geschichtlichen Menschen erhalten: in allem echten künstlerischen Erleben. Denn dieses beruht gerade auf der Einheit des sinnlichen und geistigen Erlebens. Aber dieses hat sich im Lauf der Geschichte von derjenigen des Erkennens zu einer eigenen, selbständigen Sphäre abgesondert, während es in vorgeschichtlicher Zeit mit jener noch eine ungeschiedene Einheit bildete, - zu einer Sphäre außerdem, deren Erlebnissen und Gestaltungen der moderne Mensch deshalb den Charakter der "Wahrheit" nicht mehr zuzugestehen geneigt ist. Richard Wagner freilich läßt ihre Verwandtschaft mit dem einstigen Wahrträumen seinen Hans Sachs in den "Meistersingern" mit den Worten zum Ausdruck bringen: "All' Dichtkunst und Poeterei ist nichts als Wahrtraumdeuterei", - Goethe beschreibt in seiner "Zueignung", wie er "der Dichtung Schleier aus der Hand der Wahrheit" empfangen habe, - und Schiller behauptet in seinen "Künstlern" gar, daß "nur durch das Morgenrot des Schönen in der Erkenntnis Land eingedrungen" werden könne. Aber der banausischen Auffassung unsrer "Durchschnitts"-Zeitgenossen erscheinen die Gestaltungen der Kunst nurmehr als subjektiv-willkürliche Spiele der Phantasie.

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   Ähnlich wie das Schicksal, das der Mythus im Verlauf der Geschichte erfahren hat, und doch wieder verschieden von ihm ist dasjenige, welches der Sprache zuteil geworden ist. Sie ist zwar nicht, wie jener, in die bloße, allmählich versinkende Erinnerung der Menschheit übergegangen, sondern hat sich in einem bestimmten Sinne "lebendig" bis in die Gegenwart herein erhalten, darin in gewisser Weise dem Traume vergleichbar. Allerdings hat sich im Gegensatze zu diesem ihre weitere Entwicklung bei der Differenzierung des vorgeschichtlichen einheitlichen "Wahrträumens" in das Tagwachen und das Nachtträumen im Elemente des Tagwachens vollzogen. Denn das Sprechen wird ja normalerweise nicht im Traume, sondern im Wachen betätigt. Freilich bedeutet auch ihre "Geschichte" im Verlauf der historischen Epoche - wie (S69) diejenige des ehemaligen Wahrträumens -, im Ganzen gesehen, die Geschichte ihres Verfalls, zum mindesten ihres Alterns. Die wesentlichste Veränderung, die sie auf diesem Wege durchmachte, besteht darin, daß sie sich mit dem Denken bzw. mit der Begriffswelt der universalia post res, die innerhalb des Tagesbewußtseins zur Entfaltung kam, verbunden hat. Nur in skizzenhafter Weise soll diese Veränderung in ihren einzelnen Stufenschritten von einem Gesichtspunkt aus im Folgenden angedeutet werden.

   Was diese Veränderung eigentlich bedeutete, läßt sich nur ermessen, wenn voll im Bewußtsein gehalten wird, daß die Worte der Ursprache tönende Sinnbilder der universalia in rebus waren und zur Ausbildung gelangten, lange bevor es vom Menschen selbst im Innern seiner Seele gebildete universalia post res gab. Auf diesem Umstand beruhte, wie wir sahen, ja auch ihre die ganze Menschheit umfassende Einheit, da das Erleben der universalia in rebus dem damaligen Menschen geistig ebenso als eine gattungsmäßige Fähigkeit eigen war, wie ihm das Wahrnehmen der sinnlichen Qualitäten leiblich heute noch als Fähigkeit seiner Gattung zukommt.

   Wie nun die Vielheit der uns in geschichtlicher Zeit entgegentretenden Sprachen aus der einheitlichen Ursprache hervorgegangen ist, wird sich im Konkreten wohl kaum mehr aufhellen lassen. Vermutet darf jedoch werden, daß manche Wesenszüge der Ursprache in den Sprachen der frühgeschichtlichen Völker sich noch erhielten und, in dekadenten und erstarrten Formen, in den Sprachen der Primitiven noch bis heute erhalten haben. Auf Einzelnes wiesen wir in dieser Beziehung weiter oben bereits hin.

   Die Differenzierung der Ursprache im Übergang zur Geschichte ist jedenfalls auf der einen Seite bedingt durch diejenige der Menschheit in solche Teile derselben, die auf verschiedenen Stufen der vorgeschichtlichen Entwicklung stehen geblieben, und in solche, die zur geschichtlichen Entwicklung fortgeschritten sind. Mit dieser Differenzierung hängt wohl die Gliederung der Sprachen in die isolierenden und agglutinierenden auf der einen, in die flektierenden auf der andern Seite zusammen. Denn die Repräsentanten der letzteren: die indogermanische und die semitische Sprachenfamilie sind denjenigen Völkern zugeordnet, die zu den hauptsächlichen Trägern der geschichtlichen Entwicklung wurden. Auf der andern Seite aber ist die Sprachdifferenzierung auch dadurch bedingt, daß die in die geschichtliche Entwicklung eintretenden Völker selbst wieder verschiedene Nationalcharaktere ausbildeten. Denn der Individualisierung der einzelnen Menschen, welche die Geschichte mit sich bringen sollte, mußte als Vorstufe diejenige der Völker vorangehen. Diese Individualisierung war, wie wir im vorigen Kapitel sahen, nur die andere Seite jener Verselbständigung des Menschen gegenüber der Welt, die durch das sich entwickelnde Denken bewirkt wurde und das ehemalige Weltbewußtsein in das menschliche Selbstbewußtsein umwandelte. Dieser Impuls (S70) der menschlichen Selbstbewußtwerdung ist jedenfalls den in die Geschichte eintretenden Völkern als die hauptsächlichste Ursache der Sprachentrennung erschienen. Denn in der Legende vom babylonischen Turmbau wird die mit diesem verknüpfte "Sprachenverwirrung" als "Strafe" für die in diesem Unternehmen zum Ausdruck kommende Selbstüberhebung des Menschen dargestellt.

   Die Differenzierung der Sprachen liegt aber ebensosehr in dem andern Momente begründet, das in der Entstehung des menschlichen Selbstbewußtseins seinen Ausdruck findet: in dem Übergang des menschlichen Erlebens von den universalia in rebus zu den universalia post res, d.h. in der Entwicklung des Denkens. Dadurch verblaßte nämlich für die Empfindung die den Worten ursprünglich innewohnende Bedeutung. Ihr Lautkörper wurde gewissermaßen "undurchsichtig". Dieses Undurchsichtigwerden empfand man wie einen Verlust bzw. ein Vergessen der Sprache überhaupt. Der aus den Mysterien Vorderasiens überlieferte Ausdruck vom "verlorenen Wort" erinnert an diese Empfindung. (Nur in den kultischen Geheimsprachen der Mysterien vermochte man, wie früher schon erwähnt, Rest des urprünglichen "Wortes" zu bewahren). Freilich ging die Sprache nicht im absoluten Sinne verloren. Aber es blieb von ihren Worten gewissermaßen bloß der seiner früheren "Seele" beraubte sinnliche Lautleib zurück. dem damit auch seine ehemalige magische Kraft dahinschwand. Und dieser Lautleib verband sich nun mit den "Menschengedanken" als deren Ausdrucksmittel. Diese Verbindung war aber jetzt nicht mehr eine unmittelbar erlebte, sondern wurde mehr und mehr eine Sache der Konvention und der Überlieferung, die bei den verschiedenen Völkern differierte. Außerdem vollzog sich mit diesem Übergang noch etwas anderes: eine Verabstrahierung der Wortbedeutungen. Hatten die Worte der Ursprache, wie im letzten Kapitel erwähnt, immer bestimmte Konkretisationen und Spezifikationen der universalia in rebus bezeichnet, so nahmen sie jetzt, da sie mit den universalia post res verknüpft wurden, die Bedeutung von abgezogenen Allgemeinbegriffen an. Dabei ist wohl ein Teil der ursprünglichen konkreteren Bezeichnungen, da sie ja in Hinsicht auf den je betreffenden Allgemeinbegriff Synonyma waren, außer Gebrauch gekommen und abgestorben. Und der übrigbleibende Rest verteilte sich wohl, wie schon oft vermutet, auf die verschiedenen Völker als Bezeichnungen für die jeweiligen Begriffswelten, welche diese gemäß ihren Nationalcharakteren in besondrer Weise ausbildeten.

   In der Zeit der ersten geschichtlichen Kulturen ist es nun auch, wo aus den früheren schriftähnlichen Zeichen, wie wir sie in der Felsbildkunst der Jungsteinzeit finden, die eigentliche Schrift hervorgeht (Siehe hierzu H.Kühn: "Die Felsbilder Europas", 1952). Ihre Entstehung liegt also durchaus auf dern Linie der Entwicklung, welche vom geistig-bildhaften Erleben der universalia in rebus allmählich zur begriffsbedingten (S71) Vorstellungsbildung über die Dinge hinführt. Als ihr Erfinder gilt das älteste der vorderasiatishen Kulturvölker: die Sumerer. Wo immer aber sie uns in ihrer ältesten Gestalt entgegentritt, in Babylonien oder Ägypten, in Mexiko, Peru oder China, überall erscheint sie zunächst noch als Bilderschrift, oder anders ausgedrückt: als reine "Begriffsschrift". Noch nicht also schreibt der Mensch da die Sprache, sondern er bezeichnet durch die Schrift noch die Dinge, oder genauer: die Begriffe, die er in dieser Zeit noch mit den Dingen verbunden erlebt. Er faßt den Begriff also auch jetzt noch nicht abstrakt, bildlos, sondern noch im Bild der Dinge. Daher steht diese älteste Gestalt der Schrift auch noch als ein Selbständiges neben und unabhängig von der Sprache da und kann, wie zum Beispiel im Verhältnis von Chinesen und Japanern, von einer Sprachgemeinschaft auf die andere übergehen.

   Die reine Bilder- oder Begriffsschrift bildet allerdings überall nur einen kurz dauernden Anfangszustand (Siehe hierzu Kurt Sethe: "Vom Bilde zum Buchstaben. Die Entstehungsgeschichte der Schrift", 1939). Die Entwicklung des Denkens, die ihrer Entstehung zugrundeliegt, und die, wie wir sahen, zur Verbindung von Wort und Begriff führt, läßt die Bilderschrift schon sehr früh aus einer reinen Begriffsschrift in eine Wort- bzw. Silbenschrift sich verwandeln. Es wird also nicht mehr unmittelbar der Begriff eines Dinges bezeichnet, sondern das auf ihn sich beziehende Wort. Nur wird dieses noch nicht in seinen einzelnen Lauten mit Buchstaben geschrieben, sondern als Ganzes, und zwar eben noch durch das Bild des Dinges, welches es bezeichnet. Im Weiteren löst sich die Bedeutung des Schriftbildes immer mehr vom Ding, welches das Wort bezeichnet, los und bezieht sich ausschließlich auf das Wortgebilde als solches, gleichgültig welche verschiedenen Begriffsbedeutungen diesem im Sinne der Homonymität zukommen mögen (wie etwa im Deutschen dasselbe Wort als "arm" und als der "Arm" ganz Verschiedenes bedeutet). Parallel damit geht in verschiedener Art (je nach den Schreibmaterialien, die benützt werden) eine fortschreitende Verwischung der ursprünglichen Bildgestalt der Schriftzeichen - wie etwa in der hieratischen oder gar in der demotischen Schrift der Ägypter, in der Keilschrift der Babylonier oder in der späteren chinesischen Schrift. Nur in den für kultische Zwecke und für die Denkmalkunst verwendeten Hieroglyphen Ägyptens hat sich - auch bei später teilweise gewandelter Bedeutung - ihre ursprüngliche Bildgestalt bis zuletzt erhalten.

   Eine weitere Stufe der hier geschilderten Entwicklung bildet dann diejenige, die durch die Phönizier und Hebräer eingeleitet und durch die Griechen und Römer voll ausgestaltet wird. Erst in ihnen arbeitet sich das menschliche Denken ganz aus dem Mythisch-Bildhaften heraus und zum rein Begrifflichen hin. Damit verschmilzt die Sprache erst bei ihnen völlig mit den vom menschlichen Denken ausgebildeten Begriffen, den universalia post res. Sie geht mit diesen Begriffen jene innigst Verbindung ein, die in der Bezeichnung "Logos", die zugleich "Wort" und "Gedanke" bedeutet, sich dokumentiert. Damit aber (S72) erlangt sie - in dieser ihrer neuen Bedeutung und Funktion - jetzt jene Durchbildung, die den Gipfelpunkt ihrer geschichtlichen Entwicklung darstellt. Vom Gedanken her, mit dem sie sich vermählt hat, wird ihre logisch-grammatisch-syntaktische Durchgestaltung zur höchsten Vollendung geführt. Dies zeigt sich im Griechischen fürs erste in dem ungemeinen Reichtum der Konjugationsformen des Verbums, die "ein für alle Zeiten gültiges System der angewandten Logik darstellen, der Verständnis noch heute die volle Kraft eines geübten Denkers in Anspruch nimmt" (E.Curtius, Griechische Geschichte, 1.Band, S21). Des ferneren in einer architektonischen Durchbildung des Satzgefüges mit seinen mannigfaltigen Arten von Nebensätzen und ihrer abgestuften Unterordnung untereinander und unter den Hauptsatz, welche die differenziertesten begrifflichen Beziehungen sprachlich auszudrücken ermöglicht. "Wenn daher die griechischen Grammatiker und Rhetoren das Kennzeichen des Stils der Rede in der Entwicklung der Periode sahen, in welcher die Sätze nicht in unbestimmter Folge nacheinander hinlaufen, sondern in der sie sich gleich Steinen eines Gewölbes gegenseitig tragen und stützen, so ist dieser 'Stil' der Sprache erst ihr letztes und höchstes Produkt" (Cassirer, a.a.O.S282). Es ist wie eine Neugeburt der Sprache auf höherer Ebene, - in, gegenüber der vorgeschichtlichen Ursprache, verwandelter Bedeutung. Das in der Ursprache dereinst erklungene Echo des "Weltenwortes" ist nun völlig zu dem menschliche Begriffe ausdrückenden "Menschenworte" geworden. In dieser damals zustande gekommenen Verschmelzung von Wort und Gedanke urständen alle noch bis in die neuere Zeit (deutscher Idealismus) heraufreichenden Sprachtheorien, welche in dieser Einheit das Wesen der Sprache erblicken.

   Einen anderen Ausdruck findet nun diese völlige "Vermenschlichung" der Sprache darin, daß in dieser Epoche die ehemalige Bilderschrift durch die Buchstabenschrift ersetzt wird. Diese bezeichnet durch ihre Schriftzeichen ausschließlich die Laute, d.h. die Elemente - Vokale und Konsonanten -, aus denen die Sprachgebilde, die Worte, zusammengesetzt sind. Man könnte die Enstehung der reinen Laut-Schrift allerdings auch als den Gegenprozeß zu jener vollen Verschmelzung der Sprache mit den "Menschengedanken" bezeichnen, die in der höchsten Ausbildung der syntaktisch-stilistischen Spracharchitektonik zum Ausdruck kommt. Die "Neugeburt der Sprache auf höherer Ebene" vollzieht sich, im Ganzen gesehen, in einem gegenpoligen Geschehen, das einerseits die volle "Vergedanklichung" derselben, andrerseits eine Rückwendung zu ihren ursprünglichen Elementen - den Lauten - bewirkt, deren Bildung die Geburt der Ursprache in vorgeschichtlicher Zeit ausgemacht hatte. Es erwacht - wie etwa Platos Ausführungen über das Wesen der Laute im Kratylos zeigen - wieder ein Bewußtsein von ihrer Bedeutung, nur eben in neuer Art, vom Menschen her.

   Die Erfindung der Buchstabenschrift wird im allgemeinen den Phöniziern (S73) zugeschrieben, bei denen sie im 13. vorchristlichen Jahrhundert zuerst auftritt. Um das 10. Jahrhundert scheint sie von dort zu den Griechen gekommen zu sein. Alle Wahrscheinlichkeit spricht jedenfalls dafür, daß sie bei einem semitischen Volke kanaanäischen Stammes entstanden ist, das mit der ägyptischen Kultur in Berührung kam. Denn ihre Schriftzeichen erweisen sich deutlich als aus der ägyptischen Hieroglyphenschrift übernommen. Und ihre älteste Form tritt uns bereits in der sogenannten Sinaischrift entgegen, d.h. in auf der Sinaihalbinsel gefundenen Inschriften, die aus der Zeit etwa zwischen dem 18. und 15. Jahrhundert stammen. Nur geht eben der ursprünglich bildhafte bald in den bildlosen Charakter dieser Zeichen über. K.Sethe hält es für möglich, daß das Hirtenvolk der Hyksos, das damals in Ägypten einfiel, die Buchstabenschrift entwickelt habe. Es erscheint ihm aber auch der Gedanke "verlockend", daß Moses der Erfinder der Buchstabenschrift gewesen sein könnte. Bedeutsam ist jedenfalls, daß im israelitisch-phönizischen Kulturkreis, der zuerst - in einer bestimmten Art - das intellektuell-bildlose Denken entwickelt (Du sollst dir kein Bild vom Göttlichen machen!) und im Alten Testament das erste Dokument eigentlicher Geschichtsschreibung hervorgebracht hat, die Buchstabenschrift entstanden ist. Aber auch selbst wenn die Vermutung sich bestätigen sollte, daß der Ursprung der Lautschrift bei den Kretern zu suchen sei, oder daß die älteren griechisch-kleinasiatischen Völker einen selbständigen Beitrag zur Ausbildung der Buchstabenschrift geleistet hätten (Siehe Franz Miltner: Wesen und Geburt der Schrift. Historia Mundi Bd.III) - eine Vermutung, zu der die Tatsache Veranlassung geben kann, daß erst die Griechen das noch bloß konsonantische Alphabet der Phönizier durch die Hinzufügung der Vokalzeichen vervollständigt haben -, so würde dadurch an dem Tatbestand nichts geändert, daß die Lautschrift von denjenigen Völkern entwickelt worden ist, welche im Verlaufe ihrer weiteren Entwicklung die volle Herausbildung des menschlichen Gedankens herbeizuführen berufen waren. Ebenso wird von daher auch umgekehrt verständlich, warum die ägyptisch-orientalischen Völker, obwohl sie bis an die Schwelle des Buchstabenschreibens herangekommen waren, diese doch nicht zu überschreiten vermochten. Es war dies dadurch bedingt, daß sie sich aus dem imaginativ-mythischen Erleben noch nicht voll zu dem rein gedanklichen herausringen konnten. Das letztere aber hat wieder eine gewisse Verwandtschaft mit jenem inspirativ gearteten, aus dem einstmals die Urlaute der Sprache geschöpft worden waren. Das vollständige griechische Alphabet wurde dann von den Römern übernommen (unter allmählichem Schwund der - noch von den Phöniziern stammenden - Buchstaben-Namen), und von diesen ist es endlich zu den neueren europäischen Völkern gekommen.

   Wenn nun auch die Ausbildung der Buchstabenschrift mit zu den wesentlichsten Tatsachen gehört, in denen die volle Eroberung des Sprachwesens durch die menschlichen Begriffe, die volle Vermenschlichung des "Wortes" (S74) zum Ausdruck kommt, so muß andrerseits diese Lautschrift doch zugleich auch gewissermaßen als der "Sarg" betrachtet werden, der den Leichnam, zu dem die Sprache geworden ist, in sich aufnimmt. Denn als das, was sie in der Vorgeschichte einstmals gewesen war, ist die Sprache gerade durch ihre "Vermenschlichung" erstorben. Dieses ihr Ersterben zeigt sich darin, daß ihre Worte jetzt, in der vollhistorischen Zeit, gleichsam nur die Geldmünzen oder -scheine bedeuten, mit deren Hilfe wir den Austausch unsrer Gedanken bewerkstelligen. Wie aber den wirklichen Geldmünzen und Geldscheinen ihr Wert heute nur durch Konvention zugeordnet ist, und wie uns für ihren Gebrauch ausschließlich dieser ihr Wert, nicht aber ihre künstlerisch-formale Gestaltung und Ausführung interessiert, so ist für unser Bewußtsein die Sinnbedeutung der Worte fast nurmehr durch Konvention und Tradition mit ihnen verknüpft und im übrigen das einzige, was uns an ihnen interessiert, während dagegen die Form ihres Lautkörpers als solche uns kaum mehr zum Bewußtsein kommt. So ist die Sprache als solche mindestens ins Halbbewußte hinuntergesunken - darin nun doch den Traumbildern vergleichbar -, und nur, was sie gleichsam auf ihren Flügeln als Gedankenmitteilung an uns heranträgt, nehmen wir mit vollem Bewußtsein auf. Wir fassen etwa im Gespräch unmittelbar nurmehr den Gedanken als solchen auf, und der Sprache kommt dabei lediglich die Funktion des Vehikels zu, auf dem er befördert wird. In der Gestaltung der Sprache kommt es uns lediglich darauf an, durch die Wahl der richtigen Worte, durch die syntaktisch-grammatikalische Formulierung den Inhalt unsrer Gedanken so exakt wie möglich zum sprachlichen Ausdruck zu bringen. Dadurch aber, daß das Eigenwesen der Sprache so ins Halbbewußte hinuntergedrängt erscheint, wird sein Leben abgelähmt, - und diese so abgetötete Sprache findet dann in der Schrift den Sarg, in dem sie zur Ruhe gebettet wird. Ja, dieser Sarg trägt selbst zu ihrem weiteren Ersterben bei; denn mit der Schrift entsteht früher oder später auch die Frage der "Rechtschreibung" und deren Gültigmachung für ein bestimmtes Sprachgebiet, - und damit ein Prozeß der Vereinheitlichung, der dem Variationsdrang alles Lebendigen widerspricht. So bildet sich denn zuletzt eine "Schriftsprache" - wie in den meisten neueren Sprachen - heraus, die vor allem für die schriftliche Mitteilung und die "Schrift-Stellerei" verwendet wird, während dagegen die wirklich gesprochene Sprache in die Vielfältigkeit der "Mund-Arten" sich differenziert und vor der schriftlichen Fixierung weitgehend bewahrt bleibt.

   Den höchsten Grad von abtötender Wirkung auf die Sprache hat aber die Schrift erst seit der Zeit auszuüben begonnen, seit welcher sie durch die Erfindung der Buchdruckerkunst sich vom Menschen losgelöst hat und maschinell zustandekommt. Freilich ist auch diese Erfindung so wenig wie irgendeine andre dem Zufall entsprungen. Sie steht vielmehr im innigsten (S75) Zusammenhang mit der Tatsache, daß seit der Wende der Neuzeit in der ganzen hier skizzierten Entwicklung eine letzte Stufe erreicht worden ist. In den letzten vier Jahrhunderten hat sich das menschliche Denken zum höchsten Grade des Abstraktionsvermögens erhoben; erst dieser setzte den Menschen instand, sich erkennend der anorganischen Welt zu bemächtigen, die ihm bis dahin mehr oder weniger verschlossen war. Denn in dieser gibt es nich, wie in den Reichen des Organischen, eine Stufenreihe von sich spezifizierenden Gattungen, Arten, Familien und Einzelexemplaren, - sondern nur Einzelfälle und die ganz allgemeine Gesetzmäßigkeit, denen sie alle in gleicher Weise gehorchen. Diese im Anorganischen herrschenden Naturgesetze vermochte aber erst der moderne Mensch mit seinem zur äußeren Abstraktionskraft gediehenen Denken zu verfallen. In der Formulierung derselben löste sich jedoch das Denken zwangsläufig von der Sprache, die ja das Bild, den Tropus, die Metapher nie ganz überwinden kann, los und bediente sich der ihnen einzig noch genügenden mathematischen Gleichungen. Und so ist fast die ganze Fülle der in den letzten Jahrhunderten seit Galilei, Newton und Kepler entdeckten Naturgesetze in mathematische Formeln gekleidet worden. Durch diese Ablösung des Denkens von ihr ist aber die Sprache, im Ganzen gesehen, im Laufe der neueren Zeit noch weiter erstorben. Ein Symptom dieses Absterbens ist nicht nur zu sehen in dem Erfinden von künstlichen Sprachen - Volapük, Esperanto usw.-, das die jüngste Vergangenheit gezeitigt hat, sondern auch in dem Aufkommen jener aus den Anfangsbuchstaben von mehreren Wörtern gebildeten Abkürzungsworte, welche in die Sprachwelt der modernen Zivilisation seit einigen Jahrzehnten geradezu sintflutartig eingebrochen sind. Denn auch in diesen Bezeichnungen hat man es nicht mehr mit echten Wortgebilden zu tun.

   So sehr man alle diese Niedergangserscheinungen der Sprache beklagen mag, so sind sie doch unvermeidliche Begleiterscheinungen des Aufstiegs des Denkens zu den höchsten Höhen der Abstraktionsfähigkeit. Und so hat - im Ganzen gesehen - die Sprache in geschichtlicher Zeit doch einen analogen Verfall erlitten wir ihr Zwillingsbruder aus vorgeschichtlicher Zeit, der Mythus.

   Und hieran wird ein Grundsatz aller Entwicklung sichtbar, das der Entwicklungslehre des 19. Jahrhunderts entgangen war: die Tatsache nämlich - auf die wir an späterer Stelle noch ausführlicher zurückkommen werden - daß Entwicklung nicht ein bloßes Aufsteigen zu immer höheren, vollkommeneren Formen, sondern zugleich Metamorphose ist, d.h. eine Aufeinanderfolge von Entwicklungsgestalten, von denen die jeweils vorangehende im selben Maße abstirbt, als die jeweils nachfolgende sich herausbildet. Entwicklung ist niemals nur Evolution, sondern zugleich immer auch Involution. Bildung von Neuem ist stets mit Rückbildung von Älterem verknüpft. Jeder (S76) Gewinn wird mit einem Verlust erkauft. Und so kommt in der Menschheitsentwicklung das (abstrahierende) Denken nicht einfach zur Sprache hinzu, sondern es bildet diese, indem es sich entwickelt, zugleich um und in bestimmter Weise zurück. Der vorgeschichtliche Mensch war noch nicht in dem Sinne des Denkens fähig wie der geschichtliche. Dieser aber wäre nicht imstande gewesen, die Sprache zu bilden. Dazu bedurfte es einer ganz anders gearteten Bewußtseinsgestaltung, als die ihm eigen ist.

   Dennoch aber manifestiert sich in beiden Errungenschaften - wie überhaupt in den aufeinanderfolgenden Metamorphosen jeder Entwicklung - ein und dasselbe Wesen. Und hierin liegt die Wahrheit des Satzes, daß Denken und Sprechen dieselbe Wurzel haben, mit anderen Worten, daß nur ein zum Denken veranlagtes Wesen die Sprache auszubilden bzw. nur ein auf das Sprechen hinorganisiertes Wesen auch die Fähigkeit des Denkens zu entwickeln vermochte. In beiden Veranlagungen aber gibt sich das Wesen des Menschen kund. Von diesem muß daher zur "Erklärung" sowohl der einen wie der andern ausgegangen werden. Wenn wir im vorangehenden Kapitel dieses Wesen in der Geistigkeit des Menschen erblickten, so kommt es nicht auf dieses Wort an, sondern darauf, was darunter verstanden wird. Wir verstanden darunter aber sein Zugeordnetsein zu bzw. sein Offensein für den Wesensgrund der Welt, - den die scholastische Philosophie im Inbegriff der universalia zu fassen versucht hat. Einen Ausdruck findet dieses Offensein in der menschlichen Sprache, einen andern im menschlichen Denken.

   Ein dritter Ausdruck liegt in der besonderen Form des Menschenleibes vor. Daher denn auch schon immer darauf hingewiesen worden ist, daß menschliche Gestalt, Sprache und Denken eine zusammengehörige Einheit und Ganzheit bilden, aus der keines der Elemente herausgelöst werden kann. Ebensowenig wie das menschliche Denken vor tierischen Intelligenzleistungen hergeleitet, wie die menschliche Sprache als eine Fortentwicklung tierischer Lautäußerungen verstanden, ebensowenig kann die Menschengestalt von tierischen Formen abgeleitet werden. Auch sie wird nur als Offenbarung des menschlichen Wesens selbst verständlich. Mit dem Hinblicken auf die Menschengestalt aber ist das Rätsel der Urzeit aufgerollt.

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I.4, Urzeit + Menschengestalt