Das Hexagramm als Zeichen des Logos

  Im Hexagramm, dem Sechsstern, in dem zwei Dreiecke sich verschlingen, erlebte der Rosenkreuzer das Geheimnis des >Ehernen Meeres<, d.h. die Vereinigung der beiden Gegensätze, die wie Wasser und Feuer sich bekämpfen. Und in der Tat: Im Seelischen (Astralleib) lodert das Feuer der Triebe, die den Menschen zur Ichsucht verführen, während die unpersönliche Weisheit (Ätherleib) dem Wasserelement verwandt ist, das sich hingibt und verzichtet. In folgenden Symbolen veranschaulichen dies die Rosenkreuzer: 

   Ist das Pentagramm (der Fünfstern) das Zeichen des Menschen, das in der gegenwärtigen >fünften< Kultur zur Entscheidung zwischen Gut und Böse führt, so ist das Hexagramm das Siegel des Logos, das in der sechsten Kultur (im slawischen Osten) seine Erfüllung finden soll. Hiermit wird die alte Symbolik, wie sie uns aus den Bildern des Sündenfalls entgegenkommt, erlöst. Denn nur die Logoskraft kann uns aus dieser Spaltung unserer Persönlichkeit befreien.

  Die Vermählung des dionysischen Erkenntnistriebes mit der von oben kommenden gnadenvollen Weisheit führt nicht zur unpersönlichen Wahrheit, sondern zur überpersönlichen Weisheit, die vom Ich durchdrungen ist. Die orientalische Weisheit ist unpersönlich, die christliche ist überpersönlich. Sie befreit den Menschen von seiner egozentrischen Persönlichkeit. Das kann man gerade aus jedem Christuswort, das uns die Evangelien vermitteln, erkennen. Jedes dieser Worte entspringt ganz aus der Persönlichkeit des Christus Jesus und ist oft von dionysischer Feuerkraft durchdrungen; und doch offenbart jedes Wort eine überpersönliche Weisheit, die objektive Gültigkeit hat. Vergleicht man die Worte der Evangelien mit orientalischen Weisheitslehren, wie den Reden des Gautama Buddha, so sieht man, welcher Unterschie zwischen beiden besteht. Die Reden Buddhas wirken wie der unpersönliche Strom des Wassers, das unberührt vom Persönlichen dahinfließt. Aus den Christusworten ist die Persönlichkeit des Verkünders nicht wegzudenken. In alle Weisheitsoffenbarungen leuchtet das Ich hinein. Nur dadurch kann der objektive Geist in den Menschen einziehen und sich dort verleiblichen, so wie das persönliche Ich geadelt und aus der Ichsucht befreit wird. Diese Durchdringung von Wasser und Feuer wird im Menschen die Liebe gebären, die von Weisheit durchdrungen ist. Daher bezeichnet der Apokalyptiker Johannes diese sechste Kulturperiode als die Gemeinde von >Philadelphia<, aus der der Bruderbund dereinst hervorgehen soll...


Siehe auch das Kapitel: "Der neue Mercurio als Ziel des Alchimisten"  Der neue Mercurio