I.8 Wer sind die gestürzten ahrimanischen Engelwesen?

   Vielleicht kann man den Kampf, der auf der Erde entbrannte zwischen den Michaelsmächten und den 1879 zur Erde geworfenen ahrimanischen Engelwesen, besser verstehen, wenn man sich die Frage vorlegt, um welche Wesen es sich eigentlich handelt? In den wichtigen Vorträgen "Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen" (GA129) wird von zwei Engelgruppen gesprochen, welche in der ägyptisch-chaldäischen Zeit Führer der Menschheit waren. Es waren Wesenheiten, die schon am Ende der Mondenentwicklung ihre Engelstufe erreicht hatten, dann in der ägyptischen Kulturepoche sich spalteten: "Es ist wirklich ein gewaltiger Unterschied zwischen diesen zwei Klassen von Engelwesen, ein Unterschied, dessen Verständnis ungeheuer wichtig ist für das höchste Mysterium unserer Menschheitsentwicklung." Es wird in diesen Vorträgen geschildert, daß Christus als das höchste kosmische Geisteswesen auch der Lehrer und Führer aller Geistwesen der Hierarchien ist. Es gab beim Herabstieg des Christus vom göttlichen Ursprung der Welt zur Erde Ereignisse für diese geistigen Wesenheiten, die ähnlich dem Ereignis von Golgatha für die Menschen waren.

   Für die Engelwesen fand ein solches Ereignis in der ägyptisch-chaldäischen Kulturepoche statt. Dadurch wurde es den Engelwesen ermöglicht, sich dem Christuswirken zu öffnen. Engelwesen, welche den Christusimpuls aufnahmen, erreichten eine höhere Stufe ihrer Entwicklung. Andere Engelwesen, welche sich zu stark mit den in dieser Zeit zur Erde gerichteten Impulsen verbunden hatten, lehnten den Christusimpuls ab. Die zur Erde tendierenden Kräfte waren in der dritten Kulturepoche sehr stark. Diese Tendenz zur Erde hängt, wie wir wissen, auch mit den Mumifizierungen der Leiber in Ägypten zusammen. Dazu in: "Welt, Erde und Mensch" I. Vortrag (GA105): "Denken Sie Ihre Seele nach dem Tode zurückgeleitet durch den Gang der Pyramide in höhere Sphären - aber Ihren Leib als Mumie festgehalten. Das hatte eine okkulte Folge. Die Seele mußte immer herunterschauen, wenn da unten der Mumienleib lag. Da wurden die Gedanken verfestigt, verknöchert, verhärtet, da wurden die Gedanken hereingebannt in die physische Welt." Der Verstorbene sollte durch die Erhaltung des physischen Leibes über den Tod hinaus mit der Erde verbunden bleiben. Die Menschheitsentwicklung zielte in dieser Zeit auf eine stärkere Verbindung mit der Erde und ihren Kräften hin. Das konnte in einer zweifachen Weise vollzogen werden. Wurde es vollzogen durch die Impulse der durchchristeten Engel, dann führte es zu einem rechten Verstehen des Mysteriums von Golgatha, durch welches Christus sich mit S35 der Erde verbinden wollte, um in sie den Geistkeim einer neuen Erde zu legen. Wurde aber diese Tendenz zur Erde von den nichtdurchchristeten Engeln, ohne den Christusimpuls, durchgeführt, dann entstand daraus eine zu starke Verbindung mit der physischen Erde, und das führte später den Materialismus herauf, den wir heute haben.

   Wir leben gegenwärtig in einer Wiederholung der dritten nachatlantischen Kulturepoche, aber auf einer höheren Stufe. Wir finden deshalb auch beide Ströme, die durchchristete und die nicht durchchristete, in unserer Zeit wieder. Engelwesen, die sich damals durchchristen konnten, wirken heute als die die Menschen inspirierenden, helfenden Geistwesen unter der Führung des Erzengel Michael. Das liegt wohl auch dem Michaelspruch zugrunde:


"Ihr, die hellen Äther-Welten-Wesen

tragt das Christuswort zum Mensch,

so erscheint Michael, der Christuskünder,

den erharrenden, durstenden Seelen."

(GA40)

   Die anderen, die undurchchristeten, gefallenen Engel, die sich zu stark mit den physischen Erdenkräften verbanden, werden zu Inspiratoren eines atheistischen Verstandesdenkens, einer rein materialistischen Naturbetrachtung, eines intellektuellen Denkens ohne jeden Moralimpuls. Durch das Erkennen dieser beiden Engelgruppen hat man einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis unserer Zeit in der Hand: "Diese also charakterisierten zwei Strömungen gehen in unserer Zeit durcheinander. Unsere Zeit ist nur zu verstehen, wenn man weiß, daß in ihr diese beiden Strömungen der geistigen Führung vorherrschen" ("Weltenwunder..." GA129). Und Rudolf Steiner betont ausdrücklich: "Wesen aus der Hierarchie der Angeloi sind es, die seit dem Jahre 1879 unter uns wirken" ("Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt. Der Sturz der Geister der Finsternis" GA177).


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