II,10 Ahriman und die Geister der Form

    Als die ersten 666 Jahre sich vollendeten, erwachte das intellektuelle Denken, welches später den Materialismus brachte. Der Kampf Ahrimans richtete sich gegen das Denken und damit gegen die einzelnen Träger des Denkens, die Menschen. Als die zweiten 666 Jahre sich vollendet hatten, führte Ahriman seinen Kampf gegen die Gemeinschaft der Templer. Er ergriff nicht nur den einzelnen Menschen, sondern suchte in die Gemeinschaften von Menschen einzudringen, er griff in das Erleben und Fühlen der Menschen ein. Bei der Erfüllung der dritten 666 Jahre führt er den Kampf gegen die Menschheit, gegen das Wollen der Menschen, gegen das Ich, und damit gegen das, was der Erde und der Menschheitsentwicklung den Sinn gibt. Es entbrennt der Kampf um die Erde. Ahriman will sich jetzt die Erde untertan machen. Die Erde soll seine Richtung nehmen. Diesen Willen, sich zum Herrn der Erde zu machen, kann man seit dem Eintritt der Michaelherrschaft in den großen sozialen oder politischen Bewegungen gespiegelt finden. Schon in dem Wort: "Proletarier aller Länder vereinigt euch", also der ganzen Erde, leuchtet er auf. Dann sieht man ihn deutlich in dem immer stärkeren Heraufkommen der kommunistischen Bewegung. Der treibende Impuls, darüber darf man sich nicht täuschen, ist auch hier, sich die ganze Erde zu erobern. Der Gegensatz zwischen Rußland und Amerika geht im Grunde um die Vorherrschaft auf Erden. Besonders deutlich wurde dieser Wille im Nationalsozialismus Adolf Hitlers. Schon im Römischen Reich wurde ein erster Versuch gemacht, einem Volke die Weltherrschaft zu übergeben. Er schlug fehl. Es ist der Wille Ahrimans, mit asurischer Machtentfaltung alles auf der Erde auszulöschen, was sich diesem Willen entgegenstellt.

   Wir erinnern uns, daß auf jeder Stufe der Hierarchie Wesenheiten zurückbleiben: "Nun werden Sie sich leicht vorstellen können, daß es Wesenheiten gibt, die sozusagen hätten aufsteigen sollen während der Mondenentwicklung zu der Ordnung der Offenbarungen und Gewalten, und die nur bis zu den Urkräften gekommen sind. Das sind andere Urkräfte als die, welche im regelrechten Gange der Entwicklung aufgestiegen sind zu Urkräften. Es gibt also solche Urkräfte, die auf der Erde eigentlich verkappte Gewalten sind ("Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten..." GA102).

   Gewalten sind Geister der Form, sind die Elohim, welche die Erde geschaffen haben. Jahve war einer von ihnen, der zunächst die eigentliche Erdenentwicklung leitete, während die anderen Elohim sich zurückhielten. Andere Wesen, die diese Stufe erreichen sollten, fielen zurück, stehen also zwischen S41 Archaiwesen und Geistern der Form, wirken aber als Archaiwesen: "Zu denen gehört - allerdings nur für diejenigen, die so etwas vom Standpunkte der Geisteswissenschaft ansehen - dasjenige Wesen, das man mit Recht den "Satan" nennt, Satan, den widerrechtlichen Fürsten dieser Welt. Der rechtliche ist eine Gewalt: Jahve oder Jehova; der widerrechtliche gehört der Ordnung der Urkräfte an. Er drückt sich dadurch aus, daß er bei den Menschen den Zeitgeist fortwährend in Verwirrung bringt, daß er die Menschen dazu bringt, dem Epochalgeist fortwährend zu widersprechen." Er ist der widerrechtliche Fürst unserer Erde, "der Anspruch darauf macht, eigentlich den Menschen zu lenken und zu leiten" ("Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten..." GA 102).

   Die Geister der Form sind Wesenheiten, die in der 8. Sphäre leben. Der Mensch lebt in der 4. Sphäre, über ihm sind noch drei Sphären, die zu ihm gehören, seine Zukunft darstellen. Darüber ist die 8. Sphäre: "Wenn Sie nun diese 8. Sphäre ins Auge fassen, dann leben darinnen nicht nur unsere göttlichen Schöpfergeister, sondern darinnen leben außerdem in dieser Sphäre die ahrimanischen Wesenheiten" ("Die Sendung Michaels" GA194). Nehmen wir dazu noch einen anderen Ausspruch. "In der physischen Welt herrschen die Geister der Form, und sie teilen sich die Herrschaft mit Ahriman." So daß wir 1998, in der dritten Vollendung der 666 Jahre, dem Ahriman selbst begegnen werden als einem Archaiwesen, aber mit einer Macht ausgestattet, die sich der der Geister der Form annähert. Also ein gefährlicher Gegner Michaels und der ihm Dienenden. Er ist ein Geist, der die Macht hat, den Kampf um die Erde aufzunehmen. Wir wissen zwar nicht genau, wann die Inkarnation stattfinden wird, aber daß wir mit der Jahrhundertwende in ein neues und entscheidendes Stadium der Menschheitsentwicklung eintreten werden, ist, wenn wir das äußere Geschehen in der Menschheit beobachten, offensichtlich. Die alte Welt wird endgültig versinken. Auf allen Gebieten des kulturellen Lebens wird sich ein harter, entscheidender Kampf zwischen dem durchchristeten Denken und dem nichtdurchchristeten abspielen. Nach dieser gewaltigen Auseinandersetzung werden wir in einer Welt sein, die in nichts mehr unserer heutigen gleichen wird.

   Es gibt merkwürdige Parallelereignisse, von denen man etwas ablesen könnte. Als Christus in der Mitte der atlantischen Zeit auf der Sonne erschien, nahmen die gestürzten Drachengeister ihren Kampf gegen den Christusimpuls von der Erde aus auf. Als das Mysterium von Golgatha in Palästina stattfand, versuchte der Schwarzmagier in Mexiko sich eine Macht zu erobern, um die Wirkung dieses Ereignisses zunichte zu machen. Als im 15., 16. Jahrhundert Michael eine übersinnliche Schule in der geistigen Welt begründete, in welcher er alle Menschen, aber auch untermenschliche Wesen und höheren S42 Geistwesen versammelte, die zu ihm gehörten, um sie auf die entscheidenden Ereignisse im Beginne des dritten Jahrtausends vorzubereiten, begründete auch Ahriman eine Schule, in welcher er alle ihm Angehörenden in Schulung nahm, um sie auf sein Kommen im Beginne des dritten Jahrtausends vorzubereiten: "Während Michael oben seine Scharen schulte, wurde eine Art unterirdischer, unmittelbar unter der Oberfläche der Erde liegender ahrimanischer Schule begründet" (Arnheimer Vorträge GA240). Als 1879 Michael seine Zeitenherrschaft antrat, um dem Christus den Weg zu bahnen, konnten die ahrimanischen Wesen auf der Erde den Materialismus zu einem Gipfel führen, zu einer Kulmination, die noch durch lange Zeiten den Materialismus erhalten und weiterführen wird. Als Christus sein zweites Golgatha erlebte, waren die Toten, welche sich mit dem Materialismus durchdrungen hatten, so mächtig geworden, daß sie das Christusbewußtsein in der Ätherwelt zum Erlöschen bringen konnten.

   Und eine weitere Parallelerscheinung, die in unserer Zeit vielleicht bedeutsamste, schildert Rudolf Steiner. Er beschreibt zunächst, wie Ahriman als Schriftsteller auftreten wird. Er konnte schon durch Nietzsche einige Bücher schreiben. Das aber wird nur ein Anfang sein. Er wird selbst durch bestimmte Menschen Bücher mit einer blendenden Intelligenz schreiben, und zwar auf allen Gebieten der Wissenschaft, des sozialen und kulturellen Lebens, um die Menschen zu seinen Zielen zu führen. Er wird schon jetzt auf der Erde lebende Menschen schulen, damit er sie später als Werkzeuge gebrauchen kann. Und Rudolf Steiner sagte, daß die für die michaelische Intelligenz wirkenden Erdenmenschen Wachsamkeit entwickeln müssen "gegenüber der glänzenden, blendenden, durch das ganze zwanzigste Jahrhundert hindurchwirkenden Arbeit von Ahriman als Schriftsteller. Er wird an den sonderbarsten Stellen seine Werke schreiben; sie werden aber da sein, diese Werke, und seine Schüler bildet er sich heran." Und dann fährt er mit etwas sehr Überraschendem fort: "Es erscheint gar manches schon in unserer Zeit, was zunächst die unterbewußten Seelen heranbildet, damit sie schnell sich wiederverkörpern und Werkzeuge werden können für Ahriman als Schriftsteller." Es werden sich also bei der Jahrhundertwende nicht nur die zur Michaelsströmung gehörenden Menschen wiederverkörpern, sondern auch Menschen aus dem Strom Ahrimans: "Das wird die Situation sein, welcher die Menschheit wird entgegenzuleben haben mit dem Ende des Jahrhunderts." Nichts kann deutlicher zeigen, wie Ahriman auf die Wende des Jahrhunderts hinschaut und wie er sich gerade auf dieses Ereignis vorbereitet. Er hat die Macht, auch seine Schüler für diesen Kampf auf die Erde herunterzubringen. Und er, Ahriman, weiß, S43 worum es gehen wird. Die Aufgabe der Anthroposophischen Gesellschaft mit all ihren Tochterbewegungen beschreibt Rudolf Steiner so: "Und zweierlei wird es in der ferneren Entwicklungsgeschichte der Menschheit geben. Da wird die Bemühung sein müssen, dasjenige, was einstmals von Michael den prädestinierten Seelen in überirdischen Schulen gelehrt worden ist, fortzupflanzen in der irdischen Region, soweit es möglich sein kann, in der Anthroposophischen Gesellschaft andächtig in diesen Kenntnissen zu sein, und die, welche in den folgenden Inkarnationen nachkommen werden, darin zu unterrichten, bis das Ende des zwanzigsten Jahrhunderts da sein wird" (Arnheimer Vorträge GA240).


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