II,13 Was will Ahriman in seiner Erden-Inkarnation erreichen?

   Wir kommen jetzt zu dem schwersten Erkenntnisproblem: Was will Ahriman mit seiner Inkarnation auf der Erde erreichen? Wir müssen uns an einiges erinnern, was hier bereits besprochen wurde, um uns diesem Problem anzunähern. Es kann nur eine Annäherung sein!

   Rudolf Steiner sprach von dem größten Schwarzmagier, der sich durch viele Morde präpariert hatte und dadurch zu den größten Geheimnissen vorgedrungen war, die auf diesem Wege zu erreichen sind: "Er stand unmittelbar vor einer großen Entscheidung, als das Jahr 30 heranrückte, vor der großen Entscheidung, durch eine fortdauernde Initiation wirklich als einzelne Menschenindividualität so mächtig zu werden, daß er das Grundgeheimnis gekannt hätte, durch das er der folgenden menschlichen Erdenevolution einen solchen Anstoß hätte geben können, daß wirklich die Menschheit im vierten und fünften nachatlantischen Zeitraum so verfinstert worden wäre, daß zustande gekommen wäre das, was die ahrimanischen Mächte für diese Zeiträume angestrebt haben" ("Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit" Bd.2,GA171). Das wurde von dem Sonneneingeweihten Vitzliputzli verhindert. Was aber ist das Grundgeheimnis, das er sich aneignen wollte, um in fortdauernder Initiation so mächtig zu werden, daß er nicht nur die vierte nachatlantische Epoche hätte verfinstern können, sondern auch unseren 5. nachatlantischen Zeitraum? Was ist eine andauernde Initiation? Im vierten Zeitraum machten die ahrimanischen Wesen den Versuch, im Römischen Reich eine Gemeinschaft zu erzeugen, die durch eine Erstarrung und Mechanisierung des Lebens zu einem blinden Gehorsam und Unterwerfung unter das Römertum geführt hätte, zu einer von Europa ausgehenden Staatsmaschine mit ärgster Machtentfaltung und strengstem Zentralismus, welche alles religiöse und alles künstlerische Leben sich unterworfen hätte und alle Individualität hätte ersterben lassen! Aber das, was sich im Römertum bereits an Egoität entwickelt hatte, wirkte dem entgegen: "Denn gerade innerhalb dieser römischen Welt entwickelten die ahrimanischen Kräfte etwas wie einen bedeutsamen großen Versuch als Wiederholung ihres Versuches in der atlantischen Zeit, unendlich starke Kräfte und Mächte. Aber sie konnten das nicht erreichen" ("Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit" Bd.2,GA171). 1933, mit dem Anbruch des Nationalsozialismus in Deutschland, wurde der Versuch, ein neues ahrimanisiertes Römerreich zu begründen, wiederholt "mit ärgster staatlicher Machtentfaltung und strengstem Zentralismus", um alle Individualität, alles Eigendenken auszurotten. Es war zentral S51 gegen das Erscheinen des ätherischen Christus gerichtet. Soviel diese Mächte auch damals erreichten, es schlug im wesentlichen fehl. Aber das "Gespenst des Römischen Reiches" ("In geänderter Zeitlage" GA186) lebt weiter. Von den Doppelgängern sagt Rudolf Steiner, daß sie kurz vor dem Tode des Menschen dessen Leib verlassen müssen, denn sie können den Tod nicht vertragen: "Daher müssen sie diesen menschlichen Leib, in dem sie sich festsetzen, immer auch - bevor er von dem Tode befallen wird - verlassen. Das ist eine herbe Enttäuschung immer wiederum, denn sie wollen gerade das sich erobern: in den menschlichen Leibern zu bleiben über den Tod hinaus. Das wäre eine hohe Errungenschaft im Reiche dieser Wesenheiten, - das haben sie zunächst nicht erreicht" ("Das Geheimnis des Doppelgängers" GA178+181). Warum haben sie es nicht erreicht? "Wäre das Mysterium von Golgatha nicht geschehen, wäre der Christus nicht durch das Mysterium von Golgatha gegangen, so wäre es längst so auf der Erde, daß diese Wesenheiten sich die Möglichkeit erobert hätten, im Menschen auch drinnen zu bleiben, wenn dem Menschen der Tod karmisch vorbestimmt ist. Dann hätten sie überhaupt über die menschliche Entwicklung den Sieg davon getragen, und sie wären Herren der menschlichen Entwicklung auf der Erde geworden" ("Das Geheimnis des Doppelgängers" GA178+181). Rudolf Steiner fügt dann hinzu: "Das ist von einer ungeheuer tiefgehenden Bedeutung: einzusehen diese Zusammenhänge zwischen dem Durchgehen des Christus durch das Mysterium von Golgatha - und diesen Wesenheiten, die den Tod in der Menschennatur erobern wollen, aber ihn heute noch nicht (von mir gesperrt) ertragen können" ("Das Geheimnis des Doppelgängers" GA178+181). Heute noch nicht! Sie streben es an! Das Mysterium von Golgatha verhinderte das bis heute. Die Doppelgänger leben, wie wir hörten, im Unbewußten des Leibes. Sie sind durch den Leib mit dem Menschen verbunden. Christus schuf im Durchgehen durch Golgatha den neuen Leib, den Auferstehungsleib, das Phantom. Nur durch ihn kann der Mensch nach dem Tode sein volles Ichbewußtsein aufrecht erhalten, kann sich die Unsterblichkeit erringen. Er kann von sich selbst wissen, kann dadurch mit der Erde geistig verbunden bleiben. Unsterblichkeit ist nicht einfach Weiterleben nach dem Tode, sondern ein Bewußtsein zu haben seiner Selbst. Das kann man nur, wenn man einen Geistleib nach dem Tode entwickeln kann. Wollen die Doppelgänger sich im Menschen und durch den Menschen eine Art ahrimanischen Geistleibes erringen, um doch sich noch zu Herren der Erde zu machen?

   In dem Zyklus: "Das Verhältnis der Sternenwelt zum Menschen und des Menschen zur Sternenwelt" (GA219) schildert Rudolf Steiner eine merkwürdige Tatsache. Er spricht von widerrechtlich auf der Erde wohnenden Mond-, Venus- und Merkurwesen: "Diese Wesenheiten sind identisch mit denjenigen Wesenheiten, die ich S52 sonst immer der Kategorie der ahrimanischen Wesenheiten zuzähle. Sie haben die Aufgabe, den Menschen möglichst auf der Erde zu erhalten". Er spricht davon, daß die Erde sich einmal auflösen wird und in den Jupiterzustand übergehen wird: "Das wollen diese Wesenheiten verhindern. Sie wollen namentlich verhindern, daß der Mensch regelmäßig mit der Erde sich bis zu Ende entwickelt und dann in einer normalen Weise in den Jupiterzustand hinüberwächst; sie wollen die Erde konservieren in ihrem Dasein..." (ebenda). Sie wollen also den Menschen um seine Zukunft bringen. Sie wollen eine ganz andere Erdenentwicklung und eine ganz andere Entwicklung der Menschen auf der konservierten Erde. Den Menschen aus der ihm zugedachten Höherentwicklung herauszulösen, ist keine leichte Aufgabe. Aber sie wissen, wie sie es versuchen können: "Diese widerrechtlich auf der Erde wohnenden Mond-, Venus- und Merkurwesenheiten versuchen nun, aus dem Erdenäther den Menschen eigentlich im Schlafzustande einen Ätherleib zu geben. Es gelingt ihnen eigentlich fast nie. In seltenen Fällen, von denen ich später einmal sprechen werde, ist es ihnen gelungen: aber es gelingt ihnen fast nie" (ebenda). Der normale Ätherleib ist aus dem kosmischen Weltenäther zusammengezogen. Diese ahrimanischen Wesenheiten wollen einen Ätherleib aus dem Erdenäther bilden. Das ist ein gewaltiger Unterschied! Ein solcher Ätherleib würde keine kosmische Weisheit mehr in sich tragen, sondern nur Erdenweisheit, kein Weltendenken, sondern nur Erdendenken. Man würde also durch einen solchen Ätherleib an die Erde gefesselt und vom Kosmos abgeschnitten. Und weiter: "Würde es solch einem ahrimanischen Wesen gelingen, dem Menschen so stufenweise einen ganzen Ätherleib hineinzubringen, so würde er nach dem Tode, wenn er in seinem Ätherleib ist, sich im Ätherleib erhalten können. Der Ätherleib löst sich sonst ja in wenigen Tagen auf. Aber der Mensch würde sich im Ätherleib erhalten können, und es würde nach und nach ein ätherisches Menschengeschlecht entstehen. Das ist es, was von dieser Seite der geistigen Welt gewollt wird. Dann würde die Erde dadurch konserviert werden können. Tatsächlich haben wir innerhalb des festen und des wässerigen Erdengefüges ein solches Heer von Wesenheiten, die die Menschheit nach und nach bis zum Erdenende zu lauter Gespenstern, zu ätherischen Gespenstern machen möchten, so daß das Ziel, das normale Ziel der Erdenentwicklung nicht erreicht werden könnte" (ebenda), der Mensch also nach dem Tode in seinem aus Erdenäther gebildeten neuen Ätherleib gefangen bleibt, denn dieser Ätherleib würde sich nicht auflösen. Der Mensch würde festgehalten werden im Ätherteil der Erde. Er würde nicht zu kosmischen Höhen aufsteigen können, würde als ichloses Seelenwesen für immer an die Erde gefesselt sein. Diesen Vorgang nannte Rudolf Steiner auch "die Verirdischung der spirituellen Leiblichkeit S53 des Menschen". Um eine hier wirksame religiöse Bewegung etwas mehr kennenzulernen, besuchte ich vor längerer Zeit eine Einführung in ihre religiöse Gedankenwelt. Dazu gehörte das Ansehen von zwei Filmen. Ein Film handelte über das Leben nach dem Tode. Man sah die Verstorbenen als Mann und Frau, wie sie im Erdenleben gelebt hatten, Mann als Mann, Frau als Frau. Sie hatten dieselben irdischen Leiber wie auf der Erde, ja dieselben Anzüge und Kleider. Sie redeten und freuten sich, wie auf der Erde. Diese Menschen nehmen ihre rein materialistischen Bilder vom Leben nach dem Tode mit hinüber. Sie fühlen sich wohl in einer Athmosphäre, wo sie in Leibern leben können, die wie ihre Erdenleiber sind. Sie entwickeln kein Bedürfnis, über diese Sphäre hinauszustreben. Das hängt nun mit einem anderen, höchstbedeutsamen Impuls Ahrimans zusammen. Erinnern wir uns, daß es die Aufgabe der Luzifer-Inkarnation war, ein Denken auf der Erde zu erzeugen durch die Schaffung eines physischen Leibesorganes, des Gehirns. Luzifer war das erste auf der Erde lebende inkarnierte Wesen, welches dieses Gehirndenken betätigen konnte. Ahriman setzt sich heute das entgegengesetzte Ziel, nämlich das Denken unabhängig zu machen vom physischen Gehirn. Daß er den Drang hat, das Denken zu erhalten, welches auf der Erde intellektuell tätig ist - führt Rudolf Steiner aus-, sieht man an den vielen Bibliotheken, welche das Erdenwissen in Millionen von Büchern bewahren und damit auch die Art des heutigen Denkens. Aber das ist nur ein, allerdings wichtiges Symptom seines Willens, dieses Denken vor der Zerstörung zu bewahren: "Wenn er nun sein Gebiet überschreitet, dann bekommt er die Tendenz, die Intention, das Denken abzulösen von seinem sterblichen Instrument, dem Gehirn, es zu verselbständigen; loszureißen das physische Gehirn, in dessen Vernichtungsstrom dieses Denken sich hineinergießen sollte, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Ahriman hat die Tendenz, wenn er den Menschen hineinläßt als physisches Wesen in die Strömung des Todes, loszulösen von dieser Vernichtungsströmung das Denken. Das macht er das ganze menschliche Leben hindurch, daß er immer dieses Denken faßt mit seinen Krallen und den Menschen so bearbeitet, daß das Denken sich losreißen will von der Vernichtung" ("Die Schwelle der geistigen Welt" GA17).

   Dieses Denken, das Ahriman auf der einen Seite im physischen Erdenleben nicht nur erhalten, sondern zur einzigen Erkenntnisquelle machen will, soll, auf der anderen Seite, nach dem Tode sich nicht auflösen mit dem Ätherleib des Menschen; es soll unabhängig vom Gehirn weiterleben. Dadurch würde Ahriman eine Macht erhalten, wie er sie bisher nicht hatte. Man muß sich dieses noch von einer anderen Seite klarmachen: Der Ätherleib ist ein S54 Gedankenleib, ein lebendiger Gedankenleib. Aber er kann seine lebendige Kraft verlieren und verdorren, dann entsteht reines Gehirndenken: "Was so im ätherischen Leib lebt, ist aus dem ätherischen Wesen des Kosmos in den Menschen hineingewoben. Es kann sich nie ganz vom Kosmos ablösen. Es setzt sich das kosmisch-ätherische Geschehen in die menschliche Organisation herein fort; und die innermenschliche Fortsetzung ist der Ätherorganismus. Daher kommt es, daß in dem Momente, in dem nach dem Tode der Mensch in seiner Ätherorganisation sich bewußt wird, dieses Bewußtsein auch schon beginnt, sich in ein kosmisches Bewußtsein umzuwandeln. Der Mensch fühlt den Weltenäther gerade so wie seinen Ätherorganismus als etwas, was in einer eigenen Wesenheit ist. Das heißt aber in Wirklichkeit: der Ätherleib löst sich nach kurzer Zeit im Weltenäther auf" ("Kosmologie, Religion und Philosophie" GA215). Auflösung des Ätherleibes bedeutet also Umwandlung des Erdenbewußtseins in ein kosmisches Bewußtsein, bedeutet auch Aufsteigen zur kosmischen Weiterentwicklung des Menschen. Wie ist es aber, wenn dem Menschen durch die genannten widerrechtlichen Wesen ein Ätherleib eingegliedert werden kann, der nicht aus kosmischem Äther gewoben ist, sondern nur aus Erdenäther, der sich nicht auflöst, nicht in ein kosmisches Bewußtsein sich wandeln kann? Ein solcher Mensch könnte sich nicht mehr zur kosmischen Weiterentwicklung erheben, bliebe mit seinem Bewußtsein an die Erde gefesselt, denn sein Bewußtsein ist nur Erdenbewußtsein, ist nur Erdendenken. Durch diesen Ätherleib, der nur Erdendenken entfalten könnte, wird der Mensch von allem kosmischen Leben losgerissen und ganz den unteren Erdenkräften geöffnet.

   Man bedenke: Durch das Mysterium von Golgatha schafft Christus den Auferstehungsleib, den zum Phantom gewandelten Ätherleib, der auch für den Menschen bestehen bleibt, aber mit einem weltenweiten, kosmischen Bewußtsein, durchdrungen von einem spirituellen, wachen Ichbewußtsein. Es ist die innere Aufgabe der Anthroposophie in der Gegenwart, das intellektuell und trocken gewordene, gehirngebundene Denken zu beleben, damit es ätherisiert, spiritualisiert wird. Dadurch wird es langsam frei vom Gehirn, unabhängig vom Gehirn. Es wird ein leibbefreites Denken, ein Denken, welches sich dem Kosmos öffnen kann. Der ahrimanische "Auferstehungsleib", wenn man es wagen darf, ihn so zu nennen, gibt dem Menschen auch denkendes Bewußtsein über den Tod hinaus, gibt ihm "ewiges Leben", aber nur im Zusammenhang mit der konservierten Erde. Christus will aus der alten Erde eine neue spirituelle schaffen: den Jupiterzustand der Erde. Ahriman will die alte Erde mit ihrer Ätherhülle konservieren, verdichten, verhärten, um sie zu S55 einem Wohnplatz seiner Wesen zu machen, um sich aus ihr einen neuen eigenen Planeten zu schaffen. Er will das intellektuelle Denken durch einen "verirdischten Ätherleib" für das Leben nach dem Tode erhalten, auch wenn kein physisches Gehirn mehr da ist.

   In den Vorträgen "Das Geheimnis des Lebens nach dem Tode" (GA159) spricht Rudolf Steiner, wie ich schon erwähnte, über gewisse okkulte Gesellschaften, die dem Ahriman auf der Erde dienen. In ihrer Mitte verrichten sie of alte magische Kulte, die die Teilnehmer zusammenbinden, auch über den Tod hinaus. Sie möchten aber nicht nur auf der Erde ihre Ziele verfolgen, sondern für sie auch nach dem Tode weiter tätig sein: "Das andere aber ist das, daß diese Menschen, die sich so in die Kreise gewisser zeremoniell-magischer Gesellschaften begeben, sich selber wiederum eine Macht über den Tod hinaus, gewissermaßen eine ahrimanische Unsterblichkeit sichern. Und das ist der tragende Gedanke! Für sie ist gewissermaßen die Gesellschaft, der sie sich angeschlossen haben, ein gewisser Bürge, daß Kräfte von ihnen über den Tod hinausleben, die eigentlich nur bis zu ihrem physischen Tode leben sollten. Und dieser Gedanke spielt heute in mehr Menschen eine Rolle, als Sie denken, der Gedanke, sich eine ahrimanische Unsterblichkeit zu sichern... die ahrimanische Unsterblichkeit, die darin besteht, daß man nicht nur als ein einzelner individueller Mensch wirkt, sondern daß mam wirkt durch das Instrument einer solchen Gesellschaft, wie sie eben charakterisiert worden ist."

   Was geschieht denn in einem alten magisch-kultischen Ritual? Die zurückgebliebenen Engel wirken während der Dauer des Kultus an den Astralleibern, ätherischen und physischen Leibern der Menschen, unter Umgehung des Bewußtseins, um diese in ihrem Sinn umzuformen, so daß sie nicht mehr imstande sind, die ewige Individualität des Menschen, welche durch die Inkarnationen geht, in sich zu bergen, dafür aber die ahrimanische Unsterblichkeit suchen.

   Ahrimanische Unsterblichkeit, das ist ein bedeutungsvolles Wort, eine Unsterblichkeit, die einem das Erden-Verstandesdenken nach dem Tode erhält und den Menschen unlöslich mit der Erde verbindet. Da wir hier vor etwas sehr Bedeutungsvollem stehen, möchte ich hierzu noch Rudolf Steiner sprechen lassen. Es bringt eine neue Seite hinzu und macht das bisher Gesagte noch etwas klarer: "Sehen Sie, wenn wir geboren werden, dann haben wir einen neuen Willen gesammelt, aber der Gedanke sondert sich ab, findet unseren Kopf, der Wille bemächtigt sich des anderen Leibes. Während wir auf der Erde leben, S56 ist ein fortwährendes Wechselwirken da zwischen Wille und Gedanke in uns. Der Wille bemächtigt sich des Gedankens, und wir müssen dieses Zusammengesetzte aus Wille und Gedanke wiederum durchtragen durch den Tod. Ahriman möchte uns daran hindern. Der möchte, daß der Wille abgesondert bleibt, daß nur der Gedanke in uns besonders ausgebildet würde: dann verlören wir unsere Individualität, wenn es zuletzt wirklich zu dem kommt, was Ahriman eigentlich will. Wir verlören vollständig unsere Individualität. Wir würden mit einem geradezu übertriebenen intensiv ausgebildeten Gedanken im Momente des Todes ankommen. Aber den könnten wir Menschen nicht halten, diesen Gedanken, und Ahriman könnte sich seiner bemächtigen und ihn einfügen der übrigen Welt, so daß dieser Gedanke in der übrigen Welt weiter wirkte. Das ist tatsächlich, sehen Sie, das Schicksal, das der Menschheit droht, wenn sie den gegenwärtigen Materialismus fortsetzt: daß die ahrimanischen Mächte so stark werden, daß Ahriman den Menschen die Gedanken wegstehlen kann und sie der Erde einverleiben kann in ihrer Wirksamkeit, so daß die Erde als Erde bestehen bleibt. Ahriman arbeitet gegen das Wort: "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen". Er will, daß die Worte weggeworfen werden und daß Himmel und Erde bestehen bleibt " ("Irdische und kosmische Gesetzmäßigkeiten" GA205,3.Vortrag)

   Ahriman will das Denken ohne den Willen. Im Willen lebt aber der Kosmos. Auf der anderen Seite will er dem Menschen einen Ätherleib geben, der nur aus Erdenäther gewoben ist, nicht aus kosmischem Äther, der den Menschen hinaufleitet zum kosmischen Bewußtsein. So schafft er ein Denken ohne Ich und kann sich dieses Denkens bemächtigen, das heißt, es in seinem Sinne verwenden. Er leitet es in seiner verhärtenden Kraft in die Erde, um sie zu konsolidieren. Er will sich zum Herrn dieser Erde machen, sich einen eigenen Planetenschaffen, mit Wesen ohne eigenes Ich.

   Was ich nun sagen werde, möchte ich als eine Vermutung aussprechen, aus der Überzeugung, daß die drei Inkarnationen geistiger Wesen in menschlichen Leibern die bedeutendsten Ereignisse in der Erdenevolution sind. Davon ist natürlich das Erscheinen des Christus auf der Erde das entscheidendste. In der kommenden Ahriman-Inkarnation wird vieles möglich werden, was Ahriman oder die ihm Folgenden seit langem angestrebt haben, bisher aber nicht erreichen konnten. Es wird ihm als ein im Erdenleib inkarniertes Wesen gelingen, das Erdendenken unabhängig vom menschlichen Gehirn zu machen, so daß die Menschen es mit hinübernehmen können in die Welt nach dem Tode. S57

   Das hat er schon durch Jahrtausende angestrebt, und es muß ihm - durch seine eigene Kraftentfaltung - teilweise möglich geworden sein. Jetzt sollen die Menschen, die seinen Weg gehen, fähig werden, ihr Denken mitzunehmen und zu erhalten, nicht nur ihre Denkfähigkeit, sondern auch ihre Erinnerung, so daß sie fähig sind, ihr erarbeitetes Wissen mitzunehmen und es auszubauen. Sie werden dadurch auch imstande sein, ihr irdisches Selbstbewußtsein erhalten zu können, auch wenn der physische Leib abgefallen ist. Das wird kein Bewußtsein ihres wirklichen Ichwesens sein, sondern ein begrenztes Erdenäther-Bewußtsein. Sie werden kein freies Ich entfalten können, sondern sie werden eine Art von bewußt-denkendem Gruppenwesen sein, Werkzeuge Ahrimans. Sie werden noch viel mächtiger werden als die bisherigen Toten, in der Beeinflussung von Menschen auf der Erde und in bezug auf die Erzeugung weltzerstörender Kräfte. Es wird Ahriman gelingen, durch die auf Erden widerrechtlich tätigen Monden-, Venus- und Merkurwesen diesen Menschen einen neuen Ätherleib einzupflanzen, der nur aus Erdenäther besteht. Er wird der Träger des mitgenommenen willenslosen Erdendenkens sein, der Träger der Erinnerung und des neuen nachtodlichen Selbstbewußtseins. Dadurch wird es auch den Doppelgängern möglich werden, in solchen Menschen zu bleiben, wenn sie die Schwelle des Todes überschreiten. Ihnen droht nicht mehr Auflösung ihres Bewußtseins; sie können nicht durch die Wandlung des Erdenbewußtseins nach dem Tode in ein kosmisches Bewußtsein in eine Bahn gerissen werden, die ihnen gefährlich werden könnte. Sie können nun in einem irdisch gewordenen Ätherleib und im Erdendenken wohnen bleiben. So können sie selbst mit der Erde und ihren Kräften verbunden bleiben und die Toten in ihrem erdgerichteten Denken und Tun stärken.

   Menschen, die eine führende Rolle in der Verfolgung der Ziele Ahrimans auf Erden innehaben, wie diejenigen, welche in okkulten Gemeinschaften mit alten Kulten wirken, werden die ersten sein, die sich die ahrimanische Unsterblichkeit erringen können. Sie werden ihre Erdenziele über den Tod hinaus mit erhöhtem Bewußtsein weiter verfolgen können. Dabei muß man bedenken, daß es eine Höherentwicklung auch in Ahrimans Reich geben wird: unbewußte Werkzeuge Ahrimans, bewußtere, mitwirkende Menschen, Engel, Erzengel, Archai und Ahriman als ein gefallener Geist der Form. Eingeweihte Sendboten Ahrimans, wie der Schwarzmagier in Mexiko, werden die Möglichkeit erlangen, sich über die Erdensphäre hinaus zu Welten zu erheben, wo sie hoffen, die Erkenntnisse zu finden, wie man die kosmische Christuswesenheit von der Erde bannen und die Erde soweit verdunkeln kann, daß das kosmische Licht in ihr erlischt, und sie die Führung der Erdenentwicklung übernehmen können. Die Schwierigkeit S58 der schwarzmagisch Eingeweihten war, daß, indem sie das kalte, herzlose Denken durch Tötung von Leben in sich erzeugten, sie so stark den Erdenschwerekräften ausgesetzt wurden, daß sie sich nicht mehr aus eigener Kraft zu kosmischen Höhen erheben konnten. Sie mußten Menschen töten, um sich in den Seelen der Geopferten, die mit Schrecken die Erde flohen, zu den erstrebten Welten hinauftragen zu lassen ("Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit" GA171,Bd.2). Sie konnten nur gelegentlich solche Höhenflüge machen, deshalb strebten sie eine andauernde Initiation an. Durch seine Erdeninkarnation und die ihm dadurch gewaltig zuwachsenden Kräfte wird dies Ahriman möglich werden. Dazu ist notwendig, daß er Menschen und Geistwesen, die ihm verbunden sind, von der rechtmäßigen Hierarchie trennt, um seine eigene zu bilden.

   Das wird durch die Archangeloi, die eigentlich zurückgebliebene Archai sind, erreicht. Ihnen wird es möglich werden, was sie bisher nicht konnten, die Menschen vollständig von ihrem rechtmäßigen Erzengel abzuschneiden. Diese hätten den Menschen ein Menschheits-Bewußtsein geben können, und das hätte sie mit der rechtmäßigen Hierarchie verbunden gehalten. Durch die Entwicklung eines Menschheitsbewußtseins wären sie frei geworden von den Erdgebundenheiten, von der nationalen Sprache, der Volks- und Blutsgemeinschaft. Das verhinderten die ahrimanischen Erzengel. So müssen sie nun die Wege Ahrimans gehen. Durch ihre neu errungene Macht wird es Ahriman gelingen, was er seit der römischen Epoche anstrebte: ein neues Weltreich entstehen zu lassen, welches mit eisern durchgeführtem Zentralismus nach innen und außen die Vorherrschaft auf Erden erringen wird, welche jede freie Ichentwicklung auf Erden unmöglich machen wird. So hofft er, endgültig die kosmische Weisheit, die Geisteswissenschaft auf Erden auslöschen zu können. Es wird Ahriman gelingen, durch neue Erkenntnisse, Entdeckungen und Erfindungen, durch Manipulationen am Leibe des Menschen einen entscheidenden Einfluß auf die Formung der Menschenseelen zu erlangen und auf dem technischen Gebiet weitere Erfolge einzuleiten in Richtung auf eine Verstärkung des "mechanistischen" oder materialistischen Okkultismus. Ahriman wird durch seine Inkarnation den Grundstein zu einem neuen Planeten legen. Damit wird der Kampf um die Erde in ein entscheidendes Stadium eintreten.

    Nun könnte man leicht, angesichts dessen, was sich entwickeln kann, mutlos werden. Aber man muß sich einen klaren unerschrockenen Blick erwerben für die Gefahren, die der Menschheit jetzt drohen, sonst erkennt man nicht, was die Jahrtausendwende bringen kann und wie hart die Auseinandersetzung werden wird: "Verfolgen Sie mit sehendem Auge, mit dem Auge, das sehen wird durch S59 die Empfindungen, von denen wir heute gesprochen haben, was durch die Gegenwart wallt und west! Vielleicht wird von manchem, was Sie erfahren, Ihr Herz wund werden. Das aber schadet nichts, denn klare Erkenntnis, auch wenn sie schmerzt, wird heute gute Früchte tragen, sobald sie gebraucht werden, um herauszukommen aus dem Chaos, in das sich die Menschheit hineinbegeben hat." Ein Wort Rudolf Steiners, das einem auch Trost geben kann, möchte ich hier noch einmal anführen: "Eine Aufgabe der Menschheit während der nächsten Entwicklungsphase der Zivilisation wird sein, der Inkarnation Ahrimans entgegenzuleben mit solch wachem Bewußtsein, daß die Inkarnation Ahrimans einer höheren spirituellen Entwicklung dienen kann." Es ist also möglich, das Wirken Ahrimans vor und während seiner Inkarnation auf Erden so zu wandeln, daß es der Höherentwicklung der Menschheit dienen kann!

   Wie kann das geschehen? Während der vorchristlichen Zeit, in welcher Luzifer wirkte, in welcher er das Gehirndenken bewirkte, mußte von den rechten Eingeweihten ein fortwährender Kampf geführt werden gegen Luzifer. Es durfte, was er brachte, z.B. das Denken, nicht luziferisch bleiben. Es mußte eine Wandlung im Interesse der Menschheit durchmachen: es mußte dem Erscheinen des Christus auf der Erde dienen. Durch den Kampf, den diese Eingeweihten gegen Luzifer führten, gelang das. Heute muß ein ähnlicher Kampf gegen Ahriman geführt werden. Er will den Menschen eine Zukunft offenbaren, wie er sie sieht, die sie nur einfach von ihm übernehmen können, ohne jede Anstrengung: "Das Wesentliche dieser Sache ist, daß auch für die Zukunftsweisheit ein ähnlicher Kampf notwendig ist, wie er geleistet werden mußte von den uralten Eingeweihten, die den Menschen die Sprache und die Fähigkeit zu denken vermittelt haben, wie er geleistet werden mußte gegen Luzifer. Wie diese Initiierten der Urweisheit dem Luzifer dasjenige abringen mußten, was menschlicher Verstand geworden ist, so muß dasjenige, was Einsicht in das innere Wesen der Dinge in Zukunft sein soll, abgerungen werden den ahrimanischen Mächten." Auf der Erde kann man sich heute die Zukunftsweisheit nur erringen im Kampfe gegen Ahriman.

   Es wird keine Rolle spielen für die Gegenwart, ob Ahriman etwas früher oder später seine Inkarnation haben wird. Er muß jetzt, das heißt bei den Ereignissen um die Jahrhundertwende, alle seine Kräfte einsetzen, sonst wird er nicht durchführen können, was er durchführen will; denn diejenigen, die der Michaelsströmung angehören, werden die Entscheidung bei der Jahrhundertwende erzwingen wollen. S60

   Dabei muß man sich ebenso klar sein über die spirituelle Kraft der kosmischen Weisheit. Auch da kann man sich im Anblick dessen, was heute in der Menschheit geschieht, täuschen, kann sie unterschätzen. Deshalb ist es gut, darüber Rudolf Steiner zu hören. Es sind Worte aus den Vorträgen "Der Sturz der Geister der Finsternis" (GA177): "Es ist wahr, was immer von den Eingeweihten gesagt wurde: Wenn das den Menschen durchströmt, was von spiritueller Weisheit kommt, dann ist es ein großer Schrecken der Finsternis für die ahrimanischen Mächte, und ein verzehrend Feuer. Wohl ist es den ahrimanischen Engeln, in den Köpfen zu wohnen, die heute mit ahrimanischer Wissenschaft erfüllt sind; aber wie verzehrend Feuer, wie ein großer Schrecken der Finsternis werden diejenigen Köpfe von den ahrimanischen Engeln empfunden, die mit spiritueller Weisheit durchsetzt sind. Nehmen wir solch eine Sache mit vollem Ernste, fühlen wir, daß - w  enn wir uns mit spiritueller Weisheit durchsetzen - wir dann so durch die Welt gehen, daß wir ein rechtes Verhältnis begründen zu den ahrimanischen Mächten, daß wir selber durch das, was wir tun, das aufrichten, was da sein muß: Daß wir zum Heile der Welt aufrichten die Stätte des verzehrenden Opferfeuers, die Stätte, wo der Schrecken der Finsternis strahlt über das schädliche Ahrimanische." Solche Stätten sind gerade im Westen eine Notwendigkeit.


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