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RUDOLF STEINER

VON DEN VOLKSTÜMLICHEN WEIHNACHTSPIELEN

EINE CHRISTFEST-ERINNERUNG

 

GA 5236
   Vor fast vierzig Jahren, etwa zwei oder drei Tage vor Weihnachten, erzählte mir mein lieber Lehrer und väterlicher Freund Karl Julius Schröer in seinem kleinen Bibliothekszimmer in der Wiener Salesianergasse von den Weihnachtspielen, deren Aufführung in Oberufer in Westungarn er in den fünfziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts beigewohnt und die er 1862 in Wien herausgegeben hatte.   Die deutschen Kolonisten dieser Gegend haben diese Spiele aus mehr westlich gelegenen Gegenden mitgebracht und ganz in alter Weise jedes Jahr um die Weihnachtszeit weitergespielt. Es sind in ihnen wahre Perlen des deutschen Volksschauspieles aus einer Zeit erhalten, die der allerersten Entstehung der modernen Bühne vorangegangen ist.   In Schröers Erzählung war etwas, das eine unmittelbare Empfindung davon erregte, wie vor seiner Seele im Anblick der Spiele ein Stück Volkstum aus dem sechzehnten Jahrhundert stand. Und er schilderte ja aus dem vollen heraus. Ihm war das deutsche Volkstum in den verschiedenen österreichisch-ungarischen Gegenden ans Herz gewachsen. Zwei Gebiete waren der Gegenstand seines besonderen Studiums. Dieses Volkstum und Goethe. Und wenn er über irgend etwas aus diesen beiden Gebieten sprach, dann teilte sich nicht ein Gelehrter mit, sondern ein ganzer Mensch, der sich der Gelehrsamkeit nur bediente, um auszusprechen, was ihn mit ganzem Herzen und intensivem Lebensinhalt persönlich damit verband.   Und so sprach er damals über die bäuerlichen Weihnachtspiele. Lebendig wurden aus seinen Worten die armen Leute von Oberufer, die jedes Jahr um die Weihnachtszeit für ihre Mitbewohner zu Schauspielern sich ausbildeten. Schröer kannte dieser Leute Art. Er hat ja auch alles getan, um sie kennenzulernen. Er bereiste das ungarische Bergland, um die Sprache der Deutschen in dieser Gegend Nordungarns zu studieren. Von ihm gibt es ein "Wörterbuch der deutschen Mundarten des ungarischen Berglandes" (1858); eine "Darstellung der deutschen Mundarten des ungarischen Berglandes" (1864). Man braucht nicht gerade eine Vorliebe für die Lektüre von Wörterbüchern zu haben, um von diesen Büchern gefesselt zu werden. Das äußere Gewand der Darstellung hat zunächst allerdings nichts Anziehendes. Denn Schröer such der wissenschaftlichen Art der Germanistik seiner Zeit gerecht zu werden. Und diese Art erscheint zunächst auch bei ihm recht trocken. Überwindet man aber diese Trockenheit und geht man auf den Geist ein, der da waltet, wenn Schröer Worte, Redensarten, Wortspiele und so weiter aus den Volksdialekten mitteilt: dann vernimmt man in wahrhaft anmutigen Miniaturbildchen Offenbarungen reinster Menschlichkeit. Aber man ist nicht einmal darauf angewiesen. Denn Schröer schickt seinen Wörterbüchern und grammatikalischen Aufzählungen Vorreden voraus, die weiteste kulturgeschichtliche Ausblicke geben. In Volkstümliches, das eingestreut in anderes Volkstum und innerhalb desselben im Untergange begriffen ist, verliebt sich eine selten sinnige Persönlichkeit und schildert es, wie man eine Abenddämmerung schildert.   Und aus dieser Liebe heraus hat Schröer auch ein Wörterbuch der Heanzen-Mundart des westlichen Ungarns geschrieben (1859) und eines der ganz kleinen deutschen Sprachinsel Gottschee in Krain (1870).   Es war immer etwas von einem tragischen Grundton da, wenn Schröer aussprach, was er empfand, wenn er hinblickte auf dieses untergehende Volksleben, das er in Form der Wissenschaft bewahren wollte.   Zur innigen Wärme steigerte sich aber diese Empfindung, als er von den Oberuferer Weihnachtspielen sprach. Eine angesehene Familie bewahrte sie und ließ sie als heiliges Gut von Generation auf Generation übergehen. Das älteste Mitglied der Familie war der Lehrmeister, der die Spielart von seinen Vorfahren vererbt erhielt. Der suchte sich aus den Burschen des Ortes jedes Jahr, wenn die Weinlese vorüber war, diejenigen aus, die er als Spieler für geeignet hielt. Ihnen brachte er das Spiel bei. Sie mußten sich während der Lehrzeit eines Lebenswandels befleißigen, der dem Ernste der Sache angemessen war. Und sie mußten sich treulich allem fügen, was der Lehrmeister verordnete. Denn in diesem lebte eine altehrwürdige Tradition.   In einem Wirtshaus waren die Aufführungen, die Schröer gesehen hat. Aber sowohl Spieler wie Zuschauer trugen in das Haus die herzlichste Weihnachtsstimmung hinein. - Und diese Stimmung wurzelt in einer echt frommen Hingebung an die Weihnachtswahrheit. Szenen, die zu edelsten Erbauung hinreißen, wechseln mit derben, spaßhaften. Diese tun dem Ernst des Ganzen keinen Abbruch. Sie sind nur ein Beweis dafür, daß die Spiele aus derjenigen Zeit stammen, in welcher die Frömmigkeit des Volkes so festgewurzelt im Gemüte war, daß sie durchaus neben naiver volkstümlicher Heiterkeit einhergehen konnte. Es tat zum Beispiel der frommen Liebe, in der das Herz an das Jesuskind hingegeben war, keinen Eintrag, wenn neben der wunderbar zart gezeichneten Jungfrau ein etwas tölpischer Joseph hingestellt wurde oder wenn der innig charakterisierten Opferung der Hirten eine derbe Unterhaltung derselben mit drolligen Späßen voranging. Diejenigen, von denen die Spiele herrührten, wußten, daß der Konstrast mit der Derbheit die innige Erbauung bei dem Volke nicht herabstimmt, sondern erhöht. Man kann die Kunst bewundern, welche aus dem Leben heraus die schönste Stimmung frömmster Rührung holt und gerade dadurch die unehrliche Sentimentalität fernhält.   Ich schildere, indem ich dies schreibe, den Eindruck, den ich empfing, nachdem Schröer, um seine Erzählung zu illustrieren, das Büchelchen aus seiner Bibliothek hervorgeholt, in dem der die Weihnachtspiele mitgeteilt hatte und aus denen er mir nun Proben vorlas. Er konnte darauf hinweisen, wie der eine oder der andere Spieler in Gesichtsausdruck und Gebärde sich verhielt, wenn er dieses oder jenes sprach. Schröer gab mir nun das Büchelchen mit (Deutsche Weihnachtspiele aus Ungarn, Wien 1858/62); und ich durfte, nachdem ich es durchgelesen hatte, ihn noch oft über vieles fragen, was mit der Spielart des Volkes und dessen ganzer Auffassung von dieser besonderen Weise, Weihnachten und das Dreikönigsfest zu feiern, zusammenhing.   Schröer erzählt in seiner Einleitung zu den Spielen: <<In der Nähe von Preßburg, eine halbe Stunde Weg zu fahren, liegt auf einer Vorinsel zur Insel Schütt das Dörfchen Oberufer, dessen Grundherrschaft die Familie Palfy ist. Die katholische sowohl wie die protestantische Gemeinde daselbst gehören als Filialen zu Preßburg und haben ihren Gottesdienst in der Stadt. Ein Dorfschulmeister für beide Gemeinden ist zugleich Notär, und so sind denn in einer Person alle Honoratioren des Ortes vereinigt. Er ist den Spielen feind und verachtet sie, so daß dieselben bis auf unsere Tage unbeachtet und völlig istoliert von aller <Intelligenz> von Bauern ausgingen und für Bauern aufgeführt wurden. Die Religion macht dabei keinen Unterschied, Katholiken und Protestanten nehmen gleichen Anteil bei der Darstellung sowohl als auch auf den Zuschauerplätzen. Es gehören die Spieler jedoch demselben Stamme an, der unter dem Namen der Haidbauern bekannt ist, im 16. oder zu Anfang des 17. Jahrhunderts aus der Gegend am Bodensee (Schröer stellt in einer Anmerkung das nicht als ganz gewiß hin) eingewandert und noch 1659 ganz protestantisch gewesen sein soll... In Oberufer ist nun der Besitzer der Spiele seit 1827 ein Bauer; er hatte schon als Knabe den Engel Gabriel gespielt, dann von seinem Vater, der damals <Lehrmeister> der Spiele war, die Kunst geerbt. Von ihm hatte er die Schriften, die auf Kosten der Spieler angeschafften und instand gehaltenen Kleidungen und anderen Apparat geerbt, und so ging denn auch auf ihn die Lehrmeisterwürde über.>> - Wenn die Zeit zum Einüben gekommen ist, <<wird abgeschrieben, gelernt, gesungen, Tag und Nacht. In dem Dorfe wird keine Musik gelitten. Wenn die Spieler über Land gehen, um in einem benachbarten Ort zu spielen, und es ist Musik da, so ziehen sie weiter. Als man ihnen zu Ehren in einem Orte einmal die Dorfmusikanten aufspielen ließ, fragten sie entrüstet: ob man sie für Komödianten halte?... Die Spiele dauern vom ersten Advent bis heiligen Dreikönig. Alle Sonntag und Feiertag wird gespielt; jeden Mittwoch ist eine Aufführung zur Übung. An den übrigen Werktagen ziehen die Spieler über Land auf benachbarte Dörfer, wo gespielt wird... Ich halte die Erwähnung dieser Umstände deshalb für wichtig, weil aus ihnen ersichtlich wird, wie auch gegenwärtig noch eine gewisse Weihe mit der Sache verbunden ist.>>     Und wenn Schröer über die Spiele sprach, so hatten seine Worte noch einen Nachklang von dieser Weihe.   Ich mußte, was ich damals durch Schröer aufnahm, im Herzen behalten. Und nun spielen Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft seit einer Reihe von Jahre zur Weihnachtszeit diese Spiele. Während der Kriegszeit durften sie sie auch den Kranken in den Lazaretten vorspielen. Wir spielen sie auch seit Jahren um jede Weihnachtszeit im Goetheanum in Dornach. Auch dieses Jahr wird es wieder so wein. Es wird, soweit das bei den veränderten Verhältnissen möglich ist, streng darauf gesehen, daß Spielart und Einrichtung dem Zuschauer ein Bild geben, wie es diejenigen vor sich hatten, die im Volksgemüt diese Spiele festgehalten und als eine würdige Art, Weihnachten zu feiern, angesehen haben.Weihnachten 1922                                                            Rudolf Steiner    (<<Das Goetheanum>>, 24. Dezember 1922)
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ZUR AUFFÜHRUNG UNSERER VOLKSTÜMLICHEN WEIHNACHTSPIELE
   Im letzten Hefte dieser Wochenschrift habe ich mitgeteilt, wie die deutschen Weihnachtsspiele, die jedes Jahr im Goetheanum in Dornach aufgeführt werden, mir bekannt geworden sind. Diese Aufführung gibt Szenen wieder, die durch Karl Julius Schröer mitgeteilt sind. Nur in einem Falle habe ich in diesem Jahr versucht, durch eine kleine Hinzufügung gegen den Grundsatz zu handeln, nur mündlich oder schriftlich in der Überlieferung Erhaltenes zu bringen. Etwas besonders Charatkeristisches bei diesen Spielen war, daß die Spieler, bevor sie den Inhalt des Dargestellten vorführten, schon als eine Art Chor vor ihre Zuschauer traten. Solches Chormäßige tritt ja auch, den Fortgang der Handlung unterbrechend, an vielen Stellen der Stücke auf. Im überlieferten <<Sterngesang>>, welcher der Darstellung des <<Christi-Geburt-Spieles>> voranging, ist ein Einleitungschor erhalten, in dem die Spieler alles das begrüßen, zu dem sie sich, bevor sie mit der Darstellung beginnen, in ein herzliches Verhältnis setzen möchten. Sie grüßen da alles, was ihnen in dem für sie wichtigen Augenblicke seelisch naheliegt: von der heiligen Dreifaltigkeit, von den einzelnen Kategorien der Zuschauer bis zu den <<Hölzelein>> ihres Sternes, den der Sternsinger trägt. - Es ist mir nun gewißt, daß ein solcher Einleitungschor ursprünglich auch dem ersten der Spiele, dem <<Paradeis-Spiel>>, vorangegangen ist und daß dieser dem Sterngesang des <<Christi-Geburt-Spieles>> ganz ähnlich in der Form der Vorstellungen gewesen ist. Ich habe nun den Versuch gewagt, auch vor dem Paradeis-Spiel einen solchen Einleitungschor (<<Das Goetheanum>>, 31. Dezember 1922) zu geben, weil ich glaube, damit, aus dem Geiste der Überlieferung heraus, etwas hinzustellen, was annähernd so vorhanden war, wenn auch die mündliche und schriftliche Überlieferung es verloren hat. Die Empfindungen des <<Sterngesangs>> zum Geburtspiel müssen da, etwas anders, zu finden sein.
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Marie Steiner
Geleitwort zur ersten Buchausgabe
Weihnachten 1938
(aus "Erinnerungen an Rudolf Steiner" - Gesammelte Beiträge aus den "Mitteilungen aus der anthroposophichen Arbeit in Deutschland" 1947-1978, Verlag Freies Geistesleben 1979 Isbn 3 7725 0712 3)

   Die tiefe Liebe, die Rudolf Steiner mit seinem alten Lehrer Karl Julius Schröer verband, dessen Lebenswerk er nicht genügend gewürdigt empfand, floß zusammen mit den Erinnerungen an jene alten Weihnachtspiele, die Schöer unter den deutschen Kolonisten Ungarns entdeckt hatte und von denen der seinem Schüler oft erzählte, mit großer Lebendigkeit sogar die Darstellungsweise der Bauern wiedergebend. Obgleich er sie damals, von einer historisch-literarischen Abhandlung begleitet, herausgab, wurden sie von der Öffentlichkeit nicht beachtet. Sie blieben verborgenes, verschollenes Gut, bis Rudolf Steiner sie ans Licht des Tages - und des Weihnachtsbaumes - brachte, indem er Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft dazu anregte, sie in der Weihnachtszeit aufzuführen, und auch die stilgerechten Anweisungen dazu gab, die er aus seiner Kenntnis der Tradition und des Gegenstandes allein zu geben in der Lage war. 1910 begann es - die Spiele drangen bald hinaus in die Schulen, die Hospitäer, ja bis in Gefängnis hinein, und konnten überall die Herzen erwärmen und durchleuchten. Auch im Auslande wurde die Anregung aufgegriffen. Ihre Hauptpflegestätte wurde Dornach, wo sie seit 1915 in der Schreinerei des Goetheanum alljährlich aufgeführt werden. Rudolf Steiner konnte dort wieder seine genauen Regie-Anweisungen geben, manche Lücke im Text ausfüllen, manche eingeschaltete, unsicher tastende Zutat korrigieren und so die Spiele möglichst nah an ihre ursprüngliche Fassung wieder heranbringen. Er konnte in lebendiger Frische das weiter vermitteln, was er selbst durch Karl Julius Schöer gehört hatte. So wie dieser sie mitgeteilt hat, so sind die Szenen nun wiedergegeben. (...)   Es sei noch einiges über die hier verwendete Schreibweise gesagt. Der Leser dieser in einem österreichischen Dialekt wiedergegebenen Spiele wird sich vielleicht daran stoßen, daß in der schriftlichen Wiedergabe das A in so manngifaltiger Art verwendet wird. Es gibt ein einfaches A, es gibt ein kurzes A gleich dem offenen O, es gibt ein OA, und es gibt statt eines A ein reines O. Beim Hinhören wird man erkennen, daß sich dadurch die verschiedenen Nuancen der Mundart ergeben. Zu bemerken ist, daß selbst ein einfach geschriebenes A im Dialekt doch niemals als ein offenes A gesprochen wird, sondern daß immer eine leichte Neigung zum O mitklingt, es gewissermaßen verdunkelnd. Folgt dem A ein N, so wie zum Beispiel bei <<ang'sunga>>, dann spricht man wohl ein offenes A, doch ihm folgend ein ganz nasales N, so wie etwa im Französischen - aber mit längerem Ruhen auf dem nasalen Laut.   Als Beispiele seien angeführt: <<i hob>> oder: <<ângsunga>> oder: <<is woar?>>. Dann: <<Adam, nimm an den lebendigen Atem>>, bei <<an>> wäre dann auch der nasale n-Laut zu verwenden.   Für das Niederschreiben des Textes dieser Spiele ist durch viele Jahre hindurch bei den Proben immer wieder versucht worden, in der Schreibweise möglichst nahe der landesüblichen Aussprache des Wortes zu kommen, wie es von Rudolf Steiner, dem gründlichen Kenner der Mundart, vorgesprochen wurde. Es wurde bei diesem Bemühen erlebt, daß der Laut nich immer phonetisch in gleicher Weise behandelt wird, so daß man sich nicht auf eine durchgängig gleichmäßige Schreibweise festlegen kann.   Statt der von Schröer gegebenen Kommentare und dem Hinweis auf Fehler, die sich in das ursprüngliche Manuskript hineingeschlichen haben, statt der Ergänzung von Lücken durch das Heranziehen entsprechender Stellen aus Preßburger oder Salzburger Handschriften, sind die Spiele hier in der Form wiedergegeben, wie sie sich im Laufe der Jahre bei den Aufführungen unter der Regie Dr. Rudolf Steiners herausgestaltet haben.   Wir sind dem Schicksal dankbar, daß trotz Krieg und Krisen die Friedensbotschaft dieser schlichten Volksspiele seit achtundzwanzig Jahren ohne Unterbrechung zur Weihnachtszeit in Deutschland und dann in der Schweiz gegeben werden konnte.
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Anmerkungen des Herausgebers
   Die erste buchförmige Ausgabe der Oberuferer Spiele in der szenischen Einrichtung von Rudolf Steiner erschien Weihnachten 1938, herausgegeben von Marie Steiner. Ihr Geleitwort zu dieser Ausgabe ist vorangehend wiedergegeben, wobei auf eine längere Passage aus dem Aufsatz Rudolf Steiners vom 31. Dezember 1922 verzichtet werden konnte, da dieser vollständig am Beginn der vorliegenden Ausgabe abgedruckt ist.   Wie Marie Steiner in ihrem Geleitwort schreibt, liegt dem Text die Karl Julius Schöer 1858 im Druck veröffentlichte Fassung zugrunde (Ein Neudruck der Fassung von K.J.Schröer nebst weiteren Überlieferungen, hrsg. von Helmut Sembdner, erschien unter dem Titel "Die Oberuferer Weihnachtspiele im Urtext" im Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1977). Rudolf Steiner erwähnte öfters, daß er vorhatte, den Schröerschen Druck, der durch die von Schröer selbst geschilderten Umstände nicht fehlerfrei sein konnte, neu herauszugeben und die <<ursprüngliche, echte Fassung wieder herzustellen>>. Da es ihm jedoch an der notwendigen Zeit gefehlt hat, ist es dazu nicht mehr gekommen, doch konnte er für die Dornacher Aufführungen an einigen Stellen Ergänzungen vornehmen. So ist in der vorliegenden Ausgabe der Einleitungschor zum Paradeisspiel als Faksimiledruck beigefügt, wie ihn zuerst der Darsteller des Baumsingers in der Stuttgarter Waldorfschule, Karl Schubert, von Rudolf Steiner erhielt.   Auf Grundlage der ersten Ausgabe von 1938 wurden die weiteren Auflagen herausgegeben von Edwin Froböse, wobei verschiedene Ergänzungen und Verbesserungen vorgenommen wurden. In der 2. Auflage (1957) konnten die Regieanweisungen, wie sie Rudolf Steiner für die Dornacher Aufführungen gegeben hatte, durch Gerhard Dziuballe wesentlich ergänzt werden, der bei diesen Aufführungen mitgewirkt hat.   Für die 3. Auflage (1965) wurde der Text durch Hans Erhard Lauer, der jahrelang in Wien an den Aufführungen beteiligt war und die Mundart beherrschte, erneut durchgesehen und verbessert. Zur Aussprache bemerkt er:
   <<Das â in kurzen Silben (hât, âll, mâcht) wird hinten am Gaumen intoniert und nähert sich dem o an. In einigen         Fällen wurde es deshalb in der Schreibweise durch ein o ersetzt (hot, hobt).    Das r in Worten wie warm, hart usw. wird im Österreichischen zum a vokalisiert und wandelt dadurch das vorangehende a beinahe in ein o. Trotzdem wurden solche Worte hier woarm, hoart, usw. wiedergegeben, weil das a wenigstens im Ansatz des r noch mitanklingen läßt.
   Ebenso wird das l in Worten wie sull, sullst, usw.  zum i vokalisiert. Diese Worte sind daher annähern wie soi, soist auszusprechen. Das a in Worten wie guat, Bluat usw. wird nicht voll intoniert, sondern nur angesetzt.>>
   Wie Marie Steiner in dem Geleitwort zur ersten Auflage beschreibt, wurden die Spiele seit 1915 in Dornach regelmäßig aufgeführt. Bei vielen dieser Aufführungen sprach Rudolf Steiner einleitende Worte, in denen er den Teilnehmern manches über das Wesen dieser volkstümlichen Spiele und ihren geschichtlichen Hintergrund vermittelte. Achtzehn dieser einführenden Ansprachen aus den Jahren 1915 bis 1924 sind innerhalb der Rudolf Steiner Gesamtausgabe in dem Band <<Ansprachen zu den Weihnachtspielen aus altem Volkstum>> (GA274) zusammengefaßt, der damit eine wichtige Ergänzung zu den hier wiedergegebenen Teten der Spiele bildet.   Inzwischen werden die Spiele in dieser durch Rudolf Steiner übermittelten Fassung außer in Dornach an den weit über hundert Waldorf- bzw. Rudolf-Steiner-Schulen und zahlreichen weiteren Institutionen innerhalb der anthroposophischen Bewegung im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus jedes Jahr in der Weihnachtszeit zur Aufführung gebracht. Durch die zunehmende Ausbreitung ist eine persönliche Vermittlung der ursprünglichen Darstellungs-Tradition vielfach nicht mehr möglich. Um den dadurch entstehenden Fragen und Bedürfnissen entgegenzukommen, ist vorgesehen, in einer besonderen Ausgabe alle überlieferten Angaben für die ersten Dornacher Einstudierungen zugänglich zu machen. Diese <<Regie-Ausgabe>> wird zusätzlich zu der vorliegenden Textausgabe voraussichtlich 1991 herausgegeben werden.   Es sei noch zum Schluß auf die von Leopold van der Pals komponierte Musik <<Lieder und Chöre mit Klavierbegleitung zu den von Karl Julius Schröer und anderen gesammelten deutschen Weihnachtspielen>> hingewiesen, die mit einem Vorwort von Marie Steiner erstmals 1919 in Berlin erschienen war (6.Auflage Dornach 1986, Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum) und seither zu einem festen Bestandteil der Aufführungen geworden ist.
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Leopold van der Pals

Erinnerungen eines Musikers aus den Anfängen der Weihnachtsspiele
      Eines Tages im Herbst - es mag wohl 1909 oder 1910 gewesen sein - teilte mir Dr. Steiner mit, er wolle ein altes Weihnachtsspiel durch die Mitglieder des Berliner Zweiges aufführen lassen und fragte mich, ob ich die dazu nötige Musik schreiben wolle. Ich sagte natürlich mit Freuden zu. Das war die Geburtsstunde meiner Musiken zu den verschiedenen Weihnachtsspielen. Gewählt war zunächst ein kleines oberpfälzisches Spiel. Dr. Steiner wollte wohl erst die Kräfte ausprobieren, bevor er sich an die großen Oberuferer Spiele wagte.
   Ich ging sogleich an die Arbeit und suchte zunächst nach alten Originalmelodien, die früher für diese Art Spiele gebraucht wurden, konnte aber nichts finden, außer zwei kleinen Liedern, die ich für den Schlußgesang verwendete. Also komponierte ich selbst die nötigen Lieder.
   An die Proben und die Aufführung dieses kleinen Spieles erinnere ich mich nicht mehr. Ich weiß nur, daß Herr Selling einen Hirten, Frau von Görschen die Maria und Herr Korth den Joseph spielten. Jedenfalls muß es zu Dr. Steiners Befriedigung ausgefallen sein, denn ein Jahr später beabsichtigte er, das Oberuferer Christgeburtspiel aufzuführen, was schon eine viel anspruchsvollere Aufgabe war. Auch zu diesem Spiel sollte ich die Musik schreiben. Ich entschloß mich, ohne wieder, wahrscheinlich vergebens, nach Originalmelodien zu suchen, alle Lieder neu zu komponieren. Eines stand für mich fest: Trotz aller Volkstümlichkeit, in der die Lieder gehalten werden mußten, war alle Banalität und Süßlichkeit zu vermeiden und doch mußten die Lieder eingänglich und leicht singbar sein. Ein oder zwei Jahre später wurde mir von Dr. Steiner die Aufgabe gestellt, die Lieder zum Oberuferer Dreikönigsspiel zu schreiben. Diese Arbeit war schon schwieriger als die früheren. Denn dieses Spiel ist von solch unsagbarer Dramatik, daß es mit einfacher Volkstümlichkeit nicht getan war. Ich versuchte, mich dem Stil des Stückes anzupassen und komponierte auch diese Lieder. Die Aufführungen fanden im Berliner Zweigraum statt, ohne Vorhänge, mit ganz primitiven Papierkostümen, und lösten dennoch eine andächtige Stimmung aus.
   Inzwischen hatte man mit der Errichtung des Dornacher Baues begonnen. Ich ging im Jahre 1915 nach Dornach, um dort am Bau mitzuarbeiten. Hier entstand die Musik zu dem letzten Spiel, dem Paradeis-Spiel. An diese Zeit habe ich eine lebhaftere Erinnerung als an die Berliner Aufführungen. Es hatte mit dieser Musik große Eile, denn es war bereits spät im Jahr. Ich komponierte den ganzen Tag und erinnere mich, sogar in der Elektrischen nach Basel komponiert zu haben.
   Dr. Steiner pflegte, bevor man an die Proben ging, die Spiele denjenigen vorzulesen, die mitspielen durften. Er wiederholte das jedes Jahr. An eine solche Vorlesung erinnere ich ganz besonders. Wir, die wir beim Spiele irgendwie mitzuwirken hatten, versammelten uns in der Villa Hansi (Dr. Steiners Wohnhaus in Dornach). Dann kam Rudolf Steiner und fing an zu lesen. Er las so vollendet, daß wir das Stück, das wir doch so gut kannten, kaum erkannten und etwas ganz Neues zu hören glaubten. Er verwandelte sich buchstäblich in jede Person, deren Rolle er las, er war Maria, er wurde zum lustigen Hirten, zum groben Wirt, zum frommen Joseph.
   Bald begannen dann die Proben. Ich mußte mit meinen Sängern oft stundenlang üben, bis sie sich die Melodien gemerkt hatten. Jeder gab sich die größte Mühe, und bei der Aufführung "klappte" es. Die gemeinschaftlichen Proben fanden immer abends statt, da tagsüber in der Schreinerei gearbeitet wurde, und dauerten oft bis in die Nacht hinein. Frau Dr. Steiner war immer zugegen, korrigierte und zeigte, "wie man es machen muß". Oft war auch Dr. Steiner selbst anwesend und griff dann persönlich in die Proben ein, indem er nicht nur vorsprach, sondern oft mit einem Satz auf die Bühne sprang und die Rollen selbst wie ein vollendeter Schauspieler spielte. - Zu Weihnachten fanden dann die Aufführungen statt. Vor denselben pflegte Dr. Steiner einen einleitenden Vortrag zu halten, in dem er über die Entstehung der Spiele, über Schröer und sein Verhältnis zu ihm und über Schröers Arbeit beim Auffinden der Spiele sprach. An einem Spieltage war alljährlich das Dorf bei uns zu Besuch. Dann wurden alle Honoratioren des Dorfes eingeladen, das Publikum bestand hauptsächlich aus Dorfbewohnern und einer Menge von Kindern. Ihr Hauptvergnügen war, den Teufel am Schwanz zu zupfen. Meine Melodien kannten sie auswendig, und ich habe oft gehört, wie die Gassenbuben in Dornach und Arlesheim sie auf der Straße sangen.
   Die "Schauspieler" waren alles Mitglieder der Gesellschaft, die sonst nie an Theaterspiel gedacht hatten. Dank der Mühe, die Herr und Frau Dr. Steiner sich nahmen, lernten sie bald, sich auf der Bühne bewegen und den österreichischen Dialekt zu sprechen. Alle waren mit ganzem Herzen dabei, und so kamen Aufführungen zustande, die mit ihrer Innigkeit alles hinter sich ließen, was man bei gewöhnlichen Theateraufführungen zu sehen bekommt.
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Karl Schubert
Die Weihnachtsspiele

   Es war im Jahre 1910 in Wien, daß wir durch die Freunde, die in Berlin die Aufführung der Weihnachtsspiele erlebt hatten, darauf aufmerksam wurden. Die Begeisterung, die aus den Erzählungen der Freunde auf die Zuhörer übergriff, war so groß, daß daraus der Impuls entstand, das Weihnachtsspiel in der Art, wie es von den Freunden in Berlin erlebt worden war, auch in Wien aufzuführen. Wir verschafften uns den Text in der Ausgabe von Karl Julius Schröer Weihnachtsspiel aus Ober-Ungarn und gingen an die Arbeit. So ist es also dazu gekommen, daß wir es gewagt haben, im Jahre 1911 das Oberuferer Christgeburtspiel aufzuführen. Ein Mitspieler, der selbst die Spiele in Berlin miterlebt hatte, hat uns dabei geholfen. Jahr um Jahr haben wir dann im Wiener Freundeskreis die Spiele aufgeführt so gut wir es konnten, und wir glaubten, es gut zu können.
   Zu Weihnachten 1920 durften wir nun in der Schreinerei in Dornach die Aufführungen des Paradeisspiels, des Christgeburtspiels und des Dreikönigspiels erleben. Da hätte man gerne ausrufen wollen: "da ist Notwendigkeit, da ist Gott" (Goethe). - Unvergeßlich schön war der Herrgott, ergreifend herb das Weinen der Eva, markerschütternd die Verwandlung des Adam, unerbittlich groß die Sprache des Engels und überzeugend wirksam die Sprache des Teufels. Alles war so natürlich im Stil und so lebendig abgemessen, daß kein Wort und keine Geste zu viel war. Ähnlich stark waren die Eindrücke, die wir vom Christgeburtspiel und Königsspiel in Dornach empfangen haben.
   So viel innerliche Bereicherung ist den Zuschauern zuteil geworden, daß man es nicht in Worten beschreiben könnte. Die verstärkte Herzensbeziehung zu dem geistigen Inhalte der Spiele verdanken wir den Aufführungen in Dornach.
   In der Weihnachtszeit von 1921 durften wir in der Waldorfschule (Stuttgart) das Christgeburtsspiel und das Königsspiel aufführen. Frau Marie Steiner hat damals bei den Proben zugeschaut und uns sehr ausgiebig geholfen, daß die Spiele möglich wurden. Zu Weihnachten 1922 durften wir selbst in Dornach mitspielen und zuschauen, wie Dr. Steiner die Spiele einstudierte und leitete. Dr. Steiner hatte gerade den Prolog für den "Baumsinger" des Paradeisspiels gedichtet. Im Atelier der Schreinerei saß Dr. Steiner und kolorierte und bemalte die Eurythmiefiguren; der Text des Baumsingers wurde vorgelesen und dann kam der Auftrag, den Text bis 3 Uhr nachmittags auswendig zu lernen und in der Schreinerei sich einzufinden. Dr. Steiner kam zu angesetzten Zeit in die Schreinerei und zeigte, wie man den Baumsinger und Sternsinger sprechen und darstellen soll. Er lieh sich von Fräulein Mitscherlich den Hut und den Mantel aus und stellte die beiden Prologsprecher in annachahmlicher und unübertrefflicher Weise dar. Die ganze Art und der Ton, in dem man Dr. Steiner in diesen Gestalten des Baumsingers und Sternsingers sehen konnte, bleibt ein fast unbeschreibliches Erlebnis. Jede Zeile sprach er im vollendeten Dialekt und machte mit seiner ganzen Gestalt, mit seinen Knien, mit seinen Armen, mit seinen Lippen und mit seinen Augen solche charakteristische Bewegungen, daß der echte, bäurisch-fromme, total hingegebene Spieler wor uns stand. Alles war durchsprüht von einem unendlich sonnigen Humor, der durch das Spiel der herrlichen Gesten und Gebärden zum Ausdruck kam. Er grüßte die drei göttlichen Personen mit dem Schwung seines sich verneigenden Leibes und seiner verehrungsvoll bäurisch blickenden Augen. Jede Grußzeile hatte ihre eigene Färbung des Tones in Sprache und Beweung. Wie sich ausatmend war der Gruß und der Gesichtsausdruck, wenn er die geistlichen Herrn grüßte, "ohne dö ma ka Gspül derf lern". Wie bezwingend und aufrüttelnd war das Lächeln seines Mundes, wenn er "den Mastersinger sein Huat" oder "Adam und Eva im Goarten drein" grüßte, "in den ma a gern mechten alle rein". Eine unglaublich starke Dynamik lebte und wirkte in seinen Gesichtszügen, wenn er mit Sonn- und Mondenschein und mit Lab (Laub) und Gras "Ochs und Esalein" bei dem "Krippalein" begrüßte. Bei der gemeinsamgen Probe hatte er öfters eingegriffen und den sprachlichen Ausdruck da und dort verbessert. Seine plastisch bildende Hand machte aus der "Kumpanei" ein lebendiges Ganzes. Es war nicht starr und dogmatisch, es lebte und veränderte sich von Jahr zu Jahr, von Probe zu Probe. Die vielen kleinen Einzelheiten klangen zusammen, um eine Wirkung zu erreichen, die im Künstlerischen eine so starke, innerlich befreiende religiöse Note hatte.
   Wenn die Kumpanei durch den Saal der Schreinerei schreitend sang, ging von jedem Schritt und von jedem Ton ein Schwung und ein Antrieb aus, der sich durch die Herzen der Zuschauer und Zuhörer in die Geisteswelt bewegen und dort weiterklingen konnte.
   Wenn Dr. Steiner etwas sagte, etwas anordnete oder zeigte, wurde es von allen im Spiele Tätigen mit dankbarster Befriedigung angenommen und, soweit die Fähigkeiten reichten, ausgeführt. "Wissen Sie", äußerte er sich einmal, "man sagt etwas, man sagt etwas, und wenn man sieht, daß es nicht hilft, sagt man nichts mehr." In diesem Falle und in vielen anderen Fällen, wieviel hätte der große Lehrer noch sagen könne, wenn er gesehen hätte, daß es helfen wird?
   Erfrischend und belebend war jede Farbennuancierung, die er während der Proben für die Beleuchtung angab, überzeugend und fördernd war jede Darstellung, die er zeigte. Im Königsspiel z.B. wurde beim Zusammensprechen der "Hohen Priester" eine starke Wirkung erzielt durch die Angabe, die er machte: "Sie müssen das üben, Sie müssen das unisono sprechen, das muß klingen wie ein Chor." - Er sprang bei der Probe auf die Bühne hinauf und zeigte, wie der Teufel mit seinen Kindern kommt und wie der Kinder zu Boden schlägt, "eh leg i's nieder und schlags maus-tot". Mit entschlossener Gewalt schlug er die Puppen auf den Boden. Man empfand das als notwendig, um die Verwandlung des Herodes darstellen zu können. Mit der Darstellung des Herodes durch Jan Stuten war er - so machte es auf uns den Eindruck - sehr einverstanden. Eindeutig bildhaft war der Teufel, unheimlich gruselig war das Sprechen. Es lief einem kalt über den Rücken. - Sehr beglück zeigte er sich über den inneren Schwung der Maria, mit dem sie Könige ansang.
   Im Hirtenspiel war die urwüchsig frische Art, mit der die drei Hirten sprachen und sprangen, ein Naturereignis. Überaus danken muß man Rudolf Steiner für die so starke Wesensbereicherung, die er dem Hirtenspiel zukommen ließ durch die Vesperszene, mit der das Auftreten und Sprechen des "Witok" den richtigen Hintergrund bekommt.
   Es wird uns der Eindruck unvergeßlich bleiben, den man vom Leben hinter der Bühne bekommen konnte. Das und Sein Dr. Steiners strahlte und wärmte in alle Räume hinein, in welchen man sich auf das Spielen vorbereitet hat. Er nahm den Schminkstift in seine kräftige, schöne, bildende Hand und machte die nötigen wenigen Striche in das Gesicht des Baumsingers und Sternsingers, daß er als "olter Freind" das richtige Aussehen bekam. Gern hätte der betreffende Spieler den Wunsch geäußert, diese bildenden Striche für sein ganzes Leben zu bekommen.
   Wunderbar war es, wie Dr. Steiner den Spielern Mut zum Spielen und zum Leben einflößen konnte. - Kurz vor dem Auftreten sagte der Baumsinger zu Dr. Steiner: "Herr Doktor, mir ist ganz schwarz vor den Augen, der Boden schwankt unter meinen Füßen". Da legte Dr. Steiner die Hand fest auf seinen Rücken: "Ach was, Sie sind gesund!" sagte er, gab ihm einen Stoß und der Baumsinger mußte auftreten.
   Wer immer so einen Stoß braucht, der möge sich wenden an Dr. Steiner, er wird ihn bekommen.
   Wer immer beim Erleben der Weihnachtsspiele Freude und inneren Reichtum gewinnt, der möge daran denken, daß diese Spiele nur eine literarische Tatsache der wissenschaftlichen Welt geblieben wären, wenn sie nicht durch Rudolf Steiner, der in seinem Lehrer Karl Julius Schröer den literarischen, wissenschaftlichen, liebevollen Behüter der Spiele kennengelernt hatte, zu neuem Leben erweckt worden wären.
   Wenn man sie spielt, so sollte man sie im Dialekt und ohne jede Pathetik schlicht, einfach und würdig spielen.
   Etwas leid tat es Dr. Steiner, daß die Spiele an so vielen Orten vielleicht nicht nach dem richtigen Text, nicht in der richtigen Art gespielt wurden.
   Man bedenke, was es heißt und was es bedeutet, daß solch ein Mensch wie Dr. Steiner trotz der vielen Arbeit sich die Zeit nahm, die Spiele selber einzustudieren. Daher gehe man als Spieler und als Zuschauer so an die Spiele heran, daß man in Dankbarkeit an Dr. Steiner denkt, der etwas von seinem Wesen den Weihnachtsspielen gegeben hat.
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Hermann Ranzenberger
Weihnachtsspiele in Dornach zu Zeit Rudolf Steiners

   Zu einer ganz bestimmten Zeit im Jahreslauf verwandelte sich in der Dornacher Atmosphäre alles. Die Tage wurden rasch kürzer, die Nächte dunkler und länger, das Schwarz der Natur geheimnisvoller, tiefer, unergründlicher, geistig verheißungsvoller. Die Sterne gewannen an Glanz und Leuchtkraft. Die inneren Fähigkeiten erstarkten, man konnnte nicht nur kräftiger, sondern auch inniger denken.
   Man verfolgte, wie der Orion am östlichen Himmel immer mehr heraufkam, um schließlich in seiner reingezeichneten Form am südlichen Himmel während der ganzen Nacht zu verweilen. Der böse Skorpion war verschwunden und Ahnungen eines sich nahenden Wunderbaren ergriffen die Seele und hielten leise aber sicher ihren Einzug in die Herzen.
   Die Schreinereibühne und der zugehörige Saal waren oft der Schauplatz von Mittelpunktsereignissen der Anthroposophischen Gesellschaft. Auf dieser Bühne war auch Rudolf Steiner aufgebahrt. Bühne und Saal sind durch ein solches Ereignis wie auch durch die Aufführungen der Mysterienspiele Rudolf Steiners, von Dramen Albert Steffens, von Schiller und Goethe, durch die vielen Eurythmie-Veranstaltungen, wohl Hunderte an der Zahl, und durch die Vorträge Rudolf Steiners geweiht und geadelt und werden es noch täglich aufs neue durch die Übungsarbeit von Eurythmisten, Schauspielern und Musikern.
   Auf dieser Bühne und in diesem Saal versammelten sich die Weihnachtsspieler. Zuerst wurd Rudolf Steiner gebeten, die Weihnachtsspiele vorzulesen.
   Es handelte sich da um ein kleineres Weihnachtsspiel, in welchem Joseph besonders hervortritt. Joseph wurde im Mittelalter immer als ein ganz alter, gebrechlicher und zerbrechlicher Mann empfunden und dargestellt. Man sah in ihm die überalterten, zu Ende gehenden, die absterbenden Kräfte der Menschheit repräsentiert. In Maria und ihrem Kinde hingegen erblickte man die neuen, jungfräulichen, zukunftverheißenden geistigen Kräfte. Demgemäß wurde Joseph von Rudolf Steiner gespielt.
   Mit dem Buch in der Hand spielte er den Joseph. Maria saß links auf der Bühne. Joseph kommt von rechts herein und geht auf Maria zu, das heißt, er versuht zu gehen, er will gehen und kann es nich. Seine schwachen, alten, gebrechlichen, mürben Glieder sind der überschwenglichen Freude, von der sein Herz erfüllt ist, nicht gewachsen. Er stolpert über sich selbst. Sein Herz eilt seinem Körper weit, weit voran. Er ist schon bei Maria, als sein Körper noch am anderen Ende der Bühne ist. Dieser Widerspruh zwischen Herz und Körper wurde von Rudolf Steiner in einer schauspielerisch großartigen Weise dargelebt.
   Er begann auf das Kindlein zuzueilen, seine Gebärden sind einem uralten Manne entsprechend linkisch, unbeholfen, doch voll dienenden Willens. Er spricht dazu Worte innigster Freude und herzlicher Begrüßung, aus einer reinen, inneren Kindlichkeita heraus, wie sie nur alten, weisen und guten Menschen eigen sein kann. Wegen seines zahnlosen Mundes ist sein Sprechen gehemmt. Er stottert, spricht unbeholfen, abgerissenund sich überschlagend.
   So bewegt er sich auf Maria zu. Er wankt und droht stolpernd zu fallen, er fällt auch, zunächst auf ein Knie, er erhebt sich wieder, macht ein, zwei Schritte und fällt nochmals, in einer unbeschreiblich knittrigen Art, diesmal auf das andere Knie, er geht noch etwas weiter und droht ganz zu stürzen - doch noch nicht - er spricht weiter und sucht mit seinen Armen und Händen das herrliche Gotteskind zu erlangen, er kann es nicht, denn er fällt ganz, im Fallen noch halblaut Worte der Liebe sagend. Das Kindlein hat er nicht erreicht. So konnte Rudolf Steiner spielen!
   Er hätte jede Rolle in wahrster Art spielen können. Wie überzeugend mimte er zum Beispiel das Knittrige, Hölzern-Stockige der Glieder des uralten Joseph.
   Von den erstmalig von Karl Julius Schröer gesammelten und herausgegebenen Oberuferer Weihnachtsspielen wurden in Dornach zumeist das sogenannte große Hirtenspiel und das Dreikönigsspiel und diesen immer vorangehend, dem Adam- und Eva-Tage vor Weihnachten entsprechend, das Paradeisspiel gespielt. Das sogenannte kleine Hirtenspiel wurde auch wenige Male aufgeführt, hingegen nie dasjenige, von welchem ich vorstehend eine Szene schilderte.
   In Dornach wurden die Spiele in herzhaft derber, ursprünglicher, volkstümlicher und in möglichst historisch und sprachlich getreuer Weise gegeben, ohne jegliche Sentimentalität, welcher auch die ursprünglichen Bauernspieler abhold waren. Das braucht keinen Mangel an Innigkeit zu bedeuten. Wahre Innigkeit, wie sie in deutschsprachigen Gegenden zu Hause ist, hat jedoch mit Sentimentalität nichts zu tun.
   Eine ganz erstaunliche Tatsache war für mich die unentwegte Anwesenheit Rudolf Steiners nicht nur bei den Aufführungen, sondern bei allen Proben. Er hat kaum jemals bei den Proben und Aufführungen, die sich im Laufe der Jahre wohl zu Hunderten summierten, gefehlt. Er war immer von Anfang bis Ende da, dauerte die Probe nun eine Stunde oder zwei oder zweieinhalb Stunden. Er kam nie zu spät. Seine Anwesenheit ließ einen jedoch frei, so daß man dieselbe vergessen konnte. Aber er war da.
   Man konnte gewiß den Eindruck haben, daß er sich während seiner Anwesenheit geistig mit noch etwas anderem und vielem anderen beschäftigte, doch war er bei Fragestellungen bezüglich der Spiele immer bereit und gab unverzüglich Antwort. Es wurde Wert darauf gelegt, daß die Spieler immer vollzählig anwesend waren, selbst wenn sie bei den Proben gerade nichts zu tun hatten. Das dauernde allgemeine Miterleben der Vorgänge bei jeder Probe war wichtig.
   Rudolf Steiner gab Anweisungen für die richtige Aussprache und den Sinn der in österreichischem Dialekt verfaßten Spiele. Diesen Dialekt kannte er als gebürtiger Österreicher natürlich ganz genau, so daß er besonders berechtigt war, etwas Fehlendes hinzuzudichten. So verfaßte er auch einen Prolog zu dem "Paradeis"-Spiel.
   Er gab genau die Umgänge für die Kumpaneien auf der Bühne und im Saal an, sowie für Maria und Joseph, den Engel, die drei Könige, die Hirten, ferner für die Gewandungen und Beleuchtungen. Er malte selbst ein Bildchen von Maria mit dem Kinde über der Mondsichel, welches an einer Stange vom Engel vorangetragen wurde. Er schminkte die Spieler auf Wunsch, auch mich, in einer für den Hirt Stichel charakteristischen Art, nicht jedoch für den Mohrenkönig, welchen ich auch spielte, der hatte einfach dunkelschwarz zu sein.
   Ich kann nicht verschweigen, daß die Formen der geschminkten Augenbrauen, so einfach sie waren, denselben künstlerischen Duktus aufwiesen, wie er sich den plastisch-architektonischen Meisterwerken Rudolf Steiners, auch in der Gruppe und besonders in dieser, alles verlebendigend zeigte. Das war seine Hand, mußte ich mir nachher in den Spiegel schauend immer wieder sagen, und ich hätte monatelang mit diesen geschwungenen Augenbrauen herumlaufen mögen, um das Lebenselement, welches aus Rudolf Steiners Händen beim Kleinsten durch den Duktus in die Dinge floß, nicht zu zerstören.
   Zu den derbsten spaßhaften Ereignissen in dem Christgeburt- oder Hirtenspiel, welche von manchen als unpassend empfunden wurden, welche von Rudolf Steiner jedoch voll gutgeheißen waren und als stilistisch berechtigt angesehen wurden, gehörte der Glatteissturz des Hirten Stichel.
   Bevor die drei Hirten den Weg zu Maria, dem Kindlein und Joseph antreten, unmittelbar nach den Traumerlebnissen, in welchen ihnen der Engel Gottes erscheint, um die Geburt Jesu anzuzeigen und sie auffordert, zu der Stätte derselben zu pilgern, stürzt Stichel.
   Dieser Sturz soll meines Wissens, auch nach den Regieangaben des Volksbuches, nicht auf einmal erfolgen, sondern hat eine Einleitung, im Dornacher Sprachgebrauch besser gesagt, einen "Auftakt", welcher die Angelegenheit weitaus spannender macht als ein Direktsturz. Nach anfänglichem verheißungsvollem Stolpern erfolgt derselbe dann.
   Im Mittelpunkt dieses Hirtenspiels stand die Geburt des Jesuskindleins. Es hieß ja auch Christgeburtspiel. Nachdem die Hirten ihre Gaben, jeder eine andere, ein Lämmlein, ein Büschel Heu, eine Flaschl mit Mülli, dem Kindlein in der Krippe dargebracht haben, knien sie singend nieder und wiegen das Kindlein in der Krippe.
   Auf ihr etwas lärmendes Auftreten folgt diese schlicht eindringliche, vom Frieden umwobene Szene.
   Ein göttliches Kind wurde im Stall geboren!
   Nebenan in den gleichen Holzhallen, in denen das historische Spiel vor sich geht, in nur 22 Meter Entfernung, wird an der Christus-Statue gearbeitet. Es ist nicht mehr das Kindlein, es ist der Auferstandene, welcher als Kunstwerk sichtbar in die Erscheinung tritt. Der "Stall von Bethlehem" jedoch ist geblieben, denn wie anders könnte man die primitiven Atelierräume Rudolf Steiners nennen. Sein Atelief war zuvor ein allereinfachster Schuppen, ohne Wände, welcher nur dazu diente, die aufgestapelten Bohlen, BRetter und Stämme gegen Regen zu schützen. Nicht einmal der Boden war ausgeebnet, was sich noch heute im Atelier zeigt. Dieser Holzschopf wurde durch das Einhiehen einfachster Bretterwände zu einem Atelier gemacht, welches selbstverständlich für den Aufenthalt Rudolf Steiners eingerichtet und auch mit Heizung versehen wurde. Doch ist alles das Einfachste vom Einfachen. Die heutige violette Stoffbespannung der Wände wurde später angebracht.
   In diesem modernen "Stall von Bethlehem" entstand die Christus-Statue. Dort war als Kunstwerk die Gestalt zu sehen, in welcher als Ergebnis des Schauens Rudolf Steiners dargestellt ist, wie Christus über die Erde schritt.
   Schweigend, anspruchslos, still sitzt der Künstler, welcher dieses außerordentliche Kunstwerk der "Gruppe", Christus mitten darin, schuf und hört sich unentwegt die schlichten Bauernspiele an durch viele, viele Stunden im Laufe der Jahre.
   Er hörte sich die "einfachsten Dinge" mit der gleichen Aufmerksamkeit an wie die "größten". Das konnte mir aus folgendem Anlaß einmal zum eindringlichen Erlebnis werden.
   Über die Ursache und die Nebenumstände des kleinen Brandfalls in der Schreinerei, welcher schon im Entstehen gestoppt wurde, hatte ich vorzutragen und über verhütende Maßnahmen zu instruieren. Hierbei war auch Rudolf Steiner anwesend. Meine Ausführungen dauerten etwa eine halbe Stunde, und er machte auch eine sachliche Bemerkung über die Zusammenhänge.
   Während meiner Ausführungen und besonders stark nach denselben, in der Erinnerung, hatte ich den Eindruck, daß etwas geschieht, respektive geschah außer der Tatsache, daß ich spreche. Ja, was geschieht denn? Zweifellos etwas, das ich noch nie erlebte, das mir ganz neu ist, etwas, das mich ergreift, still, ruhig, das wie samten in mich dringt, mich dennoch frei läßt, ja im Gegenteil unterstützt und mitwirkt und in dem man sogerne lange verweilen möchte, um zu ruhen und doch tätig zu sein. Oh! möchte das doch ewig geschehen, sagt man sich und daß es immer dauern möge, in das Unendliche hinein.
   Auf was mag dies still-sichere Geschehen beruhen? Zweifellos auf einem ruhigen, unvoreingenommenen intensiven Hören, dessen wird man ganz gewiß. Es hatte jemand wirklich gehört, voll und ganz gehört, ein Zuhörer war "ganz Ohr".
   Es war die reine Tätigkeit des "Hören", welche ich erlebte; es war das ungetrübte Urphänomen "Hören".
   Dies ist keinesfalls eine alltägliche Angelegenheit und Fähigkeit, sondern eine ganz besondere, wenn sie wirklich vorhanden und ausgebildet ist.
   Aus diesem schon kann man ermessen, welche rein menschliche Bedeutung es hatte, wenn Rudolf Steiner bei den Proben und Aufführungen anwesend war. Das galt jedoch auch in erweitertem Maße für die ganze damalige geistige Atmosphäre in Dornach. Solange Rudolf Steiner in Dornach weilte, wußte man, daß die positiven Taten und Gedanken teilnehmend gesehen und gehört wurden, auch wenn nicht darüber gesprochen wurde. Das schuf eine Atmosphäre der Lebenssicherheit und der tätigen Lebensruhe.
   Das Christgeburtspiel wurde anfänglich unter den brennenden Kerzen des Weihnachtsbaums und auf der ganz mit frischen Tannenreisern geschmückten Bühne und im Saal gespielt. Beim Dreikönigsspiel hingegen war kein Grün mehr auf der Bühne und kein Baum, dagegen war sie ganz mit weißen Vorhängen ausgeschlagen. Von hinten links traten die Spieler auf, zuerst der Engel, dann Joseph mit Maria, ferner die drei Könige, der Page, Herodes, die drei Juden und zuletzt der Teufel.
   Die szenische Grundstimmung beim Christgeburtspiel war ganz anders als beim Dreikönigsspiel, nicht nur durch die naturhaft gesunde Wirkung des Tannengrüns, sondern auch durch den leuchtenden Weihnachtsbaum mit seinen 33 dunkelroten Rosen. Die Spieler saßen auch nicht auf der Bühne, sondern vor der Bühne und tiefer als diese, im Dunkel des Zuschauerraumes, von wo sie jeweilen hervortraten, um ihre Szenen zu spielen, und wohin sie wiederum zurückkehrten. Die Szenen des Christgeburtspieles waren so eingetaucht und umwoben von einer romantischen mystischen Stimmung. Im milden glimmend-leuchtenden Glanze der Christbaumlichter vollzog sich die Geburt des Kindleins. Joseph daneben war schon im Halbdunkel und der Bühnenraum verschwand ganz im Dunkel. Es lag ein Bestimmtes-Unbestimmtes über dem Geschehen, welches dem freien Weben der Phantasie und dem Bilden der Imaginationen durch zu scharfe Konturen keine Hindernisse in den Weg legte. Aus den dunklen Ecken der Bühne traten die Wirte auf und verschwanden wieder dahinein und die Hirten kamen von dort vor ihrer Opferung, nachdem sie im Dunkeln verzweifelt den Weg zum Kinde suchten. Schon bei ihrem ersten Auftreten kamen sie wie aus den Weiten, erhöht im Hintergrund auftretend.
   Die drei Könige als die Weisen aus dem Morgenland sind von uralter Spiritualität erfüllt, in den Hirten walten schlichte Herzenskräfte. Die Könige werden durch weisheitsvolle Sternenkräfte, die Hirten durch das Herzenshimmelslicht zum Kindlein geleitet. Das Herz trägt die Zukunft in sich, die Häupter bewahren die Weisheit der Vergangenheit.
   Dies in den Spielen erkennend, begreift man, warum Rudolf Steiner einen so großen Wert auf die immer wiederholte Aufführung der Spiele legte und ihnen so viel Zeit widmete. Sie ergänzen sich, Vergangenheit begegnet der Zukunft, Werdendes folgt Gewordenem. In der Blüte ahnt man schon die Wunderkraft des werdenden Samens.
   Die volle Bedeutung dieser geistigen Dualität im Menschenwesen kommt in den Schlußworten der "Weihnachts-Meditation", welche Rudolf Steiner aus Anlaß der Weihnachtstagung am Goetheanum im Jahre 1923 geprägt hat, zum Ausdruck:
In der Zeiten Wende
Trat das Welten-Geistes-Licht
In den irdischen Wesensstrom;
Nacht-Dunkel
Hatte ausgewaltet;
Taghelles Licht
Erstrahlte in Menschenseelen;
Licht,
Das erwärmet
Die armen Hirtenherzen;
Licht,
Das erleuchtet
Die weisen Königshäupter.In dem zitierten Buch
ist der "Grundstein-Spruch"
in dieser Zeilenfolge gebracht.
Göttliches Licht,
Christus-Sonne
Erwärme
Unsere Herzen;
Erleuchte
Unsere Häupter;
Daß gut werde,
Was wir
Aus Herzen gründen,
Was wir
Aus Häuptern
Zielvoll führen wollen.
      ***
Menschheitsrepräsentant, R.Steiner - Goetheanum

Holzplastik "Der Menschheitsrepräsentant" von Rudolf Steiner Goetheanum, Dornach / Schweiz

 

 

 

 


 

 

 

Christus-Holzplastik von Rudolf Steiner

Der "Menschheitsrepräsentant" - Holzplastik von Rudolf Steiner, Goetheanum Dornach Schweiz, siehe nebenstehend unterster Text von Hermann Ranzenberger