Anthroposophie        =           Dreigliederung
Impuls - Reaktion - Inkarnation   1919 - 1969 - 2019    Geschichte - Quellen - Material

  Auf den Seiten 3e+f ist die Schrift von Hermann Beckh "Der Ursprung im Lichte" zu finden, auf den Seiten 8b+c die Schrift "Vom Geheimnis der Stoffeswelt - Alchymie".

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Hier sei zu den vorangehenden 4- und 7-gliedrigen Aspekten (Quellbereiche)  eine die Zahl 12 betreffende Betrachtung aus dem Buch 'Das Markus-Evangelium' hinzugefügt. Das Kapitel ist in dem noch erhältlichen Buch im Urachhaus-Verlag in seinem weiteren christologischen Zusammenhang nachzulesen. Der Verlag hat dem hier erfolgten Abdruck freundlicherweise zugestimmt.

Die Anmerkung "ME" im Text weist auf das Buch des Verfassers "Der kosmische Rhythmus im Markus-Evangelium" hin. Dieser Anhang steht in engem Zusammenhang mit einem Vortrag Rudolf Steiners 'Exkurse in das Gebiet des Markus-Evangeliums'(GA124) und dem Kap3a-f Das individuelle Prinzip 

Hermann Beckh: Das Wesen des kosmischen Rhythmus

aus der Einleitung zu "Der kosmische Rhythmus im Markus-Evangelium" 2.Kapitel S18

   Um das Wesen des im Markus-Evangelium enthaltenen, in der folgenden Betrachtung im einzelnen aufzuzeigenden kosmischen Rhythmus zu verstehen, ist es nicht notwendig, sogleich zum Sternenhimmel aufzuschauen, in einseitiger Weise nur an Sternentatsachen und Sternkonstellationen dabei zu denken. In diesem Punkte gerade kann diese Darstellung einer schon erwähnten theologisch-astralmythologischen Richtung, die bei der Betrachtung der einzelnen Evangelien-Abschnitte fortwährend auf alle möglichen Details der Sternkarte Bezug nimmt, nicht folgen. Sie kann die oftmals sehr äußerliche Art, wie da in gewissen Schriften (von denen das 'Markus-Evangelium' von Arthur Drews am berühmtesten geworden ist) sozusagen alle möglichen Punkte der Evangelienerzählung über die Sternkarte hin verteilt werden, nicht mitmachen. Es soll damit keineswegs von vornherein in Abrede gestellt werden, ob es nicht in der Zukunft vielleicht auch einer wirklich spirituellen Betrachtung einmal noch gelingen könnte, solche weitreichende 'Sternentatsachen' in der Evangelienerzählung aufzufinden. Bis heute aber ist eine wirklich spirituelle Darstellung der fraglichen Tatsachen weder gefunden noch gegeben worden. Und die gegenwärtige Darstellung wird sich zunächst und im wesentlichen darauf beschränken, den zum Gang der Sonne durch die zwölf Tierkreiszeichen in Beziehung stehenden Evangelien-Rhythmus, diesen aber nicht in der äußerlichen Art gewisser astralmythologischer Schriften, sondern in einem mehr geistigen Sinne aufzuzeigen.

  Der hier gemeinte, in der Erzählung des Markus-Evangeliums enthaltene 'kosmische Rhythmus' ist eine geistige Tatsache, die in dem jährlichen Gang der Sonne durch die zwölf Tierkreiszeichen nur gleichsam ihr äußeres Abbild in der 'Himmelsschrift' hat. (Über das Wesen einer solchen in Natur- und Himmelstatsachen enthaltenen 'großen Chiffre-Schrift' findet man schöne Sätze im Eingang der dichterischen Prosaschrift 'Die Lehrlinge zu Sais' des Novalis). Der geistigen Tatsache des kosmischen Rhythmus können wir uns im eigenen Leben wie im Miterleben des Jahreslaufes, in der Betrachtung der Menschengestalt und des geistigen Menschenwesens wie des Wesens der Töne und Tonarten unmittelbar bewußt werden. Auch dieses kann (wie in der Schrift 'Das geistige Wesen der Tonart' zu zeigen versucht wurde) wie eine Parallele desjenigen empfunden werden, was im Jahreslauf und Jahresrhythmus sich offenbart. Und dieser Rhythmus hat wiederum sein kleines Abbild in demjenigen des Tageslaufes, so wie er im 'platonischen Weltenjahr', in der rückläufigen Verschiebung des Frühlingspunktes durch alle zwölf Tierkreiszeichen im Laufe von 25920 Jahren, sein größeres kosmisches Gegenbild hat. Erst wenn wir in der Verschiedenheit der in Betracht kommenden Offenbarungsgebiete das Gemeinsame auffinden, dringen wir tiefer in das geistige Wesen des hier gemeinten kosmischen Rhythmus ein.

     Gehen wir einmal vom Jahresrhythmus aus. Da erleben wir auch ohne daß wir zunächst nach Sternbildern und Tierkreiszeichen dabei ausschauen, deutlich die Sommer- und die Winter-Sonnenwende, die Frühlings- und die Herbst-Tag- und Nachtgleiche als die vier großen Eckpunkte dieses Rhythmus. Wir fixieren diese vier Eckpunkte nicht nur äußerlich, sondern wir können, wenn wir überhaupt vom geistigen Erleben des Jahres- und Naturlaufes noch eine Ahnung haben (Der religiöse Kultus ist in hervorragendem Maße geeignet, dieses durch den Fortgang des Materialismus im heutigen Menschheitsbewußtsein bedrohte, tief ins Unterbewußtsein hinuntergesunkenen Empfinden wieder zu erwecken) sie in einer sehr starken und deutlichen Art im Bewußtsein miterleben. Unser ganzes Weltempfinden und Innenleben ist, wenn wir darauf zu achten vermögen, ein sehr verschiedenes zu Weihnachten, zu Ostern, in der Johannis- und Michaeliszeit. Bis in physiologische Erscheinungen hinein läßt sich zeigen, wie unser Leben nicht nur mit dem Sonnen- sondern auch mit dem Mondenrhythmus innerlich verbunden ist. (Sensitive Naturen vermögen dergleichen ganz unmittelbar zu empfinden.) So ergibt sich, in Anlehnung an den Monatsrhythmus, die Dreiteilung der vier zwischen Sonnenwende und Tag- und Nachtgleiche liegenden Abschnitte von selbst (Gehen wir von dem in den vier Eckpunkten der Solstitien und Äquinoktien gegebenen Rhythmus aus, so werden wir finden, daß auch innerhalb der vier Abschnitte, also im Monatsrhythmus, der eigentliche Übergang nicht am ersten des Monats, sondern um den zwanzigsten, einundzwanzigsten herum sich vollzieht). Das Empfinden ist ein anderes in der Osterzeit, in der Blütenfülle der Maienzeit, in der Junizeit bis zur Sommer-Sonnenwende hin, ein anderes in der Novemberzeit, in der Vorweihnachts- (Advents-)zeit, in der Weihnachts- und Epiphaniaszeit. Wir brauchen noch immer nicht nach bestimmten (nicht ohne Sinn un d inneren Zusammenhang diese namentragenden) Sternbildern des Tierkreises den Blick zu wenden, um einen Sinn damit verbinden zu können, wenn gesagt wird, die Sonne (oder auch: unser irdischer Jahresrhythmus) stehe in der Zeit nach der Sommersonnenwende, wenn auf das Vorrücken der Punkte des Sonnenaufgangs und Sonnenuntergangs in nördlicher Richtung wiederum das Zurückschreiten in südlicher Richtung folgt, im Zeichen des Krebses (weil die Sonne dann ihren Rückwärtsgang, ihren Krebsgang antritt, und auch gewisse Lebensempfindungen dabei wieder zurückgehen). Oder wenn davon die Rede ist, wie im Mai, in der Zeit des üppigsten Sprießens und Blühens in der Natur, die Sonne im Zeichen des Stieres steht, brauchen wir nicht an eine bestimmtes Sternbild, sondern wir können auch an die im Stier sich offenbarende zeugende Lebenskraft denken. Und wir können das mit dem Ersterben des Naturlebens in der Novemberzeit verbundene Zeichen des Skorpions einfach als die Macht empfinden, die dem Naturleben jetzt den Todesstich versetzt. Auch ohne nach dem Sternhimmel dabei auszuschauen, können wir den Skorpion in diesem Sinne als das  Todeszeichen verstehen. Und wir können das die Herbst-Tag- und Nachtgleiche und Michaeliszeit beherrschende 'Zeichen der Wage', auch ohne dabei auf das gleichnamige Sternbild hinzublicken (für welches sich, infolge des 'Zurückschreitens der Nachtgleichen', sogar eine gewisse zeitliche Verschiebung ergeben hat) einfach als Ausdruck dafür empfinden, daß Tage und Nächte jetzt vorübergehend wieder gleich lang geworden, in die 'Wage' getreten sind. Wir können so den Rhythmus des Jahreslaufes uns in zwölf Monatsabschnitte gegliedert denken, in dieser Gliederung innerlich miterleben, und diesem Sinne von den zwölf Zeichen des Widders, Stieres, der Zwillinge, des Krebes, des Löwen, der Jungfrau, der Wage, des Skorpions, des Schützen, Steinbocks, Wassermanns und der Fische sprechen, ohne uns zunächst um die gleichnamigen Sternbilder zu kümmern (die heute mit den hier gemeinten 'Zeichen' aus dem angegebenen astronomischen Grunde gar nicht mehr ohne weiteres zusammenfallen). Wir erleben dann einfach den Widder als das 'Aufleuchten des Jahres' in der Osterzeit, den Stier als die Maienzeit mit ihrer Blütenfülle, die Zwilling als die Zeit gegen Sommersonnenwende hin, Krebs als die erste Zeit nachher, den Löwen als den Wärmehöhepunkt des Sommers (Augustzeit), die Jungfrau als das Scheiden des Sommers, das Stillerwerden des Lichtes in den Septembertagen, Wage als die Michaeliszeit (deren Beginn heute, astronomisch gesehen, noch in die Jungfrau fiele), Skorpion als das Sterben des Naturlebens im November, Schütze als die Adventszeit, Steinbock als die Weihnachts- und Nachweihnachtszeit, Wassermann als die erst zarte Frühlingsahnung im Februar, die Fische als den eigentlichen Vorfrühling.

   Einfach und naheliegend ist die entsprechende Anwendung dieses zunächst im Jahreslaufe gefundenen Rhythmus auf den Tageslauf. Wie zum Widder als zum Zeichen des aufgehenden Lichtes im Jahreslaufe die Osterzeit (Der Frühlingspunkt selbst, die Frühlings-Tag- und Nachtgleiche, liegt heute, astronomisch betrachtet, in den Fischen, und der Widder wird erst etwas später im Fortgang der Osterzeit erreicht. In der Christus-Ära, im 'vierten Kulturzeitraum' - heute stehen wir im fünften - fiel er noch in den Widder), gehört dazu im Tageslaufe der Sonnenaufgang und die Stunde - genauer: der doppelstündige Zeitraum - nach Sonnenaufgang, der in den Zwillingen im Jahreslauf erreichten Sommersonnenwende entspricht im Tageslauf die Mittagsstunde (darum kann man die Zwillinge als das Zeichen des 'großen Mittags' ansehen), dem jährlichen Rückgang im Krebs, der ersten Abnahme des Lichtes nach der Sommersonnenwende entspricht im Tageslauf der Beginn des Nachmittags, der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche im Zeichen der Wage entspricht im Tageslaufe die Abendstunde, Sonnenuntergang; wie dem Sommer der Tag, entspricht dem Winter die Nacht, der zur Winterwende hinführenden Adventszeit (Schütze) entspricht das Erreichen der Mitternacht, der Weihnachtszeit als der auf die Winterwende folgenden Zeit des Jahres (Wendezeichen des Steinbocks) entspricht im Tageslauf die Stunde nach Mitternacht, dem Vorfrühlingszeichen der Fische entspricht im Tageslauf die frühe Morgenstunde, die Stunde 'vor Sonnenaufgang'.

       < Wie im Jahres- und Tagesrhythmus kann auch im Kreise der - im 'temperierten System sich ergebenden - zwölf Tonarten von einer Tag- und Nachtseite gesprochen werden<. den helleren Kreuztonarten als den gleichsam 'oberen' Tonarten stellen sich die dunkleren B-Tonarten als die 'unteren' gegenüber. Dem 'Aufgang im Licht' im Widder entspricht dann musikalisch der Übergang von den unteren in die oberen Tonarten bei C-Dur (vgl. den ausdrucksvollen C-Dur-Übergang bei 'Es werde Licht' in Haydns 'Schöpfung'). Dem Erreichen der Lichteshöhe und Mittagshöhe in den Zwillingen entspricht dann musikalisch D-Dur, der ersten Abnahme im Krebs A-Dur, der in der Wage sich vollziehende Übergang von der Tag- zur Nachtseite (Herbstgleiche, Sonnenuntergang) wäre musikalisch in der C-Dur gegenüberliegenden Tonart Fis-Dur bzw. Ges-Dur zu suchen; die in Chopins 'Nocturnes' so beliebten und ausdrucksvollen Tonarten Des-Dur und As-Dur führen dann, wie im Tierkreis die 'Todeszeichen' Skorpion und Schütze, immer tiefer hinein die die 'Nacht' (deren Finsternis durch die entsprechenden düsteren Moll-Tonarten B-Moll und F-Moll am stärksten zum Ausdruck gebracht wird), dem Wende-Zeichen des Steinbocks, der Lichteszunahme nach der Winterwende und Mitternacht entspräche musikalisch Es-Dur; in B-Dur sehen wir, entsprechend der Zeit, wo die Sonne im Wassermann steht, die Helligkeit fortschreiten; in der den Übergang zur Tagseite vorbereitenden Tonart F-Dur (Zeichen der Fische) liegt dann schon das eigentliche Hellwerden, wie es im Tageslaufe die Stunde vor Sonnenaufgang, im Jahreslaufe der erste Frühling, die Zeit vor Ostern bringt. - Die taghelle Welt der 'Meistersinger' liegt vorzugsweise in den oberen, das 'dunkel-nächtige Land' von 'Tristan und Isolde' in den unteren Tonarten (As-Dur). (Die Erkenntnis des geistigen Wesens des hier überall gemeinten 'kosmischen Rhythmus' wird sehr gefördert, wenn es gelingt, den zunächst im äußeren Naturgeschehen erlebten Zeitenrhythmen auch im Musikalischen, in der Welt der Töne, die ja etwas Außerräumliches, dem Zeitlichen Zugeordnetes ist, zu finden. Doch setzt das hier Gemeinte außer allgemeinem musikalischem Empfinden ein gewisses 'Tonarten-Empfinden' voraus. Wer hier nicht folgen kann, lasse diese für das Verständnis des Ganzen nicht unbedingt wesentlichen Dinge auf sich beruhen. Wer die Wege des Verständnisses sucht, findet in der Schrift des Verfassers 'Das geistige Wesen der Tonart' nähere Angaben.

Hermann Beckh, Tonarten-Tierkreis

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   Von der Welt des Zeitlichen und Musikalischen wenden wir uns zu der des Räumlichen und Räumlich-Gestalteten. Da offenbart sich für eine tiefere geistige Betrachtung der schöpferische Rhythmus des Weltenwerdens vor allem in derjenigen Gestalt, die selber wie eine Zusammenfassung der ganzen Weltenschöpfung und ihrer Geheimnisse als 'Krone der Schöpfung' vor uns steht, in derjenigen Gestalt, die der hier gemeinten Betrachtungsweise al die 'kleine Welt' in der großen, als 'Mikrokosmos' im Makrokosmos erscheint, in der Menschengestalt. (Über das einzelne siehe Rudolf Steiner 'Der Mensch im Lichte von Okkultismus, Theosophie und Philosophie).

       In der 'großen Welt', im Makrokosmos - so findet geistige Betrachtung - leben die schöpferischen Wesenheiten, die, im Reigen des großen kosmischen Rhythmus einander ablösend, durch Äonen des Weltgeschehens hindurch ihre Kräfte in das Irdische haben hereinstrahlen lassen. Aus diesen wir aus zwölf Regionen des Raumes hereinstrahlenden Kräften hat sich durch mannigfaltige Metamorphosen hindurch die heutige Menschheit gestaltet. Und nennt man die Kräfte, die besonders in der Gestaltung des menschlichen Hauptes gewirkt haben, diejenigen des Widders (das heißt nicht: irgendein übersinnlicher 'Widder' schafft am menschlichen Haupte, sondern: diejenigen geistigen Wesenheiten, die an der Konfiguration des menschlichen Hauptes vor allem tätig sind, lassen ihre Kräfte aus derjenigen Sphäre des Kosmos hereinstrahlen, die heute astronomisch durch das Sternbild des Widders fixiert wird). Im 'Widder', so können wir auch sagen, richtet sich die menschliche Gestalt zum Himmel auf, da wendet sie sich mit der  S t i r n e  empor zu den  S t e r n e n , da entwickelt sie das Licht des Auges und die Kraft des Gedankens. Es ist dasselbe Zeichen, wo wir im Jahreslaufe und im Tageslaufe das Licht aufgehen sehen, dasselbe, wo wir im 'Tonarten-Kreis' die helle, gedankenklare C-Dur-Tonart finden. Wie im Jahreslauf Ostern und Michaelis, im Tageslauf Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, im Tonartenkreis C-Dur und Fis-Dur-Ges-Dur (Aufstieg zu den Kreuztonarten und Abstieg zu den B-Tonarten) in einer gewissen Wechselbeziehung stehen, so finden wir diese Beziehung von Zeichen und Gegenzeichen, Widder und Wage, auch an der Menschengestalt: im Haupte, im Widder, richtet sich der Mensch zum Himmel auf, in den Hüften, (die wirklich dem Tierkreiszeichen der Wage entsprechen) hält er die Wage, das Gleichgewicht. Auch an der Menschengestalt kann man sich das Wesen der 'Wage' veranschaulichen, ohne zunächst irgendein Sternbild des Tierkreises dabei ins Auge zu fassen. In 'Widder' und 'Wage', so können wir auch sagen, stellt sich der Mensch im rechten Gleichgewicht in die Erdenkräfte hinein. diese Konstellation steht vor allem in einer Beziehung zur Erdeninkarnation des Menschen. Haben wir diesen Gesichtspunkt einmal gefunden, so wird er uns auch zu einem Schlüssel für das Evangelienverständnis. für den kosmischen Rhythmus im Markus-Evangelium, wenn wir finden, wie im Widder bzw. in der Konstellation Widder-Wage, der Christus sich aktiv in die Erdenkräfte hineinstellt oder sich in diesen Kräften behauptet. Oder - wie dies bei den Besessenenheilungen der Fall ist, andern zu einem richtigen Sich-Hineinstellen in die Erdenkräfte verhilft. Wir können auch ohne daß wir dabei zunächst zum Sternhimmel emporschauen, am Evangelium den klarsten und deutlichsten Begriff vom Wesen der Konstellation Widder-Wage uns bilden: an der Gestalt des Menschen, der vor uns steht, bringen wir uns das geistige Wesen der Konstellation Widder-Wage zum Bewußtsein, und wir finden es im Rhythmus der Evangelienerzählung dann wieder im Bilde des sich in die Erdenkräfte hineinstellenden Menschheits-Repräsentanten: des Christus-Jesus.


< Im 'übersinnlichen Organismus' des Menschen, wie er in dem Buche 'Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten' von Rudolf Steiner beschrieben ist, findet man in der Region des Widders, in Augenhöhe (im 'Zwischenbrauenkreis') das Organ der 'zweiblättrigen Lotusblume', von der Strahlen ausgehen, durch die sich der Mensch als Ich erlebt und dieses Ich mit Wesenheiten der geistigen Welt in Verbindung setzt. (Wer mit der hier gemeinten Darstellung - die sich ähnlich auch in indischen Yoga-Dokumenten findet - noch nicht bekannt ist, möge diesen Abschnitt - ähnlich wie vorher den Hinweis auf die Tonarten - zunächst unberücksichtigt lassen. Für das Evangelienverständnis ist er vorläufig nicht unerläßlich, wenn auch die fortschreitende Betrachtung immer mehr Gesichtspunkte ergeben wird, die auch hier Zusammenhänge erkennen lassen>. Die menschlichen Sinne überhaupt haben eine Beziehung zu den die menschliche Gestalt beherrschenden Tierkreiskräften. Nur wird dann über die landläufigen 'fünf Sinne' hinausgeschritten zu dem, was Rudolf Steiner im Anhang des Buches 'Von Seelenrätseln' über die 'zwölf Sinne' des Menschen entwickelt. Im Sinne dieser Gliederung ordnet sich zur Region des Widders, der in Augen- und Stirnhöhe wirkenden Haupteskräfte der 'Ichsinn' des Menschen (unter dem Rudolf Steiner den Sinn für die Wahrnehmung des Ich im andern Menschen versteht).<


Wie durch die aus der Region de Widders wirkenden Weltenkräfte die in Augen- und Stirnhöhe liegenden Haupteskräfte, so sind aus der Region des Stieres die Kräfte des Kehlkopfes, die Sprachkräfte gestaltet. Zum Tierkreiszeichen des Stieres, so können wi sagen, gehört das  W o r t  (dem unter den 'zwölf Sinnen' im Sinne der Anthroposphie der 'Denksinn' sich zuordnet), das Wort im schöpferisch-johanneischen Sinn, der Logos. Da, wo wir im Jahresrhythmus die Zeit des üppigsten Blühens und Sprießens, Wachsens und Werdens erleben, offenbart sich das schöpferische Weltenwort. Wir werden es natürlich finden, wenn in den für dieses Zeichen in Betracht kommenden Abschnitten des Evangeliums einfach das 'Wort' den entscheidenden Inhalt bildet. Es sind die Abschnitte vor allem, wo das lebendige Wort des Christus mit dem erstorbenen Worte, der toten Menschensatzung der Pharisäer und Schriftgelehrten sich auseinandersetzt, oder wo aus der lebendigen Kraft des göttlichen Wortes die Krankenheilungen geschehen. Auch der bedeutungsvolle Abschnitt, wo in der Johannes-Einweihung die Kräfte des Wortes auf den großen Christus-Träger übergehen, steht in diesem Zeichen. (Zu zeigen, wieso und inwiefern dieses alles der Fall ist, obliegt der späteren Betrachtung der Evangelienerzählung in ihren Einzelheiten.)


Das Gegenzeichen des Stieres (d.h. das in der kreisförmigen Anordnung der zwölf Zeichen ihm gegenüberliegende) ist der (heute zum Todeszeichen gewordene) Skorpion. Der im Naturleben anschauliche Zusammenhang zwischen Der Zeit des üppigsten Blühens und Sprießens, dem Höhepunkt des Liebeslebens der Natur im Mai und ihre Absterbens im November offenbart sich auch an der menschlichen Gestalt. Den im Stier, in der Region des Kehlkopfes wirkenden Sprachkräften stehen da im Skorpion die Sexualkräfte gegenüber. Den Zusammenhang zwischen Sprach- und Sexualkräften kennt auch die gewöhnliche Physiologie - man denke an den Stimmwechsel in der männlichen Geschlechtsreife -, und für eine geistige Betrachtung, die auf die schöpferische und entwicklungsmäßige Zukunftsbedeutung der Worteskräfte hinblickt, ergeben sich noch tiefere Seiten dieses Zusammenhangs. In dieser Region, die einst als 'Adler' der Ursprung des Sonnenlebens war (Siehe Rudolf Steiners 'Geheimwisenschaft' sowie den Düsseldorfer Zyklus Nr. 7 'Von geistigen Hierarchien'), sind die Mächte des Sündenfalls an das Menschenwesen herangekommen. Der Adler ist zum Todesstachel geworden. Auch die von Plutarch mitgeteilte ägyptische Irissage erzählt, wie der sonnenhelle Osiris vom finstern Bruder in der Zeit getötet wird, wo die Sonne im Skorpion steht. Uralte Menschheitserinnerungen leben in diesen Sagen. Höchste Geheimnisse des Lebens und des Todes sind in dieser Region beschlossen, und ein hauptsächliches Geheimnis der im Markus-Evangelium dargestellten christlichen Johannes-Einweihung liegt gerade an diesem Punkte. Im Zeichen des Skorpions, wo die andern in ihre Krisis kommen, den Todesmächten und Kräften des bewußtseinsraubenden Todesstachels erliegen, wird Johannes zum Überwinder der Todesmächte. Er wird der Wiedergewinner und Wiederbeleber des verlorenen Schöpferwortes, der den Skorpion wieder in den Sonnenadler verwandelt. Diese ist, wie die Betrachtung im einzelnen noch deutlicher ergeben wird, ein wesentlich entscheidender Punkt in der Erzählung des Markus-Evangeliums.


    In den 'Zwillingen' ordnet sich die menschliche Gestalt an den Schultern, im Ansatz der Oberarme, in ihre Zweiheit. (In der Gliederung der 'zwölf Sinne' finden wir hier den 'Wortsinn'.) Das Gegenzeichen, der Schütze, steht an dem Punkte, wo sich diese Gliederung in die Zweiheit am untern Menschen bei den Oberschenkeln ergibt. (In der Gliederung der 'zwölf Sinne' finden wir hier den Gleichgewichtsinn'.) Im Evangelium stehen hier, in den Zwillingen, die Stellen, wo Christus die Zwölfe um sich ordnet, wo die Initiation der Jünger beginnt, das Worterleben der Inspiration in ihnen vorbereitet wird. Es zeigt sich, wie an diesen Stellen immer die 'Söhne des Zebedäus', Jakobus und Johannes, als die 'himmlischen Zwillinge' in besonderer Weise hervortreten. Im übrigen werden tiefere Zusammenhänge gerade dieses Zeichens noch offenbar werden, wenn - was im nächsten Abschnitt geschehen soll - auf die Sternbilder selbst, auf die Offenbarung der zwölf Weltenkräfte in der 'Himmelsschrift' hingeblickt wird. Zwillinge und Schütze, die im Jahres- und Tages-Rhythmus den 'großen Mittag' und die 'tiefe Mitternacht' repräsentieren, haben auch im Evangelium eine entsprechende Bedeutung. Im Zeichen des Schützen (in dem wir z.B. die Verklärung, wie dann den Tod auf Golgatha finden) tritt das Todeserlebnis in seiner Bedeutung für die christliche Initiation in besonderer Weise in den Vordergrund.


    Dem Höhenzeichen der Zwillinge folgt das Abstiegs- und Wendezeichen des Krebses, so wie im Jahresrhythmus der Sommersonnenwende der Abstieg des Jahres folgt, wenn die Sonne ihren Rückwärtsgang, ihren Krebsgang antritt. An der menschlichen Gestalt werden wir hier zu den Rippen, zum Brustpanzer geführt. Da wo in der alttestamentlichen Erzählung der Genesis im Bilde der Erschaffung Evas aus der Rippe Adams auf einen Bewußtseins-Abstieg der paradiesischen Menschheit hingedeutet wird, können wir zum erstenmal den entwicklungsgeschichtlichen Sin dieses Zeichens ahnen, das dann vor allem in der Johannes-Einweihung (die sich in ihm vollendet) eine so tief bedeutungsvolle Rolle spielt. (Die reichen und mannigfaltigen Einzelheiten müssen der späteren Darstellung des Evangeliums vorbehalten bleiben.) Erinnert sei hier daran, wie Rudolf Steiner in dem Berliner Zyklus 'Der menschliche und der kosmische Gedanke' die zwölf Himmelszeichen auch wiederfindet in zwölf Welta