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Anthroposophie        =           Dreigliederung

Impuls - Reaktion - Inkarnation   1919 - 1969 - 2019    Geschichte - Quellen - Material

- Anthroposophie, soziale Dreigliederung, Geschichtsphilosophie -

"Gedanken und seelisches Ringen soll eine allgemeine Angelegenheit werden,

nicht mehr diejenige von Fachgelehrten"

(Rudolf Steiner Gesamtausgabe Nr.335,S101) 

- Résumees eines 68ers -
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 Aktuell zum Abstandsgebot wegen Corana:

Mit Kreide am Eingang zum Tempelhofer Feld in Berlin steht auf der Straße geschrieben:

"Triff Dich mit Dir selbst"

Das erinnert an das alte Tempelmotto: "Erkenne Dich selbst". Und das auf einem "Tempelhofer Feld"!

Es scheint, als ob dieses Motiv nun vom Kopf in die Glieder gefahren ist. "Sei mutig" steht noch dabei.

Mut gehört dazu bei der Selbsterkenntnis, schließlich konfrontiert man sich mit Tod und Teufel, da keiner in der Regel ein Engel ist. Daß die Corona-Krise dieses Motto auf der Willensebene zeitigt, ist doch wohl auch ein - positives - Zeichen der Zeit!

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   Ein Sinn für Wandlungen konstatiert: Unsere soziale Verfassung differenziert sich. Forschung liberalisiert sich, Recht emanzipiert sich und Wirtschaft vernetzt sich. D.h. Kulturschaffende befreien sich von Zwängen, Richter verwahren sich vor Korrumpierung und Wirtschaft optimiert sich in Zusammenarbeit. Als "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" sind diese Prinzipien seit 1789 bekannt, 1919 verortet sie Rudolf Steiner für eine Konstitution der "sozialen Dreigliederung" in freies Geistesleben, demokratisches Rechtsleben und genossenschaftliches Wirtschaften. 1969 entsteht die Forderung, die Gesellschaft zu "entfilzen". Und im Zuge der Globalisierung wird von Produktion, Handel und Konsum mehr und mehr die nationale Grenzen sprengende Kraft des Wirtschaftens Realität. Nur eine rückwärtsgewandte Haltung zementiert die einheitsstaatlichen Verfassungen der Staaten, wo doch längst die Gliederung in den Tatsachen ein Umdenken fordert.

    Zündende Funken und befriedende Perspektiven erwartet man im neuen Jahrtausend allerdings nicht mehr von Philosophen, die in Talkshows, Interviews und Essays nur noch belanglos herumgereicht werden. "Great again" hat Konjunktur, egomane Macher gießen Öl ins Feuer, statt streitende Parteien zu befrieden. Sie dämpfen zu wollen, ist aussichtslos. Sie sind der Dritte, der sich freut, "wenn zwei sich streiten". Wie sonst ist auch das moralische Vakuum im Nahen Osten zu erklären, dessen religiöse Rivalitäten von "beschützenden" geopolitischen Weltmächten noch zementiert werden? Einen Dritten braucht es aber auch für eine konstruktive Befriedung - Streitlust oder Resignation allein helfen nicht weiter, sowenig wie Hegemoniestreben und Isolationismus. Dieser Dritte ist konfliktfähig (Friedrich Glasl), er geht aktiv auf die Probleme zu, zwischen Teufel und Belzebub vermittelnd. Die Konfessionen könnten die Situation outen, wenn sie ihre Augenbinden ablegen würden. Die kosmischen Gegensätze faßte Rudolf Steiner in den Blick, brachte sie ins Bild und schuf dafür die Holzplastik des "Menschheitsrepräsentanten" - zwischen den Menschheitswidersachern vermittelnd. Im "Goetheanum" in Dornach/Schweiz ist sie zu besichtigen. Sie repräsentiert die "Ur-Dreigliederung", um die es geht.


  Vermittelnde Aufgaben wies schon Wilhelm von Humboldt 1792 staatlicher Vollmacht zu, zwischen kultureller und wirtschaftlicher Produktivität. Aber er begrenzt sie auch, die auf Kultur und Wirtschaft übergreifend, nur Symptome kuriert mit Reformen und neue Strukturen erst gar nicht sucht - zu verheißungsvoll winken die alten Pfründe. Eine Revolution wie 1968 bringt einen Entwicklungsschub und öffnet frischer Luft die Fenster, wie Papst Benedikt am 22.9.11 anerkennend von den "Grünen" sprach. Revolutionen erreichen aber eher das Gegenteil, denn das Feuer der Begeisterung erstickt im Strom der Geschichte allzuschnell. "Und es wallet und brauset und siedet und zischt, wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt", so Schiller angesichts der Französischen Revolution. Und: "Gefährlich ist's, den Leu zu wecken..." Er wußte: Organische Entwicklung braucht Zeit und darf nicht von Machern überhitzt oder durch Apparate verwässert werden. Wie Freiheit und Sozialismus walten können, ohne unter das Diktum der Ausschließlichkeit zu fallen, hat Rudolf Steiner 1919 erschlossen in: "Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Notwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft". Neue Paradigmen zu denken, braucht ein Menschenleben, ein weiteres, um im Gefühl anzukommen - und noch ein weiteres, um Realität zu werden. Und so darf konstatiert, werden, daß nach 3 x 33 Jahren vieles von Steiners konstruktiven Anregungen Wirklichkeit geworden ist. Heute droht aber auch eine Kettenreaktion destruktiver sozialer Spaltung in einem Kampf Aller gegen Alle. Dieser hat gleich einem Tsunami weite Gebiete des sozialen Lebens überflutet. Und in dieser Lage ist eine Pandemie, wie sie der Corona Virus ausgelöst hat, bedrohlich für alle weitere Entwicklung. Denn sie führt zu weiteren nationalen Abschottungen und kulturellen und wirtschaftlichen Einbrüchen. Einen Zusammenbruch kann nur besonnenes und im sozialen Leben angewandtes ganzheitliches Denken und Handeln verhindern.


 - Einblicke und Durchblicke in das Leben des Einzelnen, der Gemeinschaftsformen und der Gesellschaft im Ganzen -

Grundlagen und Arbeitsmaterial hierfür möchten diese Seiten konstruktiv zu sozialen Bemühungen beitragen -


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